• Dienstag, 26.09.2017
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PERSÖNLICHKEIT DES MONATS

Lernen und Entwickeln als roter Faden

Interview von Helmut Bachmaier  
Lernen und Entwickeln als roter Faden
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Dr. Silvia Kübler, Geschäftsleiterin von Careum Weiterbildung, im Gespräch mit Helmut Bachmaier.

Frau Kübler, ab 2003 waren Sie Direktorin des früheren WE'G Weiterbildungszentrums für Gesundheitsberufe, Sie haben dann aktiv mitgewirkt am Aufbau der WE’G Hochschule Gesundheit, dem heutigen Departement Gesundheit der Kalaidos Fachhochschule, und seit 2012 sind Sie Geschäftsleiterin von Careum Weiterbildung. Was ging diesen Funktionen voraus?

Silvia Kübler: Ich habe als Primarlehrerin begonnen, dann habe ich Englisch im Weiterbildungssektor unterrichtet, war Lehrbeauftragte an der Uni Zürich, schliesslich leitete ich die Fachstelle für Fremdsprachenunterricht an Berufsschulen und die Abteilung Bildungsentwicklung im Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich. Lehren, Lernen, Bildung und Entwicklung sind der rote Faden in meiner Berufslaufbahn.

Noch einen Schritt weiter zurück – zu Ihren Studienfächern und in die Studienzeit?

Silvia Kübler: Nach meiner Primarlehrerausbildung habe ich als Werkstudentin Anglistik, Germanistik und Nordistik studiert, dabei hat mich immer der Bezug zur Praxis der Sprachanwendung und des Sprachunterrichts interessiert, also der Schwerpunkt angewandte Linguistik. Nach dem Lizentiat an der Uni Zürich, einem Master of Arts an einer englischen Universität erfolgte die Promotion an der Zürcher Universität mit einem Thema über Fremdsprachenerwerb. Dieses Thema und die Übertragung in die Lehrerbildung waren mir sehr wichtig. Ich sehe Bildung aber immer auch in einem allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenhang.

Weil Sie gerade von „Bildung“ sprechen. Wenn wir einen allgemeinen, humanistischen Bildungsbegriff von zweckorientierter Berufsbildung und dabei zwischen Ausbildung – im Sinne von neue Berufe erlernen – und Weiterbildung – im Sinne von Kompetenzen erhalten und festigen – unterscheiden, was ist für jede Form von Bildung grundsätzlich wichtig?

Silvia Kübler: Bildung leistet einen wichtigen Beitrag zur Orientierung und ist Grundlage, damit Menschen in einer komplexer werdenden Welt entscheidungs- und handlungsfähig sind. Dies gilt im Alltag, aber gerade auch in der Berufsbildung. Im Gesundheitswesen mit der hohen Veränderungsdynamik sind die Berufsleute immer wieder in Situationen, in denen Routine als Handlungsgrundlage nicht reicht. Sie müssen fähig sein, Lösungen in unerwarteten und neuen Situationen zu finden.

Welche Aufgaben stellen sich bei Careum in der Weiterbildung?

Silvia Kübler: Aus der früheren Kaderschule des Schweizerischen Roten Kreuzes entstand das WE'G Weiterbildungszentrum für Gesundheitsberufe und nach unserem Zusammenschluss mit weiteren Partnern die Careum Weiterbildung AG als private unabhängige Weiterbildungsinstitution. Wir verstehen unsere Ausrichtung als komplementär zu den Hochschulen.

Neben den Pflegefachpersonen sind unsere Teilnehmenden heute vermehrt Berufsleute mit einem Lehrabschluss, also z.B. Fachfrauen und -männer Gesundheit (FaGe). Die Ausbildungen in der Berufsbildung im Gesundheitswesen haben sich in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert. Das ist eine Herausforderung für die Weiterbildung. Die Berufsabschlüsse sind differenzierter geworden; damit wird eine effizientere Arbeitsteilung in der Praxis ermöglicht, die Vielfalt erfordert aber auch eine Klärung der Zusammenarbeit in den interprofessionellen Teams und zwischen den verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung. Die Planung, wer welche Kompetenzen in einer Weiterbildung erwerben soll, ist viel anspruchsvoller geworden.

Ausserdem setzt der Spardruck in den Institutionen im Gesundheitswesen oft enge Grenzen für die Weiterbildung des Personals. Hier die passenden Angebote zu gestalten, ist für uns eine zentrale Aufgabe, die wir nur lösen können dank einem guten Kontakt zur Praxis und einem lebendigen Netzwerk von Partnern, mit denen wir zusammenarbeiten.

Als Weiterbildungsanbieter sind wir nicht einfach eine Schule mit Kursen, Modulen und Lehrgängen, sondern wir verstehen uns mit einer Vielfalt an Angeboten als Dienstleister für die einzelnen Berufspersonen und die Betriebe. Dabei geht es um die Qualifizierung und Entwicklung der einzelnen Personen und um die Qualität der Versorgung in den Institutionen. Unsere Angebote gehen von der Information und Beratung zu hoch flexiblen modularen Weiterbildungen, massgeschneiderten Veranstaltungen in den Betrieben bis zur Unterstützung bei der Administration von Weiterbildungen.

Bei dieser ganzen Veränderung bleibt das Ziel allerdings immer klar: Unsere Angebote müssen einen Beitrag leisten, damit die Qualität der Versorgung und damit die Lebensqualität der Menschen in den Institutionen des Gesundheitswesens verbessert werden.

E-Learning spielt bei Careum noch keine grosse Rolle?

Silvia Kübler: Wir setzen eine elektronische Lernplattform ein. Zurzeit sind wir am Abklären, wie wir Facebook & Co, also die Social Networks, als Lerninstrumente einsetzen wollen. Es geht ja nicht darum, einfach einem Trend aufzusitzen, sondern mit den neuen Medien den Lernprozess attraktiver, interessanter und vielleicht effizienter zu gestalten.

Lassen Sie uns noch über das Alter sprechen. Die Altersgesellschaft entwickelt sich in ganz unterschiedliche Richtungen. Allein die Vertreter von anti- oder pro-ageing haben sehr divergente Vorstellungen?

Silvia Kübler: Alter interessiert mich – nicht zuletzt aus persönlichen Gründen! Ich lese sonntags gerne Ihre online-Zeitung „SenLine“ mit den vielfältigen Artikeln. Ich denke, dass wir mitten in einer gesellschaftlichen Veränderung stehen, wie wir den Beitrag von älteren und alten Menschen für die Gesellschaft wahrnehmen.

Die gegenwärtige Generation der Leute im Pensionsalter hat ein Potential, das noch nicht richtig eingeschätzt, gewürdigt und eingesetzt wird. Es kommen aber auch Herausforderungen auf uns zu, die wir mit den traditionellen Institutionen gar nicht mehr bewältigen können. Ich denke an die vielen Singles, aber auch an die individuellen – sehr hohen – Ansprüche. Wir werden neue Formen der Vernetzung, der gegenseitigen Unterstützung und des Zusammenlebens finden bzw. erfinden müssen. Das wollen und können die sog. neuen Alten aber auch, da bin ich überzeugt. Ich selber träume oft von einem Alterscampus – weil ich meinen roten Faden gerne weiterspinnen möchte.


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