• Mittwoch, 13.12.2017
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ALTERSTHEMEN

Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag

Fragen und Antworten  
Von Daphne Sarlos  
  Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag
   
© fotolia.de / ABT 
Am 1. Januar 2013 trat das neue Erwachsenenschutzrecht in Kraft. In unserem früheren Artikel hatten wir darüber informiert: Das neue Erwachsenenschutzrecht. Dieses revidierte Vormundschaftsrecht (Art. 360 – 455 ZGB) stellt unter anderem Instrumente zur Verfügung, die das Selbstbestimmungsrecht fördern, und es minimiert staatliche Eingriffe in die private Freiheit. In diesem Artikel geben wir Antwort auf die uns in diesem Zusammenhang bei unserer Beratungstätigkeit am häufigsten gestellten Fragen.

Was kann man in einer Patientenverfügung regeln?

Bei der Patientenverfügung geht es um das Festhalten der eigenen Wünsche in Bezug auf medizinische Behandlungen für den Fall, dass Sie urteilsunfähig werden. Wer an einer chronischen Krankheit leidet und weiss, was auf ihn zukommen könnte, kann besser einschätzen, welche Behandlungen in welchem Krankheitsstadium erwünscht oder eben nicht gewünscht sind. Wenn Sie gesund sind, halten Sie am besten Ihre Überzeugungen zur Behandlung bei Krankheit und beim Sterben fest. Sollen etwa alle medizinischen Massnahmen ausgeschöpft werden? Ist die Erhaltung des Lebens um jeden Preis vorrangig?

Solche Informationen sind sehr wichtige Orientierungshilfen für Ärzte und Angehörige. Sie können zum Beispiel bestimmen, ob auf eine künstliche Beatmung oder Reanimation verzichtet werden soll, falls keine Heilung mehr möglich sein sollte. Sie legen fest, wer über Ihren Zustand informiert wird, Zugang zum Krankenbett erhält, in den letzten Stunden bei Ihnen sein darf und ob Sie sich zu gegebener Zeit nach Hause verlegen lassen wollen. Ausserdem können Sie auch bestimmen, ob Sie Ihre Organe zur Spende frei geben oder ob Ihr Körper zu Studienzwecken dienen soll. Sie haben ebenso die Möglichkeit, eine Person Ihres Vertrauens zu bestimmen, die zu gegebenem Zeitpunkt die nötigen Entscheide trifft.

Muss man die Verfügung handschriftlich verfassen?

Nein, dies ist nicht nötig. Die Patientenverfügung muss schriftlich abgefasst, datiert und unterzeichnet sein. Sie kann aber mit dem Computer, der Schreibmaschine oder von Hand geschrieben sein. Sie können den Inhalt selbst verfassen oder vorgedruckte Muster-Verfügungen verwenden.

Wie lange ist eine Patientenverfügung gültig?

Die Verfügung ist unbefristet und ist ab sofort gültig. Sie ist jederzeit widerrufbar. Sie können das Dokument vernichten oder eine neue schreiben. Es ist aber unbedingt empfehlenswert, sich ca. alle zwei Jahre Gedanken zu machen, ob der Inhalt noch den eigenen Ansichten entspricht.


  " Die Patientenverfügung ist unbefristet,
ab sofort gültig und jederzeit widerrufbar. "
 

Wo soll man eine Patientenverfügung aufbewahren?

Am besten informieren Sie eine Vertrauensperson, wo das Dokument zu finden ist. Sie sollten auf einem Kärtchen den Hinterlegungsort und die Koordinaten der Vertrauensperson immer bei sich tragen. Sinnvoll ist es auch, wenn Sie Ihrem Hausarzt eine Kopie der Verfügung übergeben. Gemäss gesetzlicher Regelung sollte ein Vermerk auf der Versichertenkarte möglich sein, jedoch funktioniert dies technisch noch nicht überall.

Wer entscheidet, wenn ein Patient keine Patientenverfügung verfasst hat und nicht mehr urteilsfähig ist?

In einem solchen Fall entscheiden die nächsten Angehörigen über die medizinischen Massnahmen. Angehörige werden wie bis anhin über die Behandlungsmöglichkeiten informiert und beraten. Das Gesetz hält eine Reihenfolge der Angehörigen fest. Wenn es an Personen der oberen Stufe fehlt, sind die Angehörigen der unteren Stufe berechtigt. Das Vertretungsrecht gilt aber nur, wenn diese angehörige Person der urteilsunfähigen Person regelmässig und persönlich Beistand leistet. Es muss also eine gelebte Beziehung bestehen. Zerstrittene Geschwister oder Kinder, die den Kontakt zu den Eltern abgebrochen haben, haben kein Vertretungsrecht. Das Gesetz sieht folgende Reihenfolge der Vertretung vor:
  • Ehegatten oder eingetragene Partner mit gemeinsamem Haushalt
  • getrennt lebende Ehegatten oder eingetragene Partner
  • Lebens- oder Wohnpartner mit gemeinsamem Haushalt
  • Kinder, Enkel oder Urenkel
  • Eltern
  • Geschwister.

Muss sich der Arzt an die Patientenverfügung halten?

Der Arzt muss sich unbedingt an die Verfügung halten, und zwar auch dann, wenn Sie selber eine andere Behandlung wählen oder die Angehörigen anders entscheiden würden als der Arzt. Davon gibt es lediglich zwei Ausnahmen: wenn die Verfügung ungesetzliche Weisungen enthält (wie z.B. aktive Sterbehilfe) oder wenn begründete Zweifel am Patientenwillen bestehen.

Was kann man in einem Vorsorgeauftrag regeln?

In einem Vorsorgeauftrag kann man eine Person bestimmen, die für den Fall der eigenen Urteilsunfähigkeit gewisse Dinge erledigt. Es geht um die Bereiche

  • des persönlichen Wohls (Personensorge),
  • der Finanzen (Vermögenssorge) und
  • der Vertretung in rechtlichen Angelegenheiten.
Die Personensorge umfasst ebenso die Befugnisse, über medizinische Massnahmen zu entscheiden, sofern keine Patientenverfügung vorliegt. Es geht auch darum zu entscheiden, ob die Pflege zu Hause oder im Pflegeheim erfolgen soll. Bei der Vermögenssorge soll festgehalten werden, wer den Zahlungsverkehr vornimmt und das Einkommen und Vermögen verwaltet. Bei der Vertretung im Rechtsverkehr geht es vor allem um das Abschliessen oder Auflösen von Verträgen.


  " Der Vorsorgeauftrag muss von Hand geschrieben, datiert und unterzeichnet sein. "  

In welcher Form muss ein Vorsorgeauftrag verfasst sein?

Der Vorsorgeauftrag muss handschriftlich verfasst sein. Das heisst, der ganze Text muss von Hand geschrieben, datiert und unterzeichnet sein. Daneben gibt es noch die Möglichkeit, den Vorsorgeauftrag durch einen Notar verfassen und öffentlich beurkunden zu lassen. Diese zweite Möglichkeit bietet sich vor allem an bei Personen, die Schwierigkeiten mit der Handschrift haben.

Wo soll ich einen Vorsorgeauftrag aufbewahren?

Am besten ist es, wenn Sie den Vorsorgeauftrag bereits der Person Ihres Vertrauens übergeben. Auch eine Meldung auf dem Zivilstandsamt ist möglich, wo dann der Eintrag des Aufbewahrungsortes im Personenstandsregister vorgenommen wird.

Wer kann Vertrauensperson sein?

Jede handlungsfähige Person ab 18 Jahren kann eine solche Vertretung übernehmen. Sie können auch eine juristische Person (z.B. die Hausbank, den Treuhänder oder einen Anwalt) zu Ihrem Vertreter ernennen. Sinnvoll ist es, wenn Sie Ersatzverfügungen treffen, also wenn Sie einen Ersatzvertreter bestimmen, falls Ihre erste Wahl den Auftrag doch nicht annimmt. Auf jeden Fall sollten Sie diese vertrauenswürdige Aufgabe mit der von Ihnen bestimmten Person vorgängig besprechen.

Wie lange ist ein Vorsorgeauftrag gültig?

Sobald Sie Ihre Urteilsfähigkeit verlieren, tritt der Vorsorgeauftrag in Kraft. Er erlischt, sobald Sie Ihre Urteilsfähigkeit wieder erlangen. Bevor die Vertrauensperson tätig werden kann, prüft die Erwachsenschutzbehörde, ob der Vorsorgeauftrag gültig ist, Sie tatsächlich urteilsunfähig sind und die von Ihnen eingesetzte Person geeignet ist. Die Behörde stellt der beauftragten Person eine Urkunde mit ihren Befugnissen aus, und von da an kann diese tätig werden.

Muss ich meine Vertrauensperson finanziell entschädigen?

Die bevollmächtigte Person darf natürlich auf ein Honorar verzichten, es ist jedoch üblich, eine Entschädigung zu vereinbaren. Ist im Vorsorgeauftrag nichts festgelegt, entscheidet die Erwachsenschutzbehörde über die Höhe des Tarifs. Bei professionellen Beauftragten wie Anwälte und Treuhänder müssen Sie mit einem Stundentarif von mindestens CHF 200,00 rechnen. Für Privatpersonen wird ein Honorar von CHF 25.00 bis 30.00 pro Stunde empfohlen. Die notwendigen Spesenaufwendungen sind immer zu ersetzen.
     
   
     
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