• Samstag, 18.11.2017
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PERSÖNLICHKEIT DES MONATS

Zukunft für die Menschen in unseren Bergen

Interview von Helmut Bachmaier  
Zukunft für die Menschen in unseren Bergen
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Regula Straub, Geschäftsführerin der Schweizer Berghilfe, im Gespräch mit Helmut Bachmaier.

Frau Straub, seit dem 1. Juli 2011 sind Sie Geschäftsführerin der Schweizer Berghilfe. Sie waren früher in der Privatwirtschaft tätig. Warum der Wechsel zu einer gemeinnützigen Stiftung?

Regula Straub: Ich wollte etwas Anderes machen, etwas Neues kennenlernen. Und vor allem: Ich wollte etwas für Menschen tun, und zwar ganz direkt. Meine früheren Tätigkeiten hatten nur indirekt mit Menschen zu tun. Bei der UBS war ich für den weltweiten Betrieb der Telekommunikation, also der Telefon- und Computernetzwerke, zuständig. Bei der Swisscom habe ich die wichtigsten Firmenkunden betreut. Die Unmittelbarkeit, die mir die Arbeit bei der Schweizer Berghilfe bietet, habe ich bewusst gesucht wie auch die Nähe zur Lebenswelt interessanter Menschen.

Dabei hatten Sie ursprünglich Fächer studiert, die mit moderner Technologie nichts oder nur wenig zu tun haben.

Regula Straub: Ja, ich studierte Anglistik und Germanistik an der University of California in Berkeley sowie an der Universität Basel und war während meines Studiums als Lehrerin tätig. Die Sprachwissenschaften standen damals im Zentrum meines Interesses.

Es ist dann anders gekommen…

Regula Straub: Äussere Umstände und berufliche Chancen ändern solche Präferenzen manchmal. Nachdem ich einige Erfahrungen im Bildungsbereich gesammelt hatte, bot sich mir die Gelegenheit, bei der UBS fundierten Einblick in komplexe Telekommunikationssysteme zu erhalten. Anschliessend arbeitete ich in einer Agentur für integrierte Kommunikation, bevor ich zur Swisscom in die Grosskundenbetreuung wechselte.

Also IT, Kommunikation und Beziehungsmanagement gehören zu Ihrem beruflichen Hintergrund, was sicher einen erheblichen Vorteil für Ihre Funktion als Geschäftsführerin der Schweizer Berghilfe darstellt. Obwohl die meisten unserer Leserinnen und Leser die Berghilfe kennen, wie lassen sich deren Ziele kurz darstellen?

Regula Straub: Das Ziel der Schweizer Berghilfe ist es, die Existenzgrundlagen und die Lebensbedingungen der Berglerinnen und Bergler zu verbessern. Dabei steht das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe im Zentrum. Die Menschen in den Bergen verfügen über zahlreiche innovative Ideen, mit denen sie ihre Zukunft gestalten möchten. Meist sind jedoch die finanziellen Mittel zu deren Umsetzung knapp. Hier setzt die Schweizer Berghilfe an. Mit Investitionshilfen unterstützt sie die Bergbevölkerung, ihre Wirtschafts- und Lebensräume zu entwickeln, die regionale Identität zu erhalten, die Kulturlandschaft zu pflegen und somit der Abwanderung entgegenzuwirken.

Wie sehen Ihre konkreten Ziele als Geschäftsführerin aus?

Regula Straub: Ich fokussiere besonders auf zwei Bereiche: Zum einen sind das unsere Spenderinnen und Spender. Eine intensive Pflege all unserer Gönnerinnen und Gönnern ist sehr wichtig. Wir wollen neue Spender gewinnen, um auch in Zukunft unsere Aufgaben kontinuierlich erfüllen zu können.

Der zweite Fokus gilt den Projekten der Bergbevölkerung: Wir sehen das Berggebiet als vielfältigen Lebens- und Arbeitsraum. Deshalb unterstützen wir Berglerinnen und Bergler nicht nur im Bereich der Berglandwirtschaft, sondern auch, wenn das Geld fehlt, bei der Umsetzung zukunftsträchtiger Ideen im Gewerbe, bei der Erarbeitung von Angeboten im sanften Tourismus, bei Forstprojekten, im Energie-, Gesundheits- und Bildungsbereich. Wir wollen bei der Bergbevölkerung das Bewusstsein für die Bandbreite unserer Unterstützungsmöglichkeiten stärken.

Sie haben Spenderinnen und Spender aus allen Generationen. Welche Rolle spielt die ältere Generation?

Regula Straub: Sie spielt eine wichtige Rolle. Ältere Menschen sind meist durch persönliche Erlebnisse stark mit den Bergen verbunden. In ihrem Leben haben sie eine intensive Beziehung zu den Berggebieten der Schweiz entwickelt. Das äussert sich in einer grossen Solidarität mit den Menschen, die dort leben. Darüber hinaus können wir auf die grosse Freiwilligenarbeit von zahlreichen Personen im dritten Lebensabschnitt zählen. Diese Expertinnen und Experten sind es, die jedes Unterstützungsgesuch vor Ort beurteilen und prüfen. Sie sind die Garanten für einen wirkungsvollen Einsatz der Spendengelder.

Wie erleben Sie heute ältere Menschen?

Regula Straub: Ich erlebe ältere Menschen als engagiert und voller Tatendrang. Ich schätze die Arbeit mit unseren ehrenamtlichen Expertinnen und Experten sehr. Ihr gesammelter Erfahrungsschatz macht eine angemessene Beurteilung der Gesuche und somit die Arbeit der Schweizer Berghilfe erst möglich.

Meiner Ansicht nach werden ältere Menschen heutzutage mehr geschätzt als noch vor 10 Jahren; und das nicht nur, weil das Marketing sie als Zielgruppe entdeckt hat. Ihre Lebenserfahrung zählt viel, das darf nicht verloren gehen.

Und wie planen Sie Ihre Zukunft mit Blick auf das Alter?

Regula Straub: Ich hoffe sehr, dass ich noch viele Jahre für die Schweizer Berghilfe tätig sein kann. Mein eigener dritter Lebensabschnitt liegt noch in der Ferne, aber ich hoffe, dass ich auch dann noch viel Zeit in den Bergen verbringen werde. Schon jetzt fahre ich wenn immer möglich zum Klettern, Skifahren oder Biken in die Berge. Ausserdem gibt es noch unzählige Reisedestinationen auf der ganzen Welt, die mich reizen. Und vielleicht gibt es bei meinen drei Kindern irgendwann einmal Nachwuchs, so dass mich viele kleine Wirbelwinde auf Trab halten.


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