• Sonntag, 19.11.2017
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ALTERSTHEMEN

Zukünftige Lebenserwartung - 90 Jahre und kein Ende

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Von Helmut Bachmaier
Die Lebenserwartung steigt weiter…
© pixabay.com
Eine Forschergruppe um den Mediziner Vasilis Kontis vom renommierten Imperial College London (School of Public Health) ist im Rahmen einer Metadatenanalyse, einer Analyse von Daten aus 35 Ländern, zu dem Ergebnis gekommen, dass Personen, die ab 2030 in einer Industrienation geboren werden, mit einer Lebenserwartung von mindestens 90 Jahren rechnen können.

Bei Männern kann die Steigerung der Lebenserwartung mit einer Wahrscheinlichkeit von über 85 %, für Frauen mit 65 % angenommen werden. Eine der Folgen wäre die Konvergenz in den Lebenserwartungen beider Geschlechter, also die Lebenserwartungen, die über Jahrzehnte bei Frauen um ca. 6 Jahre höher lagen, würden sich angleichen.

Bisherige Prognosen

Diese Ergebnisse bestätigen, revidieren aber auch einige bisherige Prognosen über die Lebenserwartung.

Neuere Berechnungen des Wirtschaftswissenschaftlers (Ökonometrie) und Statistikexperten Eckart Bomsdorf hatten bereits ergeben, dass in diesem Jahr geborene Mädchen in Deutschland im Durchschnitt 93 Jahre alt werden und damit um 10 Jahre älter als es die aktuelle Sterbetafel angibt. Jungen des gleichen Jahrgangs können mit einer Lebenserwartung von ca. 90 Jahren rechnen.

Die amtliche Sterbetafel des deutschen Statistischen Bundesamtes geht von einer geringeren Lebenserwartung der Generationen aus und lässt sich als minimale Erwartung bei den Prognosen interpretieren: Heutige 52-jährige Männer haben danach eine Restlebensdauer von 28 Jahren, 67-jährige Männer von 16 Jahren. „Ein Blick in die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung zeigt, dass auch in Zukunft aller Voraussicht nach mit einer steigenden Lebenserwartung gerechnet werden kann. Nach der Vorausberechnung könnte die Lebenserwartung von neugeborenen Jungen 2060 um rund 7 bis 9 Jahre höher liegen als noch 2012/2014. Bei den Frauen würde die Lebenserwartung bis dahin um rund 6 bis 7 Jahre steigen, wenn sich die derzeitig erkennbaren Trends fortsetzen“ (Statistisches Bundesamt, Sterbetafel 2012/2014).
Lebenserwartung (Sterbetafel 2013/15)
  Lebenserwartung
   
Mädchen (bei Geburt) 83.1 Jahre
Jungen (bei Geburt) 78.2 Jahre
Frauen (mit 65 Jahren) 20.9 Jahre
Männer (mit 65 Jahren) 17.7 Jahre
Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

Lebenserwartung in der Schweiz

Die Lebenserwartung beträgt in der Schweiz durchschnittlich 82,9 Jahre und liegt damit über dem OECD-Durchschnitt von 79,9 Jahren. (OECD Better Life Index.) Gegenwärtig leben 1’465’565 Personen (17,9%) ab 65 Jahren im Land. Die Lebenserwartung ab 65 Jahren beträgt heute ca.15 Jahre für Männer und ca. 20 Jahre für Frauen.

Im Jahr 2012 waren 1'409 Personen 100-jährig oder älter. Die Lebenserwartung bei Geburt nahm bei den Männern (80,5 Jahre) leicht zu. Bei den Frauen blieb sie unverändert bei 84,7 Jahren. Gegenwärtig ist die Lebenserwartung bei Geburt in der Schweiz eine der höchsten der Welt. (Nach: Bundesamt für Statistik, BFS, 2012.)

Unterschiede in der Lebenserwartung

In allen der 35 untersuchten Ländern des Imperial College London wird die Lebenserwartung steigen, aber je nach Staat und Gesellschaft verschieden stark.

Am längsten werden nach dieser Untersuchung südkoreanische Frauen leben, nämlich mehr als 90 Jahre. Als Ursachen werden die ökonomische Situation in ihrem Land, der bessere Zugang zur Gesundheitspflege und zur medizinischen Technologie genannt. Fast so alt wie die Südkoreanerinnen werden Frauen aus Frankreich, Spanien und Japan. Für Männer liegt die wahrscheinliche Lebensgrenze künftig durchschnittlich bei etwa 84 Jahren, wenn sie in Südkorea oder der Schweiz geboren werden.

Am schwächsten ansteigen wird die Lebenserwartung (maximal 2 Jahre) von Frauen in Mazedonien, Bulgarien und Japan. Bei Männern in Schweden oder den USA verändert sich die Lebenserwartung um maximal drei Jahre.

Handlungsbedarf

Aus den Londoner Prognosen folgen ein Handlungsbedarf bei den Gesundheits- und Rentensystemen sowie die Entwicklung neuartiger Pflegemodelle oder einer technologiegestützte Pflege. Der Pflegeroboter gehört dann zum Alltag. Ausserdem erhält die bekannte Diskussion über die Lebensarbeitszeit und über das Renteneintrittsalter wieder neue Nahrung.



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