• Donnerstag, 24.08.2017
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WOHNFORMEN

Seniorenresidenzen weniger gefragt.

Ansichten der Generation 60plus 2003 und 2013
Von François Höpflinger
Seniorenresidenzen weniger gefragt.
© 3darcastudio - fotolia.com
Der Vergleich der Antworten 2003 und 2013 weist darauf hin, dass sich die Meinungen zu Seniorenresidenzen in den letzten zehn Jahren teilweise gewandelt haben. Der Anteil der über 60-Jährigen, die für sich persönlich die Form einer Seniorenresidenz positiv einschätzen, hat sich zwischen 2003 und 2013 gesamthaft reduziert, von 27% auf 19%, primär auch, weil heute generationengemischtes Wohnen auch im Alter stärker gewünscht wird.

Abhängig von der Gesundheit

Im Zeitvergleich 2003-2013 wird deutlich, dass eine positive Bewertung einer Seniorenresidenz vor allem bei der jüngsten Altersgruppe gesunken ist (60-64-Jährige: 2003: 31% Ja, 2013: 16% Ja), wogegen sich die Ja-Werte bei den 80-jährigen und älteren Befragten kaum verändert haben (2003: 24%, 2013: 21%). Die jüngsten Befragten fühlen sich für eine Seniorenresidenz heute oft zu ‚jung’, während im hohen Alter die mit einer Seniorenresidenz verbundenen Serviceleistungen geschätzt werden. Dies führt dazu, dass der Wunsch nach dieser Wohnform 2013 signifikant mit der funktionalen Gesundheit assoziiert ist: Wer keine gesundheitlichen Einschränkungen des Alltagslebens aufweist, bejaht diese Wohnform zu 16%. Der Ja-Anteil erhöht sich bei leichten Alltagseinschränkungen auf 24% und bei schweren Alltagseinschränkungen auf 31%. 2003 ergaben sich hingegen noch keine klaren Zusammenhänge mit der funktionalen Gesundheit. Die neuen Befragungsdaten können darauf hinweisen, dass Seniorenresidenzen heute vermehrt als Betreuungs- und Pflegewohnformen für das hohe Alter wahrgenommen werden, etwa als Wohnform, die qualitativ gutes Wohnen mit guten Service- und Pflegeleistungen kombiniert.

Bildungsniveau und sozialer Status

Zu erwarten ist, dass die Beurteilung einer Seniorenresidenz – einer Wohnform, die gute Wohnqualität mit Serviceleistungen verbindet – eng mit dem sozio-ökonomischem Status älterer Menschen assoziiert ist. Dies war 2003 und 2008 der Fall, wo sich hoch signifikante Unterschiede je nach Bildungsstatus und Haushaltseinkommen ergaben. 2013 haben sich die sozialen Antwortunterschiede jedoch vollständig oder fast vollständig aufgelöst: Die Ja-Antworten variieren nicht mehr signifikant nach Bildungsniveau und nur noch schwach nach Haushaltseinkommen.

Die Hauptursache liegt darin, dass die Zustimmung zum Modell der Seniorenresidenz bei Befragten mit tertiärer Ausbildung und/oder hohem Haushaltseinkommen deutlich gesunken ist. Bei Befragten mit tiefer Bildung und tiefem Einkommen haben sich die Ja-Antworten hingegen nicht verringert, wobei bei diesen Befragten die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realisierungschancen am stärksten sein dürften. Die Gründe für die abnehmende Attraktivität des Modells der Seniorenresidenz bei höheren Sozialschichten sind damit verbunden, dass alterssegregierte Wohnformen bei wohlhabenderen und aktiveren älteren Menschen heute kritischer beurteilt werden als noch vor zehn Jahren.



Umfrage:
Persönlich positive Einstellung zu Seniorenresidenzen

Umfragejahr 2003 2013
keine funktionalen Einschränkungen 27% 16%
leichte funktionale Einschränkungen 28% 24%
schwere funktionale Einschränkungen 25% 31%
     
Haushaltseinkommen - 4'000 Fr. 21% 19%
Haushaltseinkommen 4'000-6'000 Fr. 29% 15%
Haushaltseinkommen + 6'000 Fr. 37% 25%
Quelle: Age-Wohnerhebungen 2003 und 2013



Fussnote:
1   Zur Erfassung und Analyse der Wohnlage, Wohnzufriedenheit und Wohnwünsche älterer Menschen führt die Age-Stiftung (www.age-stiftung.ch) alle fünf Jahre eine umfangreiche Erhebung bei über 1'200 Personen im Alter von 60 Jahren und älter in der deutschsprachigen Schweiz durch. Die erste Umfrage fand im Frühjahr 2003 statt. Sie wurde im Frühjahr 2008 mit leichten Anpassungen wiederholt, und im Frühjahr 2013 wurde eine dritte Wohnumfrage durchgeführt. Die Erhebungen basieren auf einer mündlichen Befragung mit geschulten Interviewern. Zu den Ergebnissen vgl. Höpflinger, François; Van Wezemael, Joris (Hrsg.) (2014): Wohnen im höheren Lebensalter. Grundlagen und Trends. Age Report III, Zürich: Seismo-Verlag.



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