• Donnerstag, 14.12.2017
Print

ALTERSKULTUR

Lebensphase nach der Pensionierung.

Erfahrungsbericht aus unserem Seminar
Von Fernando Ferrari und Ueli Plüss
Lebensphase nach der Pensionierung - Erfahrungsbericht aus unserem Seminar
 
Unser Seminar befasste sich mit den Themen Wohn-, Finanz- und Rechtsfragen sowie Steuern. Ebenso thematisierten wir Gesundheit, Ernährung und Vitalität und schlugen die Brücke zum nachberuflichen Leben mit Hilfe des Zürcher Ressourcen-Modells. Die Seminarteilnehmer und Teilnehmerinnen sollten Chancen erkennen und Wege finden für ihre Lebensform nach der Pensionierung.

In der Vorstellungsrunde zeigte sich, dass einzelne Frauen und Männer klare Vorstellungen haben, wie sie ihr Leben nach Beendigung der Berufsarbeit gestalten wollen. Andere hingegen waren noch unschlüssig, mit welchen Aufgaben sie die nachberufliche Lebensphase zufriedenstellend ausfüllen möchten.

Modelle für die nachberufliche Zeit

Ein Kaminfeuergespräch hatte zum Ziel, die Seminarteilnehmenden an gelebten Beispielen von fünf unterschiedlichen Personen teilhaben zu lassen. Wir befragten Sie, wie sie die Tage nach ihrem Ausscheiden aus ihrem Unternehmen sinngebend gestaltet haben und welche Erfahrungen sie beim Übergang vom beruflichen Leben in den neuen Lebensabschnitt rückblickend weitergeben können.

Einer der Podiumsteilnehmer hatte die berufliche soziale Belastung in der Arbeitswelt als sehr stark empfunden. Im dritten Lebensabschnitt engagierte er sich in der Freiwilligenarbeit im sozialen Umfeld, vertiefte seine Sprachkenntnisse und fand letztlich sein eigenes Lebensmotto: «Der heutige Tag war es wert, gelebt zu haben». Er ist sich bewusst, dass der begrenzte Zeitraum das Unendlichsein aufhebt.

Der zweite Teilnehmer vermisste anfänglich seinen Berufsalltag und freute sich sehr, wenn das Telefon klingelte und er von seinem Arbeitgeber zu einem Sachverhalt um kompetenten Rat gefragt wurde. In der Pensionierung musste er lernen, in seinem neuen Lebensabschnitt eigene Bedürfnisse deutlich zu machen und diese auch in der Partnerschaft auszudiskutieren. Und weil Lebensträume oft unerfüllt bleiben, stellte er sein Leben auf den Kopf und setzte alles auf eine Karte: «Jetzt oder nie – lebe deinen Traum». Im Vordergrund standen die körperliche Fitness und die Wahl und Pflege eines lustvollen Hobbies.

Zu Beginn des dritten Lebensabschnittes standen für den dritten Teilnehmer zuerst einmal Ferien auf dem Programm. Er plante am Vorabend den nächsten Tag, schätzte das Gemeinsame, baute sein Netzwerk aus und genoss die Freiheiten, die er früher nicht kannte. Er erhob seine Stimme in der Politik, setzte seine Kräfte für die Zukunft ein und gehörte zur aktiven Generation, die das Leben genussvoll gestaltet.

Die vierte Person musste vorzeitig in den sog. Ruhestand treten, weil sie unter dem Burnout-Syndrom litt. Diese Zeit, diese Grenzerfahrung, war für sie trostlos. Der Umstand, bei einem Vorhaben gebraucht zu werden, wieder jemand zu sein, liess sie genesen. Zudem entdeckte sie die Freude am Malen. Die Malerei gab ihr die Möglichkeit, Eindrücke und Emotionen in ihrer Bildsprache festzuhalten.

Eine Dame, ehemals in leitender Position und mit 63 in Pension gegangen, lebt im Zwiespalt zwischen einer gewissen Unzufriedenheit und den eigenen Ansprüchen; sie ist auf der Suche und Verwirklichung einer Idee, die sie noch nicht gefunden hat, erhofft sich aber, dass die Lebenssituation zur Lernsituation wird.
Spannende Diskussion am Kaminfeuer.
Spannende Diskussion am Kaminfeuer.

Ergebnisse

Aus dem Kaminfeuergespräch fassen wir einzelne Punkte zusammen. Ohne rückblickend etwas ändern zu wollen, verdeutlichen die Erkenntnisse der Gesprächsteilnehmenden, worauf es ihnen in der Lebensphase nach der Pensionierung ankommt:

  • Das Älterwerden zu gestalten heisst vorab, sich schon vor dem Übertritt in die nachberufliche Zeit zu überlegen und Perspektiven zu entwerfen, wie diese neue Lebenssituation gewinnbringend, also sinnvoll genutzt werden kann. Wer sich nicht darauf vorbereitet, begeht eine Unterlassung, die sich über kurz oder lang rächt.
  • Das Älterwerden zu gestalten heisst, sich das Interesse am Lauf der Welt im Kleinen wie im Grossen zu bewahren. Es gibt wenig, was uns nichts angeht. Wer also offenen Sinnes wahrnimmt, was um ihn/sie herum geschieht, hat schon viel gewonnen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich zu orientieren und Wissen zu vertiefen.
  • Sehr sinnvoll nutzen lässt sich die gewonnene Zeit beim Älterwerden natürlich durch aktive Mitarbeit in Vereinen, Körperschaften und Institutionen. Sich hier einzubringen verschafft Befriedigung, verhilft zu Kontakten, öffnet neue Betätigungsfelder, vermittelt das gute Gefühl, noch immer nützlich zu sein. Es ist letztlich ein äusserst probates Mittel gegen Vereinsamung. Das drohende Abgleiten in die Isolation ist einer der gravierendsten Fehler im Alterungsprozess. Sich ein soziales Netz zu knüpfen ist deshalb besonders wichtig.
  • Die gewonnene Zeit in der nachberuflichen Phase bringt auch das Privileg mit sich, einmal nichts zu tun, auch einmal einfach hinzusitzen und diesen Moment zu geniessen. Aber auch die Zuversicht, mit Geduld auf Optionen zu warten, denn das Richtige für einen selber kommt bestimmt.
  • Dass Reisen bildet ist hinlänglich bekannt. Wann, wenn nicht im Alter, ist Zeit da, sich in der Welt umzusehen? Sich eine gewisse Mobilität zu bewahren, das hält erwiesenermassen jung und ist ebenfalls eine höchst taugliche Form, das Altern zu gestalten.
  • Es braucht aber nicht nur die Kontakte nach aussen. Die Antennen können durchaus auch nach innen gerichtet werden. So gesehen, kann Altersgestaltung auch heissen, sich Zeit und Musse einzuräumen, etwa für Literatur oder für Musik.
  • Bei allem muss natürlich die wichtigste Voraussetzung gegeben sein: die Gesundheit. Ein Stück weit haben wir es selber in der Hand, diese Gesundheit zu erhalten. Aktivität in vernünftigem Mass trägt sicher dazu bei, vital zu bleiben. Es heisst ja nicht umsonst «Sich regen bringt Segen».

Das Miteinander dürften alle fortsetzen, die sich in Degersheim zweieinhalb Tage über die Lebensphase nach der Pensionierung ausgetauscht und viele Informationen bekommen haben. Das Seminar hat gute Grundlagen dafür vermittelt.
Ueli Plüss (l) und Fernando Ferrari (r) sind als Jung-Pensionierte mit breiter Erfahrung im Personalbereich mit ihrer Seminarreihe «Pensionierung - neue Lebensphase gestalten» erfolgreich gestartet.
Ueli Plüss (l) und Fernando Ferrari (r) sind als Jung-Pensionierte mit breiter Erfahrung im Personalbereich mit ihrer Seminarreihe «Pensionierung - neue Lebensphase gestalten» erfolgreich gestartet.

Weitere Artikel aus der Rubrik «ALTERSKULTUR» (Auswahl)
  Lebensphase nach der Pensionierung - Erfahrungsbericht aus unserem Seminar



Diesen Artikel:
Drucken | Merken | Feedback | Weiter empfehlen

Social Networks:
Twitter Facebook MySpace deli.cio.us Digg Google Bookmarks Windows Live Yahoo! Bookmarks