• Montag, 20.11.2017
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PERSÖNLICHKEIT

Zum Tod von Erich Walser

Untertitel
Von Angela Winkelmann
Zum Tod von Erich Walser
© Helvetia
An der bewegenden Trauerfeier im appenzellischen Rehetobel Anfang Januar 2015 habe ich mich gefragt, was mir vom Menschen Erich Walser besonders in Erinnerung bleiben wird. Sein hohes – und stets unaufgeregtes – Arbeitsethos und sein klarer Blick für das Wesentliche auf dem Weg in die Zukunft waren beispielgebend. Das Besondere an Erich Walser war jedoch, dass er diese Eigenschaften mit überzeugender Menschlichkeit, persönlicher Bescheidenheit und immer wieder überraschend aufblitzendem Witz gelebt hat. Erich Walser wird - sicher nicht nur für mich – ein grosses Vorbild bleiben.

Aus Anlass seines Todes bringt SenLine einen Auszug aus einem Interview, das unser Chefredaktor 2012 mit ihm führen konnte, und zwar die Passagen, in denen er vor allem über sich Auskunft gibt: voller Zuversicht und hoffnungsvoller Freude.
 

Interview

Erich Walser, Verwaltungsratspräsident der Helvetia Versicherungen, im Gespräch mit Helmut Bachmaier.

Herr Walser, wie war Ihr beruflicher Werdegang?

Erich Walser: Nach dem Studium der Ökonomie an der Universität St. Gallen und der Jurisprudenz an der Universität in Bern begann ich meine berufliche Tätigkeit in einer Bank im Rechtsdienst und als Assistent der Geschäftsleitung. Analog dem Militärdienst wünschte ich aber bald eine Führungsfunktion, die mir von der Helvetia in St. Gallen im Bereich Kapitalanlagen angeboten wurde.

Diese interessante Tätigkeit führte unsere Familie vor gut dreissig Jahren wieder zurück in die Ostschweiz, wo ich in Rehetobel (AR) aufgewachsen bin und auch heute noch wohne. Im Zuge eines Generationenwechsels in der Geschäftsleitung der Helvetia wurde ich 1991 zu deren CEO befördert.

Nebst der Stärkung der Profitabilität und des Wachstums der damaligen Helvetia-Gesellschaften kam in den 90er-Jahren die Zusammenführung der Helvetia Gruppe St. Gallen mit der Patria Genossenschaft in Basel. Ein besonderer Challenge dabei war die Verschmelzung der total verschiedenen Geschäftsmodelle und Kulturen eines Nichtleben- mit einem Lebensversicherungsunternehmen zu einer schlagkräftigen neuen Gruppe. Ich wurde Konzernleiter und später deren Verwaltungsratspräsident. Heute ist die Helvetia eine sehr erfolgreiche europäische Versicherungsgruppe mit Tätigkeiten in der Schweiz, in Deutschland, Italien, Spanien, Österreich und Frankreich.

Welche waren die wesentlichen Voraussetzungen für Ihre erfreuliche Karriere?

Erich Walser: Ausgangspunkt einer erfolgreichen Karriere sind Freude an und Fleiss bei der Arbeit; es ist wichtig, dass man weiss, was man will und was man kann. Mit steigender Kompetenz wächst das Selbstvertrauen bei den beruflichen Aufgaben in immer neuen Problemstellungen und Geschäftsfeldern. Auch Glück gehört dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ganz wesentlich für mich aber ist eine gehörige Portion Grundvertrauen: Vertrauen und Optimismus allgemein in eine sich langfristig positiv entwickelnde Wirtschaft, durch stets korrektes und berechenbares Verhalten das Vertrauen gewinnen bei Kunden und Mitarbeitenden, Zuversicht und Gelassenheit haben und ausstrahlen, auf den guten Verlauf der eigenen und gemeinsamen Arbeit setzen. Kurz gesagt: Es wird schon gut kommen – was man auch mit der stoischen Tugend der Ataraxie umschreiben könnte.

[…]

Wie sehen Sie die weiteren Entwicklungen in der Wirtschaft – insbesondere in der EU?

Erich Walser: Der Kapitalismus neigt leider verschiedentlich zu Übertreibungen, die uns ernste Probleme bereiten. Als Optimist gehe ich aber trotz allem davon aus, dass sich die EU bewähren und der EURO sich halten wird. Wachsen muss allerdings die Einsicht, dass dabei längere Durststrecken bevorstehen können. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die eine oder andere Volkswirtschaft schneller als erwartet wieder Aufschwung nimmt und auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückfinden wird. Angesichts des vielen vorhandenen Geldes ist mit einer leichteren, aber bewältigungsfähigen Inflation zu rechnen, die insbesondere die Sparer vor allem bei der 3. Säule (private Vorsorge) und auch die Pensionskassen treffen wird.

Die Aktivgeneration wird einen grösseren Effort in Bezug auf die Vorsorge leisten müssen, Grund- und Wohneigentümer werden gewisse Werteinbussen erleiden, teils können Liquiditätsprobleme entstehen, für junge Familien wird die Finanzkraft angespannter werden. Dies ist alles bedauerlich, in der Schweiz im Vergleich zu vielen anderen Ländern insgesamt aber immer noch auf einem verkraftbaren Niveau. Insgesamt wird die Wirtschaft ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, dies aber auch können. Die Politik muss einiges dazu beitragen. Auch die Helvetia ist diesbezüglich herausgefordert, ist doch die Vorsorge ein wesentlicher Pfeiler ihrer Versicherungsaktivitäten.

Herr Walser, was gehört zu einem „guten Alter“ – und was tun Sie speziell dafür?

Erich Walser: Um gut altern zu können, ist es wichtig – und das ist ja nichts Neues –, möglichst lange körperlich fit und mobil zu bleiben. Der Kopf soll sich neugierig für Neues interessieren und nicht vorwiegend in der Vergangenheit stecken bleiben, er soll den Elan und die Freude an bisher unbekannten oder ungewohnten Dingen wecken. Jedem ist aber auch Glück zu wünschen, nicht genetische Voraussetzungen für Gebrechlichkeit oder Demenz bewältigen zu müssen.

Selber möchte ich noch einige Jahre bei den bisherigen Tätigkeiten bleiben. Ich habe deshalb noch nicht gezielt neue Passionen gesucht, abgesehen von meiner Idee, einmal einen Krimi zu schreiben. Heute beschäftige ich mich intensiv mit Filmen. Ich bin aber zuversichtlich, mir noch andere Interessenfelder zu öffnen – ich freue mich bereits heute darauf!

Wie sehen Sie die künftige Zusammenarbeit mit der TERTIANUM-Stiftung?

Erich Walser: Als Verwaltungsratspräsident ist es nicht meine Aufgabe, zu operativen Belangen von Partnerschaften zu befinden. Von der strategischen Stossrichtung eines Vorsorge-Versicherers her ist es wichtig, in Fragen der Vorsorge – und das betrifft direkt auch das Altern – an vorderster Front mit dabei zu sein. Die Rahmenbedingungen rund um die verschiedenen Lebensphasen haben sich gewandelt, die Fragen des Alterns haben eine eminent kulturelle, gesellschaftliche und geschäftliche Bedeutung angenommen. Diesbezüglich erachte ich die Zusammenarbeit mit der TERTIANUM-Stiftung als Think Tank für Fragen des Alterns und zur intergenerativen Auseinandersetzung als sehr wichtig und erfreulich. Es ist notwendig, die aktive Generation in die Überlegungen zu den anstehenden Themen bewusst einzubeziehen. Mit „terzAvita“ hat die Helvetia in den vergangenen Jahren in Partnerschaft mit der TERTIANUM-Stiftung ein wichtiges Produkt lanciert, das in Richtung einer zeitgerechten und zukunftsangepassten sowie altersgerechten Lösung zielt und weiter ausgebaut werden könnte. Im Hinblick auf die bedeutende Babyboomer-Generation ist dies eine interessante strategische Herausforderung und Option für die beiden Partner.


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† Erich Walser



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