• Sonntag, 19.11.2017
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PERSPEKTIVEN

„Wir haben alles, was wir brauchen.“

Untertitel
Von Max Hugelshofer
„Wir haben alles, was wir brauchen.“
© Schweizer Berghilfe
Chriesichratte - Kirschkorb „Chriesichratte“ (Kirschkorb)
Grau hängt der Winternebel zwischen den Bäumen im Obstgarten von Urs und Sieglinde Vögeli in Allschwil bei Basel. Auch mit über 80 Jahren arbeiten die beiden noch oft hier draussen, pflegen die Bäume, ernten je nach Saison Kirschen, Zwetschgen, Birnen oder Äpfel und verkaufen diese an einem kleinen Selbstbedienungsstand an der Strasse. „Wir führen damit quasi eine alte Familientradition weiter“, sagt Sieglinde mit einem Augenzwinkern. Ihr Vater war ein Leben lang Obst- und Gemüsebauer. „Wir arbeiten beide sehr gerne mit den Bäumen“, sagt Urs. Darum stand für sie auch nie zur Diskussion, den Obstgarten bei ihrem Wohnhaus zu verkaufen, obschon er auf gefragtem Bauland steht und über die Jahre hinweg von allen Seiten her mit Einfamilienhäusern umbaut wurde.

Vögelis sind sehr verbunden mit Allschwil. Sieglinde ist hier aufgewachsen, hat in der Gegend als Handarbeitslehrerin und später als Prüfungsexpertin gearbeitet; Urs kam als junger Elektroingenieur nach Basel, wo er in der Chemiebranche eine Stelle annahm. Durch gemeinsame Freunde lernten sich die beiden kennen – beim Skifahren in Grindelwald. Die Berge und der Wintersport blieben ein Leben lang etwas, das Urs und Sieglinde miteinander verbindet.


Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.


Nach der Heirat und der Geburt ihrer beiden Töchter mieteten sie zum ersten Mal eine Ferienwohnung in Laax. Damals, Anfang der 1960er-Jahre, gab es dort erst vier Ferienhäuser. Es folgten verschiedene andere Mietwohnungen, bis Vögelis Ende der 1980er-Jahre schliesslich ihre eigene Wohnung in Flims kauften. Der Surselva blieben sie aber die ganze Zeit über treu. „Wir kennen dort inzwischen fast ebenso viele Leute wie hier in Allschwil“, so Sieglinde. Durch ihre offene und interessierte Art kamen Vögelis mit den unterschiedlichsten Leuten in Kontakt. Auch mit vielen Bergbauern, die ausserhalb der touristischen Zentren leben und arbeiten. „Wir haben schnell erkannt, wie viel härter deren Leben ist“, sagt Sieglinde. Und für Urs war klar: „Die Leute in den Bergen sollen so leben können wie wir. Denn sonst wandern die Jungen ab. Abgelegene Bergtäler können nur am Leben erhalten werden, wenn Perspektiven vorhanden sind.“ Deshalb wollten Vögelis etwas tun, um die Lebensbedingungen der Bergbevölkerung zu verbessern und stiessen schon vor Jahrzehnten auf die Schweizer Berghilfe. Immer wieder mal gaben sie so einen Zustupf an wichtige Investitionsprojekte der Bergbevölkerung.

Als im Jahr 2009 dann die goldene Hochzeit anstand, war für Vögelis klar, dass sie dies mit einem Fest feiern wollten. Der Gedanke, dabei mit Weinflaschen, Nippes und Gutscheinen eingedeckt zu werden, war ihnen jedoch ein Graus. „Wir wollten keine Geschenke. Wir haben ja zum Glück alles, was wir brauchen“, so Sieglinde. Auch Urs war der Ansicht, es sei doch blöd, wenn Freunde und Verwandte Geld für unnötige Geschenke ausgäben. Da kam ihnen der Gedanke: „In den Bergen könnten sie dieses Geld besser gebrauchen.“ Also stellten Vögelis an ihrem Fest einen „Chriesichratte“ auf und sammelten für die Berghilfe. Stolze 2170 Franken kamen dabei zusammen. Und weil die Gäste nur positiv reagierten, wiederholten Vögelis diese Aktion zuerst an Sieglindes 80. Geburtstag, zwei Jahre später dann auch an jenem von Urs. Bereut haben sie es nie: „Die Gewissheit, so unserer Bergbevölkerung geholfen zu haben, macht uns mehr Freude, als es die beste Flasche Wein je getan hätte.“



Über das Leben hinaus Gutes tun
Viele Menschen möchten auch über ihr Leben hinaus Gutes tun und eine gemeinnützige Institution unterstützen. Mit einer Zuwendung an die Schweizer Berghilfe kann man die Lebensqualität der Schweizer Bergbevölkerung wesentlich verbessern. Wie man den Menschen im Berggebiet eine Zukunft geben kann, zeigt der kostenlose Ratgeber fürs Testament. Diesen kann man hier bestellen: www.berghilfe.ch/de/kontakt/unterlagenbestellen.

Bei weiteren Fragen zum Thema steht Martin Schellenbaum gerne zur Verfügung:
Telefon 044 712 60 56, martin.schellenbaum@berghilfe.ch



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