• Dienstag, 25.07.2017
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GENERATIONEN

Zoff im Generationenhaus

Fixe versus dynamische Alterskonzepte
Von Guido Oberer
Zoff im Generationenhaus
© X Verleih AG
Wir sind die Neuen
© X Verleih AG
Seit Generationen versuchen gleichgesinnte Menschen – meist aus ökonomischen Gründen –, sich in organisierten Wohngemeinschaften (WG) zusammenzuschliessen und Freud und Leid miteinander zu teilen. Was meist mit viel Enthusiasmus und Optimismus noch gut beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit nicht selten zu einem konfliktgeladenen Nebeneinander, dann zum kräftezehrenden Gegeneinander und schliesslich zum Zusammenbruch der WG.

Was aber geschieht, wenn sich im gleichen Haus zwei WGs verschiedener Generationen gleichzeitig einnisten, jede von ihnen mit ihren altersspezifischen Eigenheiten und Konfliktpotentialen und der festen Absicht, alles richtig machen zu wollen.

Mit diesem brisanten Thema befasst sich der neue Film von Ralf Westhoff „Wir sind die Neuen“ mit Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach und Michael Wittenborn in den Hauptrollen.

Die Story in Kürze

Knapp bei Kasse, dafür voller guter Ideen – das sind Anne, Eddi und Johannes. Mit über 60 Jahren gründen sie ihre ehemalige Studenten-WG neu. Wie früher sitzen sie bis spät nachts um den Küchentisch, trinken Wein, philosophieren über Gott und die Welt und hören laute Musik. Doch über den drei Studenten von damals wohnen drei Studenten von heute. Diese müssen für ihre Examen büffeln und können eines gar nicht gebrauchen: diese lustigen, lärmenden und viel älteren Nachbarn. So dauert es nicht lange, bis sich die beiden WGs in die Haare kriegen. Bloss: Was genau läuft hier falsch? Kapieren die Alten die Zeichen der Zeit nicht – oder sehen die Jungen einfach nur alt aus?

„Wir sind die Neuen“ ist eine hinreissende Komödie, die den Zwist zwischen den Generationen so turbulent wie feinsinnig darstellt. Mit dem richtigen Mass an Zuspitzung und einem liebevoll-entlarvenden Blick auf seine Figuren lässt Regisseur Ralf Westhoff („Schoppen“, „Der letzte schöne Herbsttag“) die Ideale der 70er Jahre mit der heutigen, ganz anderen Wirklichkeit zusammenprallen. Sein neuer Film ist voller Witz und nicht zuletzt auch ein quirliges Plädoyer dafür, dass die verschiedenen Generationen viel mehr voneinander profitieren könnten als sie denken.


Pressestimmen zum Film «WIR SIND DIE NEUEN»

Programmkino.de
„Mit ‚Wir sind die Neuen’ übertrifft sich Ralf Westhoff selbst. Eine absolut überzeugende, vor scharfzüngigem Dialogwitz nur so funkelnde Komödie!“

Kino.de
„Ralf Westhoffs neuer Film besticht durch fein dosierten Witz, Selbstironie und einen Hauch von Melancholie. Seine bissig-frechen Dialoge, ein gutes Timing und eine sichere Figurenzeichnung unterhalten Herz und Hirn!“


Meine Eindrücke zum Film

Der neue Film von Ralf Westhoff greift auf eine verspielte Art wichtige und teils ernsthafte Themen unserer heutigen Gesellschaft auf und bringt sie verbal und künstlerisch – durch starke Schauspieler – auf den Punkt. So zum Beispiel Themen wie:
  • Einsamkeit
    Das Thema der Isolationsgefahr älterer Menschen in unserer Gesellschaft wird durch die drei Senioren über 60 dadurch aufgezeigt, dass alle drei sich relativ rasch auf das Abenteuer einer Alters-WG einlassen, um in einer altbewährten und jetzt neuen WG wieder eingebunden und damit weniger einsam zu sein. Für den Preis der Gemeinschaft werden dabei von allen drei Senioren etliche zynische Bemerkungen, Vorwürfe und gar handfeste seelische Verletzungen in Kauf genommen. Hauptsache man hat es lustig und bleibt zusammen.

     
  • Unterschiedliche Kulturen
    Während das Leben in der Senioren-WG geprägt wird von viel Selbstironie, vordergründiger Fröhlichkeit und unstrukturierten Tagesabläufen, leben die jungen Studenten in der Junioren-WG in einer arbeitsbedingten, fest organisierten Tagesstruktur, die kaum Spielräume zulässt. Gut gemeinte Annäherungsversuche der fröhlichen Senioren scheitern anfänglich an der rigiden Lebens- und Arbeitsmoral der strebsamen Jungen, welchen die fast aufdringliche „Lebensfreude“ der Alten auf den Wecker geht. Erst als von den strebsamen Studiosi ein jeder in eine persönliche „Lebenskrise“ gelangt, werden die drei Senioren aufgrund ihrer Lebenserfahrung zu „Rettern in der Not“, und es entsteht ein Brückenschlag zwischen den beiden Kulturen.

     
  • Generationenkonflikt
    Auf eindringliche Weise zeigt der Film am Anfang die in unserer Gesellschaft latent vorhandenen Missverständnisse unter den Generationen. Diese resultieren aus ihrer altersspezifischen Lebenseinstellung, ihren Erwartungen an den bevorstehenden Lebensabschnitt sowie aus der altersgerechten Bewältigung von individuellen Lebenskrisen. Erst in „Notsituationen“ (Liebeskummer, Studienprobleme, Rückenschmerzen) kommt es zum generationenübergreifenden Dialog und damit zum Verständnis zwischen den Generationen – und beide Generationen profitieren voneinander.

     

Persönliches Fazit

Es ist erfreulich, wie die demographische Entwicklung mit einer stetigen Zunahme älterer Menschen auch in der europäischen Filmindustrie Einzug gehalten hat und wie durch teils exzellente Spielfilme in der letzten Zeit aktuelle und kommende gesellschaftliche Herausforderungen dargestellt und verarbeitet werden. Im neuen Film von Ralf Westhoff „Wir sind die Neuen“ werden einige relevante Generationenthemen gezielt aufgegriffen und witzig-intelligent verarbeitet. Ein Besuch lohnt sich!



Video - Trailer zum Film «WIR SIND DIE NEUEN»



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