• Dienstag, 27.06.2017
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PERSPEKTIVEN

Krisen besser meistern…

Durch Resonanz auf innere Bilder die Resilienzkräfte fördern
Von Dieter Loboda
Krisen besser meistern…
 

Lebenssituationen und Berufsbilder

Ich bin froh, dass ich heil durch die Prüfung gekommen bin. Jetzt soll ich noch irgendwas managen? Das ist doch etwas für die Industrie und für die Wirtschaft. Da haben wir es bereits unverhofft: die innere Ansicht vom eigenen und fremden Berufsbild. Wie finden wir zu unseren Berufen? Empfehlungen von Autoritäten wie Eltern, Lehrer, Chefs, Berater oder Begabung, Vorhandensein einer Stelle, familiäre Tradition. Ob das später ausreicht, erfolgreich und sogar glücklich zu werden, liegt nicht immer allein am einzelnen. Unternehmen können Konkurs gehen, Berufsbilder verändern sich stark oder verschwinden ganz vom Markt. Die Globalisierung erfordert internationale Vernetzung und völlig veränderte Berufsbilder.

Selbstbild

Nachfolgende Situationen haben vermutlich eines gemeinsam, nämlich den unsicheren Umgang mit Emotionen, und zwar in Krisen, bei Berufswechsel, Krankheit, Leistungsdruck, bei Umzügen, bei Wiederholung einer Prüfung, wenn eine Finanzierung nicht gelingt, bei Zweifeln zu Beginn einer Selbständigkeit oder bei mangelnder Frequentierung durch Kunden oder Patienten. Möglicherweise wirken sich solche Situationen aus auf das Selbstwertgefühl, besonders wenn das Selbstbild eine Bestätigung für das Versagen liefern könnte.

Betriebswirtschaftliche Analysen, Organisationsstrukturen und Personalverantwortung können die Notwendigkeit von Management begründen. Wenn jedoch etwas scheitert, dann meist nicht durch formale Ereignisse, für die Beratung in unterschiedlichsten Formen bereit steht. Kurz gesagt, für rationale Angelegenheiten und den Verstand scheint alles geregelt zu sein. Was aber geschieht mit den individuellen und nicht vorhersagbaren alltäglichen Anforderungen und Auswirkungen, die sich nicht messen und einordnen lassen und dynamisch verlaufen?

Die Forschungslandschaft zeigt, dass die Industrie beginnt, die Resilienz in Organisationen zu untersuchen. Es wird beobachtet, wie ganze Länder sich nach Verödung auf natürliche Weise selbst wieder erholen. Diese Kräfte möchte man gern nutzen. Resilienz meint also eine biographisch erlernte Widerstandskraft gegen Krisen. Eben jenes Verhalten von Menschen, die trotz herber Rückschläge ihre Belastbarkeit nicht verlieren, ja sogar Mut aus Niederlagen schöpfen können. Etwas, das durch Managementtechniken kaum gelernt werden kann. Auch in gut organisierten Unternehmen finden sich – krankheitsbedingt – steigende Fehltage und Menschen, die versagen oder sich mit Medikamenten versehen, um ihrem Alltag zu bewältigen. Im Gegensatz zu ihnen haben Resiliente keinen Stress.

Stimmen aus der Wissenschaft. Resilienz mit bildunterstütztem Coaching lernen

Alfred Adler hat die Ermutigung als wesentlichen Bestandteil von Vertrauen und Beziehungsqualität zwischen Menschen nachgewiesen. Albert Einstein hinterlässt uns diese Erkenntnis: Ein Freund ist jemand, der dir deine eigene Lebensmelodie vorspielt, wenn du sie selbst vergessen hast. Und Carl Gustav Jung stellte fest: Wer nach aussen schaut - träumt, wer nach innen blickt - erwacht.

In diesem Sinne müssen wir auf die in uns abgespeicherten positiven Bilder achten, um von ihnen berührt zu werden, damit sie von uns benutzt werden können. Ohne Hinwendung zu den zu lernenden Reizen geschehe nichts, so der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer. Es gilt also, mit bewährten Techniken in Krisensituationen die im Unbewussten gespeicherten Bilder abzurufen, um bewusst und autonom, also „resilient“ (optimistisch, akzeptierend, vernetzt), handeln zu können. Das kann man lernen, genau wie Managementtechniken.

Im Praxisbuch „Bildunterstützes Coaching“ (Fotos, Träume, Arbeitsplätze) im Verlag für wissenschaftliche Veröffentlichungen, Berlin, ist u. a. die effektive Kreativmethode des Malens beschrieben und mit konkreten Beispielen und Anleitungen aus Gesundheitswesen, Verwaltung, Unternehmen und Akademien, auch aus der Arbeitsagentur, für den Alltag gesammelt. Durch Resonanz (Spiegelneuronen) auf die gemalten Situationen wird projektionsfreie Zusammenarbeit möglich, und Widerstände werden überraschend leicht aufgelöst. Wichtig, es gibt keine Einwände gegen Malen, es sei denn, jemand kann es oder will es nicht. Egal in welcher Methode, stets kommt es auf die Fragen an und nicht auf Behauptungen und Vermutungen. Dabei ist wichtig den Gesamtzusammenhang zu erfassen, wie es die Neuro- Psycho-Immunologie (neues Forschungsgebiet) in folgenden Bereichen nutzt.
  • Psychologie und Vitalität
  • Kognitive Einstellung
  • Emotion und Gefühl
  • System und Hormone
  • Sexualität und Sinnlichkeit
Das sind die Hauptbereiche, in denen Resilienzen schlummern und durch richtige Fragen berührt werden können. Die inneren Bilder weisen den Weg zum Alltagsmanagement in der Praxis. Folgende Fragestellungen könnten für Behandelnde und Patienten hilfreich sein:
  • Kenne ich genügend Beispiele für eigene Selbstwirksamkeit?
  • An welcher Stelle gibt es Mangel?
  • Stecke ich in Grübelattacken?
  • Bin ich emotional labil?
  • Welche Gefühlswelt ist zu wenig repräsentiert?
  • Bin ich bei Umgebungsreizen häufig gestört?
  • Wie gehe ich mit sinnlich, sexuell bedingten Mängeln um?
  • Welche Märchenfigur (Identifikation) bestimmt mein Handeln mit?
  • Kann ich im normalen Alltag Dankbarkeit empfinden?
  • Habe ich häufiger Infektionen, Schlafstörung oder Durchfälle?
  • Gibt es soziale und verbindliche, dauerhafte Beziehungen?
  • Passt mein Arbeitsplatz zu meinen Fähigkeiten?
  • Nutze ich Meditation oder andere spirituelle Verfahren?
Werden zu diesen Fragen Bilder gefunden, dann kann ihre Bearbeitung beginnen, um neue Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln oder um die psychischen Kräfte zu stärken. Dies spürt dann auch der Körper.



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