• Montag, 20.11.2017
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PERSPEKTIVEN

Verliert die Schweizer Forschung den Anschluss?

50 Millionen EU-Gelder für tierversuchsfreie Forschung  
Von Andreas Item  
  Verliert die Schweizer Forschung den Anschluss?
© hamburger-tierschutzverein.de
Mit dem aktuellen EU-weiten Forschungsprojekt «Notox» haben es sich Forscher zum Ziel gesetzt, in der Kosmetik übliche Tierversuche vollständig zu ersetzen. Dies durch eine Kombination aus Computersimulationsmodellen und Zellkulturen. «Notox» ist Teil eines Gross-Projektes, das mit total 50 Millionen Euro finanziert wird. Alleine für «Notox» investiert die EU und der Europäische Kosmetikverband 9 Millionen Euro. Die AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) begrüsst diesen wichtigen Schritt in eine tierversuchsfreie und effiziente Forschungszukunft.

Ein Beitrag der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner

Innerhalb von sechs Teilprojekten werden mit einer durchdachten Kombination aus computerbasierten Modellen und Forschung an menschlichen Zellkulturen Untersuchungen zur Giftigkeit von Substanzen vorgenommen. Damit werden die Gefahren für den Verbraucher zuverlässig vorhergesagt werden können. Zudem wird vorhandene Literatur ausgewertet und die gewonnenen Erkenntnisse in einer Datenbank dokumentiert. Im Fokus der Forschungen steht die Entwicklung von tierversuchsfreien Teststrategien in den Bereichen der Giftigkeit auf den ganzen Körper sowie der Giftigkeit bei wiederholter und Langzeit-Gabe.

Qualvolle Tierversuche

Die aktuell zur Testung von Chemikalien und anderen Substanzen durchgeführten Tierversuche sind extrem qualvoll. U. a. Ratten oder Mäusen wird per Magensonde über einen längeren Zeitraum eine Substanz eingepumpt. Je nach Art und Menge des verabreichten Stoffes winden sich die Tiere im Todeskampf oder haben Krämpfe, Durchfall, Fieber, Schüttelfrost oder Lähmungen. Die Tiere sterben an dem Gift oder werden zu bestimmten Zeitpunkten getötet.

Diese Tierversuche sind nicht nur qualvoll, sondern auch unzuverlässig, nicht auf Menschen übertragbar. Deshalb werden neue und sicherere Testmethoden entwickelt. Die Entwicklungen im Rahmen von «Notox» werden vorerst in der Kosmetikforschung eingesetzt. Sobald diese Methoden aber etabliert sind, werden sie günstiger, schneller und zuverlässiger als Tierversuche sein. Dann kann man sie nicht nur im Bereich Kosmetikforschung einsetzen, sondern in vielen Bereichen, in denen heute noch Tierversuche gemacht werden.

Innovative Wissenschaftler, Universitäten und Unternehmen haben dies längst erkannt und arbeiten an der Forschung der Zukunft. Auch die USA fördern mit mehreren Millionen-Projekten die Entwicklung tierfreier Forschungsmethoden. Hingegen in der Schweiz wird dafür jährlich nicht einmal eine Million eingesetzt.

Sicherheit des Patienten

Um die Sicherheit von Patienten bestmöglich zu gewährleisten, fordert die AG STG eine konsequente Vergleichsuntersuchung zwischen humanbiologischen Tests und Tierversuchen. Die AG STG fordert ein Umdenken in Politik und Forschung. Will die Schweiz auch in Zukunft zu den führenden Forschungsnationen gehören, muss sie sich vom Tierversuch verabschieden und den Weg frei machen für eine am Menschen orientierte und für die Menschen nützliche Medizinforschung. Innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind ein klarer Fortschritt und nicht ein Ersatz für Tierversuche.
 
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Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner
Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für einen innovativen, zukunftsorientierten und führenden Forschungsstandort Schweiz und somit für eine Wissenschaft ohne Tierversuche. Die medizinische Wissenschaft muss sich wieder am Menschen orientieren und dabei die Ursachenforschung und die Vorbeugung gegen Krankheiten in den Vordergrund stellen.

Kontaktadresse:
AG STG
Brisiweg 34
CH-8400 Winterthur
Telefon: +41 (0)81 630 25 22
Natel: +41 (0)76 344 90 55
E-Mail: andreas.item@agstg.ch
Internet: www.agstg.ch
 
       
 
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