• Dienstag, 26.09.2017
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AUSWANDERN NACH DER PENSIONIERUNG

Wie wichtig sind Sprachkenntnisse?

  Lebensabend in Thailand - warum nicht?
   
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Wer auswandert, sollte die Sprache des Landes lernen. Aber sind Fremdsprachen-Kenntnisse auch für Auswanderer im Pensionsalter unabdingbar? Sollten nicht Englisch- oder Französischkenntnisse genügen, vor allem, wenn man beabsichtigt, seinen Wohnsitz in einer vorwiegend deutschsprachigen Siedlung zu nehmen?

Vor gut 200 Jahren

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erzählte Johann Peter Hebel, der badische Dichter und Schriftsteller, folgende Anekdote: Ein junger württembergischer Handwerksbursche reiste einst nach Amsterdam. Er betrachtete voller Bewunderung all die Schönheiten der Stadt, insbesondere beeindruckten ihn die prächtigen Häuser und die reich ausstaffierten Schiffe. Auf seine Fragen nach dem jeweiligen Besitzer erhielt er von allen, denen er begegnete, immer die gleiche Antwort: "Kannitverstan", denn niemand verstand sein Schwäbisch. Als er einen Trauerzug sah, meinte der Bursche gar zu verstehen, der reichste Mann von Amsterdam - Herr "Kannitverstan" - werde gerade zu Grabe getragen.

Um Land und Leute in der neuen Heimat kennenzulernen und die Schönheiten des Landes zu entdecken, wird ein Auswanderer, sei er im Pensionsalter oder noch im Beruf tätig, auch den Wunsch haben, Kontakte zu knüpfen. Nicht zu vermeiden ist häufig der Gang zu Amtsstellen, vielleicht muss sogar ein Arzt gerufen werden oder einfach ein Handwerker, der in Haus oder Wohnung etwas reparieren soll. Wer plant, seinen Wohnsitz dauerhaft oder für längere Zeit in ein fremdes Land zu verlegen, sollte sich vorher gut überlegen, ob er Lust hat und in der Lage ist, auch die Sprache des Landes zu lernen. Auch wenn Menschen im Pensionsalter sich nie derart in die dortige Gesellschaft integrieren werden wie alle, die dort geboren wurden, aufgewachsen und in den Arbeitsprozess involviert sind, ist es doch empfehlenswert, sich zumindest mit der Umgangssprache des Landes vertraut zu machen.

Sprachenlernen ist keine Hexerei

Niemand sollte sich davon abschrecken lassen, eine neue Sprache zu lernen, denn das ist keine Hexerei. Es ist auch keineswegs so langweilig, wie es vielen aus der Schulzeit in Erinnerung geblieben ist. Heute lernt man mit allen Hilfsmitteln, die wir kennen: Neben einem Lehrbuch gibt es reichlich Material zum Hören und Schauen, Internet-Lernprogramme, CDs, DVDs, Fernsehprogramme.

Das Wichtigste ist, sich Zeit zum Lernen zu nehmen und sich nicht unter Druck zu setzen. Wer entspannt und mit Vorfreude auf die zukünftige Kommunikation lernt, behält den Stoff leichter, besser und schneller. Man beginnt am besten vor der Ausreise – trotz der Tatsache, dass man dann am besten lernt, wenn man das Gelernte gleich praktisch anwenden kann, also im Land selbst. Der Grundsatz moderner Sprachpädagogik lautet: Zuerst übt man die alltägliche Umgangssprache und wendet täglich an, was man gerade gelernt hat. Wer sich mit der Zeit im Land heimisch fühlt, kann bei entsprechendem Interesse beginnen, sich auch mit Kunst und Literatur auseinanderzusetzen.


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Gedächtnistraining

Ältere Personen sagen häufig, ihr Gedächtnis funktioniere nicht mehr so gut. Eine Sprache zu lernen oder wieder aufzufrischen, ist jedoch das beste Gedächtnistraining, denn man lernt damit etwas Sinnvolles, was gerade Auswanderer in ihrer neuen Heimat tatsächlich brauchen. Die moderne Lernpsychologie hat nämlich herausgefunden: Was dem Lernenden selbst sinnvoll erscheint und was er mit positiven Gefühlen verbindet (Vorfreude auf einen schönen Alterssitz), das lernt er sicher. Eventuelle Lernschwächen lassen sich im Alter besser kompensieren, denn aus Erfahrung kann man sich selbst besser einschätzen und passende Lernstrategien entwickeln. Die Technik bietet dazu viele Möglichkeiten: Wer ein visueller Lerntyp ist, also besser durch Lesen lernt, kann sogar auf dem Handy eingeben, was er gerade lernen will. Auch die akustischen Möglichkeiten, sich mit einer Fremdsprache vertraut zu machen, sind zahlreich.

Zum Lernen brauchen wir nicht nur den Intellekt

Verstehen hat einerseits mit der Fähigkeit, hinhören zu tun, und andererseits mit unserer auditiven Wahrnehmung. Wer nämlich gewisse Tonfrequenzen nicht hört, kann die entsprechenden Laute schlecht verstehen. Jede Sprache hat gewisse spezifische Laute, die ein Kind von klein auf hört. Daraus entwickelt sich für die Muttersprache eine Hörgewohnheit. Je länger wir damit gelebt haben, desto intensiver müssen wir uns üben, neue, fremde Laute zu hören, um sie verstehen und anschliessend selbst aussprechen zu können. Aus diesem Grund sollte niemand die Geduld verlieren, wenn ihm z.B. Thailändisch zuerst einmal total unverständlich erscheint. Sobald man im Land ist, die Menschen nicht nur hört, sondern auch sieht, versteht man aus der Situation heraus sehr viel mehr, als man sich vorher zugetraut hatte.

Zum Wichtigsten gehört nämlich auch das intuitive Verstehen. Wer mit offenen Sinnen durch ein Land geht, versteht vieles, ohne dass er jedes einzelne Wort in seiner genauen Bedeutung erfasst. Er begreift den Sinn des Gesprochenen, indem er sich intuitiv auf sein Gegenüber einstellt. In Alltagssituationen funktioniert das erstaunlich gut. Wer sich auf die Situation einlässt und der eigenen Intuition vertraut, wird spüren, wie viel er ohne Worte erfassen kann. Kommunikation besteht nämlich zu grossen Teilen aus nonverbaler Verständigung. Auch dies ein spannender Teil, eine neue Sprache zu "erobern".

Vom Verstehen führt ein kleiner, aber wichtiger Schritt zum eigenen Ausdruck. Wer sich in einer fremden Sprache noch nicht sicher fühlt, darf sich gleichwohl nicht scheuen, Fragen und Antworten zu wagen. Sicherheit kommt mit dem Mut, sich zu äussern, und damit die Entdeckerfreude an der neuen Sprache und Kultur.

Ein letztes Argument, die Sprache des Landes zu lernen: Wenn man sich – sei es auch fehlerhaft – in der Landessprache an die Einheimischen wenden, öffnen sich damit deren Herzen. Diese Erfahrung können alle Reisenden seit eh und je bestätigen.

Sprachschulen

Wer schon in der Schweiz beginnen will, eine Fremdsprache zu lernen, findet Kurse bei Migros-Klubschulen, Volkshochschulen. Die grösste Auswahl an Sprachunterricht in der Schweiz aus allen Kontinenten bietet die Reisehochschule in Zürich.

Die Kalendergeschichte "Kannitverstan" veröffentlichte der badische Dichter Johann Peter Hebel 1811 in seinem "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes".

Innerhalb der Europäischen Union besteht eine Kommission "Sprachen", die auf ihrer Webseite zahlreiche Informationen (z. T. nur in Englisch) bietet.
 
Videos zum Thema:
Von Maja Petzold  
       
 
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