• Dienstag, 26.09.2017
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FINANZPLATZ

Wer zündelt im Dachstock?

Von Willy Burgermeister  
  Es braut sich einiges zusammen...
   
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Die waghalsigen Zauberlehrlinge der Notenbanken beschwören die Krisenherde und quälen sich unverdrossen damit ab, diese mit einer Geldschwemme zuzuschütten.

Vieles, von dem wir glaubten, in Stein gemeisselt zu sein, zerbröselt und zerfällt. In den Führungsgremien der Konzerne lenken umtriebige Kapitäne die geschäftlichen Geschicke und wachen eisern über den Erfolg ihrer Organisation. Das Fatale: Im Kielwasser sich zuspitzender Komplexität und Globalisierung wird ihr Blick immer unschärfer und getrübter.

Aufgepeitscht von überschäumenden Liquiditätswellen jubeln und prosten die Aktienmärkte den freigiebigen Zentralbankern zu. Und ich? Wie ein begossener Pudel stehe ich mit meiner mickrigen Aktienquote da. Trotzdem spüre ich keine Schamesröte, denn in meinem Alter und vor dem Hintergrund des verzwickten wirtschaftlichen und politischen Umfeldes fühle ich mich mit meinen 20 % in Aktien, meiner Gold- und Rohstoffposition (10 %) nach wie vor rundum zufrieden.

Verschulden statt Sparen

Vor uns steht ein absurdes Ergebnis: Ausgerechnet in der verderblichsten Schuldenkrise der Nachkriegszeit lohnt es sich, wie ein Schuldner und nicht wie ein Sparer zu handeln. Der Preis des Geldes wird nicht mehr durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern durch Politik und Notenbank. Wir finden kaum noch mündelsichere Zinstitel, dafür aber massenhaft billige Kredite, denn eine langfristig angelegte Geldpolitik scheint nicht mehr in die Zielvorstellung führender Zentralbanken zu passen. Sie drucken unaufhörlich Geld, um Gefahren zu übertünchen. Eine hochbrisante Angelegenheit. Wen lockt es denn heute noch in Staatsanleihen, wenn er für das Alter Kapital ansparen will?


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Der grosse Euro Schwindel - wie der ganze Irrsinn begann

 


Die kellertiefen Zinsen zementieren aber auch strukturelle Verzerrungen und gefährden unseren Wohlstand. In Europa sind wir Zeugen einer tiefgreifenden Verstrickung kaum mehr zu überbrückender Ungleichheiten der Wettbewerbsfähigkeit. Und ich frage mich ernstlich, versuchen hier krisengeschüttelte Staaten zusammen mit tonangebenden Notenbanken, ihre zerrütteten Finanzen auf Kosten der Sparer zu sanieren? Nicht nur das amerikanische Immobiliendebakel, auch der europäische Schuldensumpf werden mit einem bis anhin beispiellosen Zustrom billigen Geldes bearbeitet. Je bedrohlicher sich aber die Verschuldung zusammenballt, desto heftiger wird der Druck auf die Währungshüter, die Zinsen unter dem Deckel zu halten. Ein marktgerechter Ertrag wird dem Sparer verweigert, denn als Folge der Nullzinspolitik schmelzen die Einkommen aus den Ersparnissen wie Schnee an der Sonne.

Die Erfahrung lehrt uns, dass geldpolitische Exzesse im Soge schwerer Nöte neue, nur sehr schwer einzudämmende Spekulationsblasen und Notlagen heraufbeschwören. Das müsste eigentlich Grund genug sein, sich von der gegenwärtig eingeschlagenen Strategie zu verabschieden. Viele Jahre rutschender Zinsen prägten auch das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Neigt sich hier vielleicht eine wirtschaftsgeschichtliche Epoche ihrem Ende zu (Beat Kappeler)?


 
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Drohende Rezession

Unruhige Jahre drohen uns Sparer zu überrollen. Wir werden uns an den internationalen Finanzmärkten mit hektischen, wilden Schwankungen auseinandersetzen müssen. Die Weltwirtschaft schliddert auf eine schiefe Ebene, die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone lahmt, die USA sehen sich in einem giftigen Präsidentschaftswahlkampf und wachsen nur noch in homöopathischen Dosen. Grossbritannien steckt in der Rezession, und auch in den Schwellenländern kühlt sich alles ab. Noch zeigen sich die Märkte erstaunlich gelassen. Kaum jemand zweifelt wirklich an der Zahlungsfähigkeit der USA. Doch das muss nicht immer so bleiben. Noch beruhigen uns die Geldspritzen in Europa. Wir wundern uns aber schon, dass die dringend notwendigen, unbequemen Entscheidungen immer nur kurzfristig auf die Zukunft verschoben werden. Überzeugende Antworten fehlen.

Lockere Geldpolitik

Überall wird mit der lockeren Geldpolitik experimentiert und gehext. Überall hofft man verzweifelt, damit die Wirtschaft, die Exporte, anzukurbeln. Ohne sichtlichen Erfolg, aber mit verheerenden Konsequenzen für den Kapitalanleger, der sich immer mehr mit siechenden Währungen abfinden muss.

Noch fehlen auf zwei ganz entscheidende Fragen zukunftsgerichtete Antworten: Wie und wann entschliessen sich die dominierenden Notenbanken dieser Welt, die übermässig geschaffene Liquidität wieder abzusaugen, ohne konjunkturelle Bremsspuren zu hinterlassen? Wie unterbinden sie eine mögliche, aus dieser Liquidität entstehende Inflation?

Der Westen bankrott?

Henrik Müller fasste die Situation kürzlich in einem Artikel im „Manager Magazin“ trefflich zusammen: „Die Euro-Krise ist derart verfahren, dass sich die Frage stellt: Ist der Westen bankrott? Genau genommen, ja. In Japan und in den USA offenbart sich die Lage ebenso dramatisch, sie wird dort lediglich besser kaschiert.“

 

 
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