• Dienstag, 21.02.2017
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ALTERSTHEMEN

Wenn uns ein Roboter im Alter füttert...

Wie viel Technologie brauchen wir in Alterseinrichtungen?
Von Helmut Bachmaier
Wenn uns ein Roboter im Alter füttert... - Wie viel Technologie brauchen wir in Alterseinrichtungen?
© shin28 / fotolia.com
Integration ist eine Voraussetzung dafür, dass man am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Der Integrationsprozess kann bei älteren, pflegebedürftigen oder bei behinderten Menschen durch Technik unterstützt werden. Der Einsatz der Technik ergibt sich zwingend aus der demographischen Situation (starke Zunahme der auf Betreuung angewiesenen Personen), aus der Lage auf dem Arbeitsmarkt (viele Stellen können nicht adäquat besetzt werden), mit Blick auf die Zeitbudgets (Zeitlimits bei der Pflege) und auf neue Standards in der Altersarbeit.

Förderung von Selbständigkeit und Alltagskompetenzen

Dabei sollen alle technischen Hilfsmittel sich daran messen lassen, ob und in welchem Grad sie einen Beitrag zur Förderung der Selbständigkeit oder zur Sicherheit einer Person leisten.

Beim Betreuten Wohnen geht es beispielsweise um individuell zugeschnittene Unterstützungen, entsprechend der Lebenslage und dem Bedarf einer Person, um damit alltägliche Probleme zu lösen und die Autonomie weitgehend zu erhalten: Technik steht ganz im Dienste der Alltagskompetenzen. Dazu gibt es verschiedene Normen im Rahmen der Qualitätsstandards, so den europäischen Qualitätsstandard für Betreutes Wohnen, die CEN / TS 16118 - Sheltered Housing, die in der Form einer technical specification als Empfehlung des europäischen Normeninstituts CEN Comité Européen de Normalisation für die nationale Normung seit 2012 gilt. (Vgl. auch Lutz H. Michel/Thomas Schlüter: „Handbuch Betreutes Wohnen“, das 2012 im Beck Verlag, München, erschienen ist.)

Dabei reicht die Bandbreite von Musterwohnungen unter Laborbedingungen bis hin zu Feldtests unter Realbedingungen. Oder es gibt Wohnungen mit integrierten Sensoren, die ein Netz aus Hilfs-, Hinweis- oder Warnsystemen aufbauen.

Was ein einfaches Gerät leisten kann

Im Rahmen eines europäischen Projektes (AAL/2PCS: Ambient Assistent Living, kurz AAL, das man mit „Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben“ übersetzten kann) wurde ein Gerät, ähnlich einer Armbanduhr, entwickelt, das die Mobilität älterer Menschen verbessern, ihre Sicherheit erhöhen und ihre Lebensqualität steigern kann. Dadurch sollen vermieden werden: Unsicherheiten wie Ängste vor Stürzen, in gefährlichen Situationen allein gelassen zu werden oder bei auftretenden Orientierungsschwierigkeiten hilflos zu sein. Diese negativen Erfahrungen führen zum Verlust von Selbstvertrauen, bedeuten eine Einschränkung von Selbstbestimmung und reduzierten die Aktivitäten, was wiederum eine Verminderung wichtiger sozialer Kontakte nach sich zieht.

Bei 2PCS funktioniert eine Kombination von innovativen Features wie u. a. GPS, GSM, Falldedektor, RF zusammen mit gut lesbarem Display und klar verständlichem Lautsprecher. Die Bedienungsfreundlichkeit für Personen ist sichergestellt. Ein neu entwickeltes Energiemanagement sorgt für eine längere Verwendung indoor oder outdoor. Das Ganze ist modular aufgebaut, individuell auf den Nutzen der Trägerin oder des Trägers programmierbar, auch auf die Bedürfnisse im Betreuungswesen. Es ist ein interaktives Gerät, das im Markt als Lifestyle-Produkt positioniert wird.

e-Health in der Schweiz

In den nächsten Jahren geht es um die Entwicklung von Rahmenbedingungen und um den integrierten Einsatz von Kommunikationstechnologien für Akteure im Gesundheitssektor zum Info-Austausch zugunsten des Patienten, konkret um den zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf elektronische Patientendossiers zur Optimierung der Gesundheitsvorsorge. Dabei kommt dem Smartphone eine wichtige Rolle zu. Ergänzt werden sollen die Dossiers durch Gesundheits-Apps. Das bedeutet eine Selbstüberwachung des Patienten zu Hause, was wohl als Ausdruck von Selbstverantwortung verstanden werden soll.
Was ein einfacher Pflegeroboter leisten kann

Robotik

Vielfach diskutiert wird die Mensch-Maschine-Analogie wie bei Pflegerobotern, künstlichen Babyrobben oder Kleincomputern in Form von künstlichen Skeletten. Sie sollen z.B. den schweren Transfer vom Bett in den Rollstuhl übernehmen, als Therapie-Unterstützung demenzkranken Menschen helfen oder – an den menschlichen Bewegungsapparat angepasst – nach einem Schlaganfall das Aufstehen und Gehen eines Patienten erleichtern (Seeberger).

Akzeptanz der Technologie

Häufig wird beim Einsatz von Technik ein Verlust in den zwischenmenschlichen Beziehungen vermutet und beklagt. Wenn aber die Benutzerfreundlichkeit gegeben ist, Bildungsangebote vorhanden sind, sich eine Reduktion des administrativen Aufwands zeigt, eine günstige Kosten-Nutzen-Relation vorliegt und schliesslich die Zugriffsrechte und der Datenschutz klar geregelt sind, dann wächst die Akzeptanz gegenüber solchen Technologien, wenn dabei die Assistenzfunktion plausibel gemacht wird. [ZHAW-Studie E-Health, 2014.]

Pflege als Hand-Werk

Pflege – somit auch Altenpflege – ist ein Ausbildungsberuf. Damit sei Pflege ein Hand-Werk, das man erlernen könne. Es gehe um `Hand-Arbeit´, bei der im wahrsten Sinne des Wortes Hand anlegt werde (Seeberger) – anstatt eine Maschine einzusetzen. So wird aus anderer Sicht argumentiert.

Die „Charta der Rechte hilfe- und pflegebedüftiger Menschen“ sollte beim Einsatz von Technik, Sensorik und Robotik zur Richtschnur aller Entscheidungen und Handlungen werden. Dabei bleibt aber das Dilemma unauflöslich, dass wir über die Technik verfügen, aber zugleich von ihr abhängig sind.

Stand der Entwicklung



Literaturhinweise:
  • Bachmaier, H.: Ethik bei AAL-Lösungen, in: Kempter, G., Ritter, W. (Hrsg.): Assistenztechnik für betreutes Wohnen, 2014, 8-15.
  • Classen, K., Oswald, F., Wahl, H.-W., Heusel, C., Antfang, P., Becker, C.: Bewertung neuer Technologien durch Bewohner und Pflegemitarbeiter im institutionellen Kontext. In: Zeitschrift für Gerontologie + Geriatrie. 4, 2010.210-218.
  • Billmann, M., Schmidt,B., Seeberger, B.: In Würde altern. Frankfurt: Mabuse 2009.


Video zum Thema:




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