• Donnerstag, 14.12.2017
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PERSPEKTIVEN

So kann mein Geld etwas bewirken

Von Max Hugelshofer  
Schweizer Berghilfe - So kann mein Geld etwas bewirken
 Ein Beitrag der Schweizer Berghilfe 
© Schweizer Berghilfe
Rosmarie Mall hat einen Teil ihres Nachlasses der Schweizer Berghilfe vermacht. Um zu sehen, was die Stiftung mit ihrem Geld bewirkt, besucht sie die Bergbauernfamilie Tomamichel in Bosco Gurin.


Bosco Gurin - Tessin
© Google Maps
Der Sommer ist angekommen im Tessin. Rund um das Haus von Rosmarie Mall in Ronco sopra Ascona blüht es in den verschiedensten Farben, Bienen summen von Blüte zu Blüte, Grillen zirpen. Es ist angenehm warm. Eine Stunde später steigt die 72-Jährige in einer anderen Welt aus dem Auto. Hier in Bosco Gurin weht ein kühler Wind, und die Berghänge sind weiss. An den Nordflanken liegt noch Schnee, und die Südhänge sind von einer dichten Schicht weisser Krokusse überzogen.

Unterwegs im Auto hat Rosmarie Mall erzählt. Von ihrer Kindheit in Basel in einer wohlhabenden Familie. Wie sie zwar privilegiert aufwuchs, aber auch immer arbeiten und mithelfen musste: „Tiere waren unser Hobby: Pferde, Hühner, Schafe, Enten und natürlich immer Hunde. Unser Haus war ein halber Zoo. Da gab es viel zu tun.“

Später ist Rosmarie Mall nach Zürich gezogen, hat dort ein gut gehendes zahntechnisches Labor aufgebaut. Glücklich wurde sie dabei aber nicht. Also hat sie die Firma wieder verkauft, eine zusätzliche Ausbildung absolviert und ihre berufliche Erfüllung in einer eigenen zahnprothetischen Praxis gefunden. Rosmarie Mall war in der ganzen Welt unterwegs, hat aber immer einen starken Bezug zum Tessin gehabt. „Als ich als Jugendliche das erste Mal nach Ronco kam, verzauberte mich der Ort. Sofort verkündete ich laut, dass ich hier einmal leben werde“, erinnert sie sich. Damals nahm sie niemand ernst, doch einige Jahrzehnte später war Rosmarie Mall Besitzerin eines Teils des für sie schönsten Fleckchens Erde der Schweiz. Parallel zu ihrem fordernden Berufsleben baute sie dort ein Haus. „Wenn ich nicht schon graue Haare gehabt hätte, dann hätte ich sie spätestens dann bekommen“, sagt sie. Die Bauzeit war sehr beschwerlich, doch der Aufwand hat sich gelohnt: Das Haus wurde zu ihrem geliebten Rückzugsort. Als sie dann über dem regulären Pensionsalter ihre Praxis aufgab, zog sie ganz ins Tessin.



 
Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.
 


Neuer Stall, neue Wohnung

Zu Fuss geht es quer durch das Bergdorf vorbei an Speichern, verschlossenen Ferienhäusern und an uralten kleinen Ställen. Dann kommt ein ganz neues Holzgebäude in Sicht. Der neue Lebensmittelpunkt von Familie Tomamichel. Ihr kleiner Betrieb mit verschiedenen winzig kleinen Ställen, die nicht mehr den Tierschutzvorschriften entsprachen, sowie der zugigen Mietwohnung im alten Zollhaus bot keine Zukunftsaussichten mehr. Für Alberto und Ruth Tomamichel stellte sich die Frage: investieren oder aufgeben?

Vergangenes Jahr haben die Bergbauern den grossen Schritt gewagt und mit Bauen begonnen. Der Stall ist seit einigen Monaten fertig, im angebauten Wohnteil ist der gelernte Schreiner Alberto mit Hilfe der ganzen Familie noch am Innenausbau dran. Als Rosmarie Mall an die Tür klopft, hat er gerade die Hände voll mit Isoliermatten und Holzlatten. Erst als seine Frau Ruth und die Besucherin aus dem Unterland ihren Rundgang durch den Stall beendet haben, hat auch er Zeit für einen Schwatz.

Rosmarie Mall im Gespräch mit Ruth Tomamichel
Rosmarie Mall im Gespräch mit
Ruth Tomamichel. Das Grauvieh
der Bergbauern hat es der
Pensionärin angetan.

Verbunden durch die Berghilfe

Es gibt viel zu Reden. Über den strengen Winter, über den Wolf, der im Nachbardorf herumstreicht, über die Geschichte der Walser und Tomamichels Bemühungen, die alte Sprache und die Traditionen ihrer Vorfahren zu erhalten. Und natürlich über die Schweizer Berghilfe. Diese Organisation verbindet die Bergbauern aus Bosco Gurin und die Pensionärin. Tomamichels hätten Stall und Wohnung ohne Unterstützung der Berghilfe nicht bauen können, obwohl sie all ihre Ersparnisse zusammengekratzt und bei der Bank Geld aufgenommen haben. „Vielleicht hätten wir irgendwie eine Möglichkeit gefunden, um noch bis zu unserer Pensionierung weiterzumachen“, sagt Alberto. „Dann wäre aber sicher Schluss gewesen.“ Mit dem neuen Betriebsgebäude aber ist der Betrieb fit für die Zukunft, und der knapp 20-jährige Sohn Elia wird einmal den Betrieb übernehmen können. So wird er weiterhin in Bosco Gurin leben und muss nicht ins Flachland abwandern.

Rosmarie Mall ihrerseits gehört zu den vielen Schweizerinnen und Schweizern, denen ein belebtes Berggebiet wichtig ist und die deshalb mit Spenden an die Schweizer Berghilfe etwas gegen die Abwanderung tun. Sie sei auf ihren Wanderungen so viel in den Bergen unterwegs. Dabei sehe sie, was die Menschen in den Bergen alles leisten, um diese wilde Landschaft zu pflegen und bewohnbar zu halten. Auf Reisen in Italien und Frankreich habe sie gesehen, wie trostlos und unattraktiv entvölkerte Bergregionen sein können. „Das will ich der Schweiz, wenn möglich, ersparen.“

Damit weiterhin auf dieses Ziel hingearbeitet werden kann, wenn sie einmal nicht mehr lebt, hat Rosmarie Mall die Schweizer Berghilfe in ihrem Testament bedacht. Als sie aus dem Berufsleben ausstieg und ins Tessin zog, hat sie ihren Nachlass geregelt. Rosmarie Mall steht finanziell gut da. Weil sie keine Nachkommen hat, war sie beim Erstellen ihres Testaments völlig frei. An ihre Geschwister wollte sie ihr Vermögen nicht vererben. „Wir haben zwar ein super Verhältnis, aber in meiner Familie haben alle selbst mehr als genug Geld. Da gebe ich mein Vermögen lieber der Berghilfe. So kann es mehr bewirken.“ Zurück am sommerlichen Lago Maggiore ist Rosmarie Mall nach dem Besuch bei Familie Tomamichel überzeugter denn je, dass ihre Entscheidung die richtige war.



 
Über das Leben hinaus Gutes tun
Viele Menschen möchten auch über ihr Leben hinaus Gutes tun und eine gemeinnützige Institution unterstützen. Mit einer Zuwendung an die Schweizer Berghilfe kann man die Lebensqualität der Schweizer Bergbevölkerung wesentlich verbessern. Wie man den Menschen im Berggebiet eine Zukunft geben kann, zeigt der kostenlose Ratgeber fürs Testament. Diesen kann man hier bestellen: www.berghilfe.ch/de/kontakt/unterlagenbestellen.

Bei weiteren Fragen zum Thema steht Martin Schellenbaum gerne zur Verfügung:
Telefon 044 712 60 56, martin.schellenbaum@berghilfe.ch
 

Video zum Thema:
  Bosco Gurin - Das Walserdorf im Tessin
 



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