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ERFAHRUNGSWISSEN

Weiterbeschäftigung im Rentenalter

Ergebnisse einer Studie  
Von Stephanie Sandig  
Weiterbeschäftigung im Rentenalter - Ergebnisse einer Studie
© contrastwerkstatt - Fotolia.com
Im Sommer 2013 wurde an der Universität Zürich und der ETH Zürich eine Umfrage zum Thema Weiterarbeit im Rentenalter in der Schweiz durchgeführt.


Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse finden Sie auf dieser Seite. Verantwortlich waren: Stephanie Sandig (Universität Zürich) und Cécile Tschopp (ETH Zürich).

Inhalt der Studie

Im Zuge des demographischen Wandels werden ältere Arbeitnehmende an Bedeutung gewinnen. Eine Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmender über das Rentenalter hinaus könnte eine potentielle Möglichkeit darstellen, dem drohenden Arbeitskräftemangel entgegen zu wirken.

In der Studie wurde untersucht, inwiefern sich erwerbstätige Personen in der Schweiz ab 55 Jahren eine Weiterarbeit im Rentenalter vorstellen könnten und welche Bedingungen diese Absicht beeinflussen. Um das zu erfahren, wurden im Zeitraum von Juli bis September 2013 über 70 privatwirtschaftliche Unternehmen, staatliche Institutionen, Vereine und Interessensverbände angefragt, ob sie die Umfrage an ihre Mitarbeitende bzw. Mitglieder weiterleiten würden. Zusätzlich wurde der Link zur Umfrage auf Foren im Internet, in Onlinezeitschriften und in Newslettern veröffentlicht, auch auf SenLine.

Stichprobe

Damit sich die Fragen im Fragebogen nicht gegenseitig beeinflussen und die Antworten verzerren, wurde die Umfrage in zwei Teile gesplittet, die im Abstand von mindestens zwei Wochen beantwortet wurden. 342 Personen füllten beide Fragebogen vollständig aus. 34,5% der Befragten waren weiblich, das Durchschnittsalter lag bei 59,7 Jahren. Die Mehrheit der Teilnehmenden arbeitete in einem Angestelltenverhältnis (78,6%) und war verheiratet oder in einer Partnerschaft lebend (83,9 %).

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze

Die rege Teilnahme und die Antworten in den offenen Fragen zeigen, dass das Thema den befragten Arbeitnehmenden am Herzen liegt.

Die Absicht für eine Weiterbeschäftigung im bisherigen Unternehmen fiel in der Umfrage moderat aus (Mittelwert von 2,8 auf einer fünf-stufigen-Skala von 1 = ich könnte mir eine Weiterbeschäftigung im bisherigen Unternehmen absolut nicht vorstellen, bis 5 = ich plane eine Weiterarbeit im bisherigen Unternehmen nach dem Eintritt ins Rentenalter).

Interessanterweise gaben im Gegensatz dazu 80% der Befragten an, dass sie sich eine Weiterarbeit im Rentenalter unabhängig von ihrer momentanen Arbeitssituation durchaus vorstellen könnten.

Als Begründung für ihre Motivation zu einer Weiterarbeit im Rentenalter gaben die Befragten an, dass sie sich gesund und aktiv fühlen und sich mit 65 Jahren noch zu jung finden, um mit dem Arbeiten aufzuhören. Viele haben das Bedürfnis, ihr Wissen weiterzugeben, möchten weiterhin soziale Kontakte durch die Arbeit pflegen und haben Freude an der beruflichen Tätigkeit. Weiterhin wurde mehrfach der Wunsch nach einer sinnvollen Beschäftigung mit geregeltem Tagesablauf genannt, die einen auch im Rentenalter körperlich und geistig fordert.


  „Meine Arbeit bringt so viel an Anerkennung, Wertschätzung, Sinnhaftigkeit, Befriedigung und Erfüllung, dass ich nicht darauf verzichten möchte.“  


  „Ich finde es nicht sinnvoll, solange man fit ist und Freude an der Arbeit hat, die Tätigkeit niederlegen zu müssen, nur weil man das Rentenalter erreicht hat. Es sollte jeder Mensch selber entscheiden dürfen, wie lange er arbeiten will.“  


Die generelle Absicht, im Rentenalter weiterzuarbeiten, war demnach bei einem Grossteil der befragten Arbeitnehmenden vorhanden. Die moderate Absicht für eine spezifische Weiterbeschäftigung im bisherigen Unternehmen zeigt hingegen, dass unternehmensbezogene Bedingungen dabei eine wesentliche Rolle spielen.

Wir konnten mit dieser Studie nachweisen, dass eine positive Beziehung zwischen Mitarbeitenden und dem Vorgesetzten, eine gute Einbettung in das Unternehmen, ein hohes Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen und eine grosse Arbeitszufriedenheit einen förderlichen Einfluss auf die Absicht für eine Weiterarbeit im bisherigen Unternehmen haben. Weitere Aspekte, die von den Befragten genannt wurden, waren Wertschätzung, Flexibilisierung der Arbeitszeiten und generelle Reduzierung des Arbeitspensums. Jedoch wurde ebenso deutlich, dass die Mehrheit der Unternehmen eine Verlängerung der Erwerbstätigkeit über das Rentenalter hinaus nicht anbietet. Dies wurde von vielen Befragten bedauert. Als Konsequenz gaben einige an, dass sie sich nach dem Renteneintritt ehrenamtlich oder in einer Vereinstätigkeit engagieren wollen, in ein anderes Unternehmen wechseln oder zur Selbstständigkeit übergehen wollen.


  „Solange ich mich als körperlich und geistig leistungsfähig erachte und das Gefühl habe, dass mein Können und meine Erfahrung dem Unternehmen resp. der Gesellschaft einen Wertbeitrag leisten, will ich diesen auch erbringen.“  


  „Es könnte durchaus auch eine ehrenamtliche Tätigkeit sein, basierend auf dem Lustprinzip: Tun, was einem Spass macht und nicht mehr zu sehr belastet oder ärgert!“  

Fazit

Es liegt an den Unternehmen, Bedingungen zu schaffen, die eine Weiterarbeit für ältere Arbeitnehmende ermöglicht und attraktiv gestaltet. Gemäss den Ergebnissen dieser Studie ist die Bereitschaft für eine Weiterbeschäftigung bei einem Grossteil der älteren Erwerbstätigen generell vorhanden.

Abschliessend gilt noch zu sagen, dass der Fokus der Studie auf einer bezahlten Weiterbeschäftigung im bisherigen Unternehmen lag. Natürlich gibt es eine Vielzahl an Beschäftigungsformen im Rentenalter, bezahlt oder unbezahlt. Zentral für die meisten Befragten sind jedoch Sinnhaftigkeit und Freude an der Tätigkeit. Der finanzielle Aspekt ist oftmals weit weniger bedeutsam.

Mit einem Dank an die Teilnehmenden der Umfrage.



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