• Montag, 20.11.2017
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PERSPEKTIVEN

Unternehmerische Verantwortung einer Versicherung

Von Kristine Schulze  
Unternehmerische Verantwortung einer Versicherung
© Helvetia Versicherungen
Aus dem Woody-Allen-Film „Love and Death“ von 1975, der mit subtilem Wortwitz die Motive des russischen Romans auf die Schippe nimmt, stammt auch die folgende Äusserung zum Image der Versicherungsindustrie: „There are worse things in life than death. Have you ever spent an evening with an insurance salesman?”


Und es scheint, als ob sich im öffentlichen Meinungsbild seitdem wenig geändert hat. So schreibt Hans Peter Würmli in einem 2011 erschienenen Artikel der Geneva Association¹ wohl zu Recht, dass im Wettkampf um die Popularität bei kritischen Anspruchsgruppen trotz der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise die Versicherungsunternehmen verglichen mit den Banken eindeutig schlechter abschneiden würden². Das liegt neben den spezifischen Charakteristika von Versicherungsprodukten und unterschiedlichen Vertriebsstrukturen beider Branchen auch daran, dass Versicherer meist stark lokal agieren und damit kaum wahrgenommen werden. Gleichzeitig hat die Assekuranz versäumt, auf ihre gesellschaftliche Bedeutung und Leistung hinzuweisen. Doch was genau verbirgt sich hinter der unternehmerischen Verantwortung von einem Versicherungsunternehmen?

Das Corporate Responsibility-Konzept

Corporate Responsibility (CR), wie diese unternehmerische Verantwortung auch oft genannt wird, umfasst einerseits einen kodifizierten Pflichtenkanon zu ökologischen und sozialen Handlungsfeldern wie Umweltschutz, Produktverantwortung oder Arbeitssicherheit. Andererseits steht CR aber auch für ein Konzept, das Unternehmen hilft, neue Themen und Anforderungen frühzeitig und zuverlässig in das eigene Geschäftsmodell zu integrieren.

Weit mehr als ein Frühwarnsystem, ist CR damit auch Ausdruck der Haltung, einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Gemeint ist damit eine Entwicklung, die den nachfolgenden Generationen Lebensgrundlagen und gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten bewahrt. Ersteres kann zum Beispiel in Form einer Schonung von natürlichen Ressourcen geschehen. Der unternehmerische Beitrag zur Eröffnung und Bewahrung individueller und gesellschaftlicher Optionen ist auch in unseren Breitengraden durch eine Sicherung materieller Lebensgrundlagen zu erreichen. Gerade hier schaffen Versicherer mit ihrem Kerngeschäft einen Mehrwert für die Gesellschaft.

Der soziale und wirtschaftliche Wert der Versicherungsindustrie

Oft wird zur Frage nach der spezifischen gesellschaftlichen Leistung von Versicherungsunternehmen nur mit dem individuellen Schutzmechanismus argumentiert. Adressiert werden damit zwei fundamentale und zusammengehörende menschliche Emotionen, nämlich Furcht und Hoffnung.

Versicherungsprodukte sind keine „Traumprodukte“, die auf persönliche Bedürfnisse und Wünsche abzielen. Vielmehr beschäftigen sie sich mit den Konsequenzen einschneidender negativer Ereignisse (Berufsunfähigkeit, Feuer, Krankheit, Tod, Unfall etc.). Dafür werden entweder die Folgekosten übernommen oder zumindest die finanziellen Lasten begrenzt. Versichertengemeinschaften sind durch die Bündelung unabhängiger Risiken und Aggregation individueller Risikopotentiale dabei klassischen Formen reiner Selbsthilfeorganisationen von Gleichgesinnten, zum Beispiel einer gegenseitigen Unterstützung durch Familienmitglieder, überlegen.

Tatsächlich aber leistet die Assekuranz einen viel weitergehenden Beitrag. Mit dem eben beschriebenen Schutzmechanismus erhalten Versicherungen nicht nur die individuelle, sondern auch die kollektive, gesellschaftliche Kaufkraft und tragen damit zur finanziellen und sozialen Stabilität bei. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch die Ausübung der Rolle des langfristig orientierten, antizyklisch agierenden Investors. Anlagen der Versicherungswirtschaft bevorzugen Arbeitsplätze schaffende Projekte und nachhaltig produktive Bereiche in der Wirtschaft, aber auch Investitionen in neue Technologien und den Klimaschutz. Das kann man insbesondere in Entwicklungsländern beobachten, in denen Vermögen aus Lebensversicherungen die Basis für eine Finanzierung von langfristigen Infrastrukturvorhaben bilden.

Risiko-Management als Service für die Gesellschaft

Neben der individuellen und kollektiven Absicherung von Risiken stellt die Versicherungswirtschaft der Gesellschaft aber auch eine Vielfalt an Informationen und Fertigkeiten im Risikomanagement zur Verfügung. Ihr Geschäftsmodell erfordert umfangreiche Kenntnisse darüber, was als Risiko einzustufen ist und welche Faktoren Risiken erhöhen oder eindämmen helfen. Und das gilt Disziplinen übergreifend: vom Bauwesen über die Geologie bis hin zur Demographie und Finanzierung. Im Ergebnis führen diese Analysen zu Preissignalen, die ihrerseits öffentliche Debatten und Verhaltensänderungen anstossen.

Mit der Diskussion zu Sicherheitsfragen beeinflussen Versicherungsunternehmen die Risikoresistenz einer Gesellschaft und fördern sinnvolle gesetzliche Standards, wie zum Beispiel verschärfte Sicherheitsvorschriften für Fahrzeuge, Alarmsysteme für Gebäude oder Baustandards zum Schutz gegen Hochwasser und Erdbeben. Und sie gehen noch weiter: Häufig wird ein risikoadäquates Verhalten der Versicherungsnehmer bereits über Anreize, wie Prämienrabatte, honoriert. Damit unterstützen Versicherungsunternehmen ihre Versicherten und übernehmen Mitverantwortung für die Prävention.


  Unternehmerische Verantwortung einer Versicherung  
  © Helvetia Versicherungen  

Ein Blick in die Zukunft

Mit Blick auf zukünftige Risiken gewinnt dieser Zusammenhang zwischen der Existenz von Versicherungen und Präventionsmassnahmen noch weiter an Bedeutung. Das gilt zum Beispiel für den Umgang mit Klimarisiken und deren Folgen für die Umwelt und Wirtschaft. Die Finanzierung von Forschungsvorhaben und die Sammlung eigener Daten können helfen, den Prozess der Bewusstseinsbildung mit Fakten zu untermauern, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und interessante Möglichkeiten in einer veränderten Wirtschaftswelt aufzuzeigen. Darüber hinaus beteiligen sich Versicherungsunternehmen auch an der Entwicklung neuer innovativer Produkte als Antwort auf spezifische Herausforderungen des Klimawandels.

Für das Management von Risiken durch Naturkatastrophen, digitale Risiken und weitere wichtige Themen könnte die Suche nach Lösungen über eine engere Kooperation des öffentlichen und privaten Sektors und innovative Zusammenarbeitsmodelle noch intensiviert werden. Versicherer könnten hier als potentieller Partner für supranationale Organisationen und Regierungen – sowohl als Berater als auch als Förderer einer nachhaltigen Entwicklung – eine wichtige Rolle spielen. Hervorzuheben sind dafür drei Qualitäten der Assekuranz:
  • erstens ihre Kompetenz und Unabhängigkeit in der Risikoanalyse,
  • zweitens das Potential zur Entwicklung von Produkten, die externe Kosten internalisieren helfen und
  • drittens die legitime Motivation, geeigneten Massnahmen für ein Risikomanagement einzusetzen, welche die befürchteten negativen Konsequenzen von Bedrohungen weniger wahrscheinlich werden lassen.
Es ist daher wichtig, den gesellschaftlichen Beitrag, den viele Versicherungsunternehmen bereits leisten, positiv zur Kenntnis zu nehmen und zu honorieren.


  ¹ Die Geneva Association ist ein im Jahre 1973 gegründeter Think Tank der Assekuranz, in dem mehr als 80 Geschäftsleitungsvorsitzende der weltweit grössten Versicherer und Rückversicherer zusammengeschlossen sind.  
  ² Würmli, Hans-Peter (2011): „The invisible Hand of Insurance“, Risk Management Newsletter nr. 49, May, Genf: The Geneva Association.  



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