• Montag, 20.11.2017
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ALTERSTHEMEN

Mein Leben ohne Gestern: „STILL ALICE“

Untertitel
Von Guido Oberer
Mein Leben ohne Gestern: „STILL ALICE“
© variety.com

Der Inhalt in Kürze

Es sind Kleinigkeiten, die kaum auffallen. Bei einem Vortrag fällt der Professorin für Sprachwissenschaften, Alice Howland (50), plötzlich ein Wort nicht mehr ein. Wenig später verliert sie beim Joggen die Orientierung und findet den Heimweg nicht mehr. Sie ahnt bald, dass mit ihr etwas nicht mehr stimmt und begibt sich zur Abklärung in die Hände eines Facharztes. Die Diagnose kommt für Alice dennoch völlig unerwartet: Sie leidet an einer seltenen Art von frühem Alzheimer. Der normale Alltag, an dem Alice mit allen Mitteln festhalten will, lässt sich nicht mehr wie gewohnt gestalten. Nur dank der grossen Unterstützung ihrer Familie, dank ihrer eigenen Willensstärke und unter Zuhilfenahme von mehr oder weniger raffinierten „Tricks“ schafft sie es, ihr zunehmend schwieriges Leben zu meistern und die Einzigartigkeit des Momentes zu geniessen.

Pressemeldungen zum Film

Meine persönlichen Eindrücke zum Film

Den beiden Regisseuren Richard Glatzer und Wash Westmoreland ist mit „Still Alice“ ein beeindruckender Film über eine zunehmend bedrohliche Krankheit in den immer älter werdenden Gesellschaften der westlichen Welt gelungen. Julianne Moore brilliert in der Titelrolle mit ihrer sehr nuancenreichen Darstellung einer sehr früh betroffenen Alzheimer-Patientin, wofür die Oscarauszeichnung mehr als berechtigt erscheint.

Zu Thema

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in unserer Gesellschaft ist es sinnvoll und angebracht, sich auch im kulturellen Umfeld von Film, Theater und Literatur mit der zunehmenden Bedrohung der alternden Menschen durch Demenz künstlerisch zu befassen. Nicht Angstmacherei, sondern die professionelle und wissenschaftlich begleitete künstlerische Umsetzung eines wichtigen Themas steht dabei im Vordergrund und wird im vorliegenden Fall von allen Beteiligten sehr sensibel und einfühlsam dargestellt.

Das Leiden

Man erlebt als Betrachter in bedrückender Weise, wie eine vitale und beruflich sehr erfolgreiche Frau und Mutter im Alter von 50 Jahren in kleinen Schritten zunehmend von einer Frühform von Alzheimer betroffen wird und wie sich das persönliche Leiden von der direkt Betroffenen immer stärker über die ganze Familie ausbreitet. Von einem Neurologen fachkundig begleitet, erlebt die Frau ihren eigenen kognitiven Zerfall sehr bewusst, ja sie schildert ihren eigenen Zerfallprozess sogar in eindrücklicher Weise vor einem interessierten Fachpublikum , das ihr durch rege Anteilnahme und Mitgefühl ihre verloren geglaubte Menschenwürde zurückgibt.

Das Umfeld

Es zeigt sich im Laufe des Filmes deutlich, wie entscheidend das Verhalten des Umfeldes für den Alzheimer-Patienten ist. Im Familienkreis wird die Diagnose allen direkt Betroffenen (Ehemann und Kindern) bekannt gegeben und - soweit möglich – offen diskutiert, inklusive einer eventuellen Vererbbarkeit von der Mutter an ihre Kinder. Alle Angehörigen bemühen sich auf ihre eigene Weise, den richtigen und würdigen Umgang mit der leidenden Patientin zu finden, was nicht jedem immer auf Anhieb gelingt. Aber gerade in diesem humanen Bestreben, den richtigen Umgang mit dieser Krankheit zu finden, und in der Bewältigung im familiären Umfeld sehe ich den wertvollen Beitrag dieses Filmes.

Fazit

Es ist den Produzenten und den Regisseuren des Films „STILL ALICE“ hoch anzurechnen, dass sie sich in dieser eventorientierten und Effekt haschenden Filmwelt mit einem Thema befassen, das die zunehmend alternde Gesellschaft in Zukunft immer mehr beschäftigen und belasten wird – emotional, psychisch, physisch und auch wirtschaftlich. Sicher lebt dieser Film wesentlich durch die hervorragende Hauptdarstellerin Julianne Moore, aber ebenso beeindruckend ist der würdevolle Umgang mit dem sensiblen Thema Alzheimer.



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