• Sonntag, 26.03.2017
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PERSPEKTIVEN

Küchenarbeit gegen Englischunterricht

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Von Max Hugelshofer
Küchenarbeit gegen Englischunterricht
© Schweizer Berghilfe
Der 86-jährige Albert Gredig erinnert sich gut an seine Schulzeit in Pontresina im Engadin. Vor allem daran, dass er nie gerne in die Schule ging. «Ich wollte immer nur Bauer werden.» Und dies, obwohl die Eltern mit der Landwirtschaft nichts am Hut hatten. Bereits als Zehnjähriger ging Albert erstmals z’Alp, und auch im Winter half er lieber den Bauern im Dorf, als Hausaufgaben zu machen. Als es später Englisch als Wahlfach gab, war er der einzige der Klasse, der sich nicht einschrieb. «Wozu sollte ich als Bauer auch Englisch brauchen?» Fünf Jahre später stand er in einer kanadischen Küche, half der Farmersfrau beim Abwasch und bekam als Gegenleistung Englischunterricht. Heute ist Englisch Alberts Hauptsprache.
Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.
Er lebt seit über 50 Jahren in St. Thomas in Ontario, nahe am Erie-See, zwischen Toronto und Detroit. Bauer ist er geworden, und sogar ein erfolgreicher. Ein Bergbauer in der Schweiz bewirtschaftet im Durchschnitt 18 ha Land. Albert Gredig besitzt heute acht Farmen mit 320 ha Land, die er mit seinem Sohn Peter ohne Angestellte bewirtschaftet. Sie bauen Mais und Sojabohnen an, die sie auf dem Weltmarkt verkaufen. Wenn sein Sohn in den Mähdrescher steigt, dann nimmt er Laptop und Handy mit, um neue Verkaufsverträge auszuhandeln, während die Maschine per Autopilot ihre grossen Runden dreht.


Drei Generationen Gredigs: Sohn Peter, Vater Albert und Enkel Sam.
Drei Generationen Gredigs: Sohn Peter, Vater Albert und Enkel Sam.

Weiter weg von der Schweizer Berglandwirtschaft könnte Albert Gredig kaum sein. Und doch liegt ihm diese immer noch am Herzen. Er liest jede Ausgabe des Schweizer Bauern, und auf die neue «Berghilf-Ziitig» freut er sich jeweils Wochen im Voraus. Albert spendet regelmässig an die Schweizer Berghilfe. «Das ermöglicht mir, auch im fernen Kanada mit den Schweizer Bergen verbunden zu sein.» Seit zehn Jahren kommt er auch wieder regelmässig für einen Monat pro Jahr zurück ins Engadin. Nicht ganz unschuldig daran ist seine zweite Frau Edith. Die beiden kamen auf einer Klassenzusammenkunft zusammen, zu der Albert vor 15 Jahren auf seine Farm nach Kanada eingeladen hatte. «Die Farm gefiel mir, Albert gefiel mir – also bin ich später wiedergekommen», sagt Edith mit einem Schmunzeln. Bereut hat sie es nie. «Es gefällt mir in Kanada. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich ein wunderschönes riesiges Maisfeld.» Dennoch geniesst sie den jährlichen Engadin-Aufenthalt in vollen Zügen. «Manchmal brauche ich halt auch wieder die Sicht auf meine Berge.»
Über das Leben hinaus Gutes tun
Viele Menschen möchten auch über ihr Leben hinaus Gutes tun und eine gemeinnützige Institution unterstützen. Mit einer Zuwendung an die Schweizer Berghilfe kann man die Lebensqualität der Schweizer Bergbevölkerung wesentlich verbessern. Wie man den Menschen im Berggebiet eine Zukunft geben kann, zeigt der kostenlose Ratgeber fürs Testament. Diesen kann man hier bestellen: www.berghilfe.ch/de/kontakt/unterlagenbestellen.

Bei weiteren Fragen zum Thema steht Martin Schellenbaum gerne zur Verfügung:
Telefon 044 712 60 56, martin.schellenbaum@berghilfe.ch

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