• Dienstag, 21.02.2017
Print

PERSPEKTIVEN

Senioren auf Sendung

Untertitel
Von Max Hugelshofer
Senioren auf Sendung
© Schweizer Berghilfe
„So, jetzt seid ihr bitte alle mal ruhig und geht mindestens 20 Meter dort rüber.“ Es ist nicht das erste Mal, dass Franz Goetschel die Stimme heben muss, um Ruhe auf dem Set zu bekommen. „Filmen besteht für alle Teilnehmenden zu einem grossen Teil aus Warten“, sagt der Produzent. „Da wird es den Leuten irgendwann langweilig, und sie fangen an, zu schwatzen. Das ist normal.“ Doch für den Film ist es nicht gut, wenn hinter der Kamera zu viel Betrieb herrscht. Die Protagonisten lassen sich ablenken, schauen beim Interview auf das, was sich im Hintergrund tut, wirken weniger natürlich. Besonders, wenn es Leute sind, die nicht jeden Tag vor der Kamera stehen.


Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.


Und das ist bei Vielfalt-TV oft der Fall. Der Fokus der Sendung, die auf mehreren Lokalsendern ausgestrahlt wird, liegt auf dem Thema Alter. Vielfalt-TV richtet sich an Pensionärinnen und Pensionäre und will aufzeigen, dass es auch im Alter noch viele Möglichkeiten gibt, sich sinnvoll zu betätigen. Fünfmal im Jahr berichtet die Sendung über ein Projekt, das die Schweizer Berghilfe unterstützt hat. Deshalb steht im Moment Moritz Helfenstein vor der Kamera. Der 71-Jährige hat nach seiner Pensionierung eine „zweite Karriere“ als ehrenamtlicher Experte bei der Schweizer Berghilfe begonnen. Er ist für das Gebiet südwestlich von Thun zuständig und prüft vor Ort alle eingehenden Unterstützungsgesuche.


Produzent Franz Goetschel führt die Interviews, sorgt aber auch dafür, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen.
Produzent Franz Goetschel führt die Interviews, sorgt aber auch dafür, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen.


Hängebrücke Leiternweide

Er war auch beim Projekt „Hängebrücke Leiternweide“ in Oberwil im Simmental von Anfang an mit dabei. Er bekam mit, wie die Älplerfamilie Feuz aus Kostengründen am Versuch scheiterte, ihre nur über abenteuerlich steile Leitern oder einen mehrstündigen Umweg zu erreichende Alp Leiternweide mit einer Hängebrücke zu erschliessen. Darauf schlossen sich der Idee weitere Personen aus dem Dorf an. Sie gründeten eine Genossenschaft und holten sich fachliche Unterstützung - beim Verein Innovage, in dem Fachkräfte im Rentenalter ihr Wissen gratis zur Verfügung stellen. Fachleute von Innovage fanden heraus, dass die geplante Brücke den verfallenen historischen Bäderweg auf ideale Weise ergänzen würde. Also beschlossen die Oberwiler, dem Weg neues Leben einzuhauchen. Viele lokale Sponsoren liessen sich für das Projekt begeistern, und auch einige Stiftungen versprachen einen Beitrag. Doch gebaut werden konnten Weg und Brücke erst, als die Schweizer Berghilfe Moritz Helfensteins Antrag folgte und den offen gebliebenen Betrag übernahm.

Nun ist die Brücke fertig. Mit einem eleganten Schwung führt sie über die 111 Meter tiefe Buschenschlucht. Ein spontan wegen seiner leuchtend roten Jacke engagierter Statist geht im Hintergrund über das leicht schwankende Bauwerk. Im Vordergrund bestaunt Moritz Helfenstein die Hängebrücke wieder und wieder ausgiebig für die Kamera. „Das Schauspielern liegt mir nicht besonders“, sagt der Gebietsexperte. Dennoch befolgt er geduldig die Anweisungen von Produzent Franz Goetschel und Kameramann Lukas Nigg. „Herr Helfenstein kommt super rüber. Man merkt es ihm kein bisschen an, dass er lieber nicht vor der Kamera stehen würde“, sagt Goetschel.


Kameramann Lukas Nigg leistet vollen Einsatz.
Kameramann Lukas Nigg leistet vollen Einsatz.


Fernsehsendung für Senioren

Überhaupt freue er sich bei der Produktion der Vielfalt-TV-Beiträge immer wieder, wie telegen viele ältere Menschen seien. Und wie viel sie zu sagen hätten. Trotzdem gebe es ausser Vielfalt-TV in der Schweiz keine Fernsehsendung, die sich an Senioren richtet. Doch dies war nicht der einzige Grund, weshalb Goetschel vor sieben Jahren die erste Vielfalt-TV-Sendung realisierte. Für ihn, der sein ganzes Leben lang Auftragsfilme für unterschiedlichste Firmen hergestellt und verschiedene Fernsehsendungen produziert hatte, kam das Rentenalter mit grossen Schritten näher. „Ich begann selbst, mich für andere Sachen zu interessieren. Es war also eine ziemlich eigennützige Idee, eine Fernsehsendung für Senioren zu machen.“




Vielfalt-TV

Seit dem Start von Vielfalt-TV im Jahr 2007 hat Franz Götschel 100 Sendungen produziert, davon 32 in Zusammenarbeit mit der Schweizer Berghilfe. Alle Sendungen – auch ältere – können auf www.vielfalt.tv angeschaut werden.



Über das Leben hinaus Gutes tun
Viele Menschen möchten auch über ihr Leben hinaus Gutes tun und eine gemeinnützige Institution unterstützen. Mit einer Zuwendung an die Schweizer Berghilfe kann man die Lebensqualität der Schweizer Bergbevölkerung wesentlich verbessern. Wie man den Menschen im Berggebiet eine Zukunft geben kann, zeigt der kostenlose Ratgeber fürs Testament. Diesen kann man hier bestellen: www.berghilfe.ch/de/kontakt/unterlagenbestellen.

Bei weiteren Fragen zum Thema steht Martin Schellenbaum gerne zur Verfügung:
Telefon 044 712 60 56, martin.schellenbaum@berghilfe.ch



Weitere Artikel von Max Hugelshofer (Auswahl)
  Senioren auf Sendung
Ein Beitrag der Schweizer Berghilfe
Berghilfe-Experte Moritz Helfenstein macht vor der Kamera eine gute Figur.



Diesen Artikel:
Drucken | Merken | Feedback | Weiter empfehlen

Social Networks:
Twitter Facebook MySpace deli.cio.us Digg Google Bookmarks Windows Live Yahoo! Bookmarks