• Montag, 20.11.2017
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PERSÖNLICHKEIT DES MONATS

Gelebte Alterskultur

Interview von Helmut Bachmaier  
  Urs Oberholzer - Gelebte Alterskultur
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Dr. Urs Oberholzer, Präsident des Verwaltungsrates der TERTIANUM AG und ehem. Präsident des Bankrates der Zürcher Kantonalbank, im Gespräch mit Helmut Bachmaier.


Herr Oberholzer, Sie waren bis 2011 viele Jahre Präsident des Bankrates der Zürcher Kantonalbank. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit gesammelt?

Urs Oberholzer: Der achtsame Umgang mit Menschen, mit Mitarbeitenden auf allen Stufen und mit Kunden, und eine gute Unternehmenskultur gehören zu den wichtigsten Erfahrungen einer erfolgreichen Führungstätigkeit. Eine Unternehmensethik ist dabei unverzichtbar. Aber auch der kreative Umgang mit Krisen gehört dazu. Natürlich konnte ich auch aus früheren Tätigkeiten Erfahrungen in diese Aufgaben einbringen. Wenn dies alles zusammenstimmt und die Zufriedenheit der Kunden und der Mitarbeitenden feststellbar ist, sind die Voraussetzungen für gute Geschäftsergebnisse gegeben.

Welche Akzente setzen Sie als Präsident des Verwaltungsrates der TERTIANUM AG?

Urs Oberholzer: Wichtig ist mir, dass die Alterskultur von TERTIANUM, eine Wertekultur, in allen Bereichen des Unternehmens gelebt und sichtbar wird. Dabei ist das Ziel, jede Person als individuelle Persönlichkeit zu respektieren und zu fördern. Bei den älteren Menschen soll der Übergang aus einer Lebensform in die andere, etwa aus der Arbeitswelt in die Pensionierung, sich harmonisch und ohne Brüche vollziehen. Ausserdem verstehen wir uns als Partner in schwierigen Lebenssituationen.

Wir handeln so, dass sich ältere Menschen bei uns ernst genommen und integriert fühlen können, dass sie nicht am Rande stehen, sondern spürbar zur Gemeinschaft gehören. Diese Alterskultur wird in unseren Residenzen und Betrieben täglich gelebt. Für alle drei Brands der TERTIANUM Gruppe gilt die gleiche Unternehmensphilosophie und Unternehmenskultur, wenn auch jede Residenz noch ihre Besonderheiten hat und diese auch pflegt.

Sie nehmen noch andere Aufgaben wahr?

Urs Oberholzer: Ja, ausser bei der TERTIANUM Gruppe bin ich seit Mitte 2011 als Vizepräsident des Universitätsrates der Universität Zürich tätig. Diese Aufgabe erfüllt mich mit besonderem Stolz, denn Bildung und Lernen sind die grossen Zukunftsprojekte unserer Gesellschaft. Das Lernen der jüngeren, aber auch der älteren Generation, die verschiedenen Lernformen oder die Bedingungen einer Wissensgesellschaft interessieren mich sehr. Neben dem Verfügungswissen der Fachkompetenzen ist mir die Vermittlung von kulturellem Wissen wichtig.

Wenn diese Aufgaben und einige Beratungsaufträge es zulassen, dann halte ich mich in meinem Domizil in Griechenland auf, um – ganz im humanistischen Sinne – über das Erlernen des Neugriechischen den Anschluss an die Vergangenheit und die aktuell schwierige Gegenwart Griechenlands zu finden.

Was empfehlen Sie jüngeren und älteren Menschen für ihr eigenes Leben oder für ihren Beruf, wozu raten Sie?

Urs Oberholzer: Den jüngeren Menschen möchte ich zurufen: Bilde Dich weiter! Auch wenn Du sehr verschiedenen Menschen begegnen wirst, jeder einzelne hat eine Würde – und achte seine Würde! Das Leben soll gelebt werden: carpe diem! Und lache viel, aber nie unter Deinem Niveau!

Mein Lebensmotto war stets: Bleibe so, wie Du bist, sei Dir selbst treu. Ein Wort von Jean-Paul Sartre könnte an dieser Stelle auch zitiert werden: Der Mensch ist das, was er aus sich selbst macht. Diese Selbstbestimmung und Selbstaktualisierung ist für jede Generation neu und für jede Person individuell zu verwirklichen.

Ältere Menschen sollten sich nicht verschliessen, sollen neugierig und offen für ihre Umwelt und ihre Zeit bleiben. Dafür muss man etwas tun: geistig und körperlich, so dass neben der Fitness auch die Mentalness (die geistige Kraft) gesteigert wird oder erhalten bleibt. Negativ empfinde ich die manchmal anzutreffende Sehnsucht nach der Vergangenheit, die einer Reise in die Kindheit gleichen kann. Erinnerungen sind wichtig und gut, aber die Zukunft ist besser.

Goethe hat es in einem Brief 1818 sehr einprägsam ausgedrückt: „Das Alter kann kein grösseres Glück empfinden, als dass es sich in die Jugend hineingewachsen fühlt und mit ihr nun fortwächst.“ Also keine Imitation der Jugend, sondern ein Wachstum, das mit den neuesten Entwicklungen Schritt halten kann.

Es spricht auch für Lebensklugheit im Alter, wenn man nicht nachtragend, sondern verträglich ist, auch wenn es Verletzungen gegeben hat. Und schliesslich, bereits Montaigne hat es im 16. Jhd. angeraten, sollten wir allmählich Loslassen-Können, nicht mehr an Unwichtigem hängen, sondern der „Forderung des Tages genügen“, um es noch einmal mit Goethe zu sagen.

Seit vielen Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen der TERTIANUM AG und der autonomen TERTIANUM-Stiftung. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit in der Zukunft?

Urs Oberholzer: Von Anfang an, seit Bestehen der Stiftung, bis heute bin ich der Auffassung, dass die TERTIANUM-Stiftung ein sehr wichtiger Bestandteil der TERTIANUM Gruppe und ihrer Philosophie ist. Wir haben ja viele Gemeinsamkeiten: den gleichen Namen, die gleiche Zielgruppe und ein vergleichbares Wertefundament, nämlich beizutragen zu einer wertvollen Gestaltung des Alters. Deshalb ist dies eine gute gegenseitige Ergänzung. Darum werden wir auch zukünftig gemeinsam Aufgaben angehen und zusammen Projekte durchführen. Die Stiftung ist für uns ein wichtiger Partner.
 
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