• Montag, 20.11.2017
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PERSPEKTIVEN

Über das Wünschen

Von Simona Triet  
  Über das Wünschen
© Willi Haimerl / pixelio.de
Wie sind Wunsch und Emotion verbunden? Ist Wünschen eine Fähigkeit, sogar eine, die Lebensfreude fördert? Gibt es ein wunschloses (Un-)Glück? Wie hängen Wünschen und Glauben zusammen? – Fragen, wie sie der eben von Brigitte Boothe erschienene Band «Wenn doch nur – ach hätt ich bloß» stellt und anhand verschiedenster wissenschaftlicher Erkenntnisse beantwortet.


Buchempfehlung
Wenn doch nur – ach hätt ich bloß – Die Anatomie des Wunsches
Wenn doch nur –
ach hätt ich bloß –

Die Anatomie des Wunsches

hrsg. von Brigitte Boothe
Erschienen Sept. 2013
rüffer & rub Sachbuchverlag,
Zürich, 524 Seiten, Hardcover
CHF 44.00 | EUR 35.20
ISBN 978-3-907625-63-7
Allgegenwärtig sind Wünsche: «Wäre ich doch schlank und schön!» «Hätte ich nur mehr Geld und Erfolg!» «Kann es nicht endlich Feierabend sein?» sind Wunschaussprüche, wie sie uns täglich begegnen.

In ihrem kürzlich veröffentlichten Sammelband »Wenn doch nur – ach hätt ich bloß« stellt Herausgeberin Prof. Dr. Brigitte Boothe unter Beweis, dass das Themenfeld des Wünschens weit mehr umfasst als lediglich privates Sinnieren und Fantasieren, sondern sich als komplexes und vielschichtiges Phänomen durchaus für eine wissenschaftliche Bearbeitung eignet und dafür ausreichend Stoff bietet. Denn Wunsch und Wünschen, Wunschgedanke und Wunschvorstellung, Illusion und Sehnsucht, Traum und Träumerei, Fluch und Verwünschung, Fiktion und Utopie finden in den Geistes-, Sozial- und Neurowissenschaften Erwähnung, aber selten als Gegenstand ganzer Buchprojekte.

Verschiedene Disziplinen

Die Herausgeberin sammelt Stimmen aus ganz verschiedenen Disziplinen zum Thema Wunsch und Wünschen und gewährt somit eine Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit, die dem Thema die nötige Tiefe verleiht. So stellt der Philosoph Georg Kohler in seinem Artikel Überlegungen zum wünschenden Tier an, während ein Neurowissenschaftler das Thema von einer medizinischen Perspektive aus betrachtet und darlegt, dass neuronale Korrelate von Wunscherfüllung und Placeboreaktion erstaunliche Übereinstimmungen aufweisen.

Demgegenüber stehen wiederum drei Psychologen, die sich zum Wünschen in Abschiedsbriefen äussern und analysieren, was sich Suizidanten in ihren letzten Stunden wünschen und wie sie diese Wünsche verbalisieren. Schliesslich – neben diversen anderen Abhandlungen – nähert sich Literaturwissenschaftler Peter von Matt in seinem Beitrag dem Thema mittels eines Gedichtes von Heinrich Heine an, und Brigitte Boothe analysiert die Rolle des Wunsches in den Märchen der Gebrüder Grimm.

Die interdisziplinäre Herangehensweise ermöglicht, die Komplexität, die Vielgestaltigkeit und vor allem die Bedeutung des Wünschens zu erhellen. Das Buch lädt geradezu ein, zwischen den einzelnen Kapiteln hin und her zu wandern, hier eine Kostprobe zu nehmen, und dort einen Einblick zu gewinnen. Und der klugen Auswahl der Schwerpunkte ist es zu verdanken, dass sich das Buch nicht wie eine wissenschaftliche Abhandlung liest, sondern in erster Linie eine spannende und anregende Lektüre bietet.

Wirkung der Wünsche

Die verschiedenen Beiträge zeigen zudem, wie sehr Wünsche unser aller Fühlen, Träumen, Fantasieren und Dichten, aber auch unser Denken und Handeln im Alltag beeinflussen, und machen damit deutlich, dass dieser doch so schwer zu fassende, weitgefächerte Begriff ein wesentlicher Teil unseres Lebens ausmacht. Lesen lässt sich das Buch als Plädoyer für eine wissenschaftliche Erforschung und Betrachtungsweise von nur scheinbar nebensächlichen Phänomenen unserer Lebenswelt – wie eben des Wünschens.

  Zum Verlag:  
 
Der 2001 gegründete rüffer & rub Sachbuchverlag veröffentlicht Bücher aus den Bereichen Zeitfragen, Kunst/Kultur und Medizin/Psychiatrie. Gemäss dem Slogan des Verlags – „Sachbücher zu Fragen, die Antworten verdienen“ – liegt der Fokus auf aktuellen Themen, auf Fragen, die bislang noch nicht oder nur unzureichend beantwortet wurden. rüffer & rub verlegt sechs bis acht Bücher pro Jahr; seit Februar 2009 ausschließlich Sachbücher. Die Biographien erscheinen seit dann im Partnerverlag Römerhof Verlag.
 
       
 
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