• Freitag, 24.02.2017
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PERSPEKTIVEN

Warum Spiele in jedem Alter so wichtig sind…

Untertitel
Von Helmut Bachmaier
Warum Spiele in jedem Alter so wichtig sind…
 
Bei dieser Feststellung ging es Schiller um die Freiheit des Spiels und um die Ausbildung der Fähigkeiten und Kräfte eines allseits entwickelten Menschen. Der ganze Mensch zeigt sich im Spiel, in dem er nach frei anerkannten oder nach selbst gesetzten Regeln handelt. Seit dem Epoche machenden Buch von Johan Huizinga über den spielenden Menschen, „Homo ludens“ (1938), werden kulturelle Leistungen auf unseren Spieltrieb zurückgeführt. Jedes kulturelle und kreative Handeln gründet danach im Spiel.

Elemente des Spiels (nach Huizinga)

  • Es ist ein Ausdruck freien Handelns.
  • Spiele stehen ausserhalb von Naturnotwendigkeit und Alltag.
  • Sie sind ohne Nutzen, ohne Interessen, haben einen Selbstzweck in sich.
  • Jedes Spiel hat seine eigene Zeit und findet in einem eigenen Raum statt (Spielzeit, Spielfeld).
  • Spiele sind in sich abgeschlossen und haben je eigene Regeln und Grenzen.
  • Spiele können wiederholt werden.
  • Jedes Spiel wird von einer Idee geprägt, die zum Wettkampf auffordert.
  • Durch das offene Ende (Sieg oder Niederlage) entsteht die Spannung im Spiel.
  • Spiele haben eine gemeinschaftsbildende Wirkung.
Dies kann einfach an einem Fussballspiel illustriert werden: Man spielt aus freien Stücken und um des Spieles willen (wenn man nicht Profi-Fussballer ist), 90 Minuten stehen die Mannschaften auf dem markierten Spielfeld, über die Einhaltung der Spielregeln wacht der Schiedsrichter, alle Spieler wollen für sich oder ihre Mannschaft einen Sieg erringen, der Ausgang des Matches ist aber meist ungewiss und erzeugt die Spannung auf dem Feld und auf den Rängen. Und es gibt die Fans, die zu einer Mannschaft, einem Verein halten und eine eigene (Fan-) Gemeinde bilden. Identität wird durch die Farben des Trikots (Dress) hergestellt.

Lebenslang spielen

Alle Lebewesen spielen von Kindheit an – und zum Teil bis ins hohe Alter. Zuerst geht es beim Menschen um das Einüben ins zweckfreie Spiel (Spielen um des Spielens willen), dann um das Lernen von Regeln, um das Kräftemessen oder um Fähigkeiten an sich zu entdecken und zu erproben oder um im Spiel ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben.

Im Alter fördert das Spiel die Konzentration. Man muss sich Strategien ausdenken, was die kognitiven Fähigkeiten stärkt. „Spielen ist Experimentieren mit dem Zufall“ (Novalis). Im Spiel kann – etwa durch „Memory“ – die Gedächtnisleistung verbessert werden. Und Spieler kennen keine Einsamkeit, denn das Spiel erfordert den Kontakt zu Anderen und fördert den Austausch mit Anderen. Im Spiel spricht man miteinander, achtet auf seine Spielpartner, ist aufmerksam, man empfindet Freude, zuweilen aber auch Enttäuschung und Ärger angesichts von Konkurrenzsituationen.

Quelle mentaler und psychischer Stärkung

Durch den offenen Ausgang des Spiels werden die Akteure in dessen Bann gezogen und emotional stimuliert. Spielen führt schliesslich dazu, wieder eigene Entscheidungen zu treffen. Spiele im Alter sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Alterskultur und ihrer Praxis. In jedem Falle ist das Spiel für ältere Menschen ein Antrieb zu gemeinsamen Aktivitäten und eine Quelle der mentalen und psychischen Stärkung. Auch wenn ältere Menschen – völlig unbegründet – Angst davor haben, dass sie durch Spielen in eine infantile Situation geraten würden. „Ein Weiser ist, wer Scherz und Ernst zu sondern weiss,/Und sich am heiteren Spiel neu stärkt zu strengem Fleiss“ (Friedrich Rückert ). Computerspiele sind auch bei der älteren Generation gefragt, zumal diese eine eigene stimulierende und kreativitätsfördernde Wirkung haben können (siehe Video).
Spiel und Demenz

Spiel und Demenz

In der personzentrierten Pflege ist die Interaktionsform des Spiels mit an Demenz erkrankten Personen ein Vorgang, um ihr Personsein oder ihr Selbstgefühl zu stärken, denn nur Menschen, die sich gegenseitig als Personen anerkennen und respektieren, können auch miteinander spielen. Deshalb ist der Spielverderber – im Gegensatz zum Falschspieler, der Regeln kennt, aber nicht befolgt – derjenige, der die Gemeinschaft aufkündigt und die Ordnung des Spiels vollständig zerstört.

Es ist nicht einfach, geeignete Spiele für jede Generation zu finden. Bei älteren Menschen spielt der Ort des Spiels eine Rolle (Spielzimmer, Speisesaal, am Tisch oder im Bett), dann die Befindlichkeit der Teilnehmenden, ob sie mobil sind oder nicht, ob die Akteure sich gesund oder krank fühlen. Spielen nur Ältere als abgegrenzte Gruppe miteinander oder sind – intergenerativ – auch Kinder oder Enkel beteiligt? Dann sind Reaktionsfähigkeit, Ausdauer, schliesslich die Feinmotorik der Hände und ein gutes Gehör ausschlaggebend für ein optimales Spiel. Letztlich kommt es beim Spiel darauf an, frei zu agieren und sich trotzdem genau an die Regeln zu halten.


Video zum Thema




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