• Montag, 20.11.2017
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PERSPEKTIVEN

„Genau so hat sich Tante Margrit das vorgestellt“

Von Max Hugelshofer  
Staatsschulden in Prozent vom BIP
© Schweizer Berghilfe
Zu ihrer Tante Margrit hatte Esther Arnold immer ein sehr enges Verhältnis. Nach deren Tod kümmert sie sich darum, dass der letzte Wille ihrer Tante umgesetzt wird. Bei einem Besuch im Urner Schächental überzeugt sie sich davon, dass mit dem Legat an die Schweizer Berghilfe der Urner Bergbevölkerung so geholfen wird, wie sich das Margrit Wyss-Arnold gewünscht hat.


Esther Arnolds ehemals weisse Turnschuhe sind durchnässt und schlammverschmiert, die Hosenbeine sind verspritzt, und ein leichter Stallgeruch lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Dennoch ist die 50-Jährige bester Dinge. Soeben ist sie aus der Seilbahn Biel-Kinzig im Urner Schächental gestiegen. In den Stunden zuvor hat sie die Bergbauernfamilie Kempf kennengelernt, mit ihr am Küchentisch über die Herausforderungen der Berglandwirtschaft diskutiert und im Stall die jungen Geissli und die Kühe bewundert. Vom Himmel aus über die Schulter geschaut hat ihr bei diesem Erlebnis die ganze Zeit ihre Tante Margrit Wyss-Arnold. Sie ist nämlich „schuld“ an diesem eindrücklichen Ausflug.


 
Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.
 


Als Margrit Wyss-Arnold vor gut einem Jahr mit 86 starb, hinterliess sie keine Nachkommen, aber ein ansehnliches Vermögen. Und ein Testament, in dem sie einen Teil davon der Schweizer Berghilfe vermachte. Einzige Bedingung für das Legat war: Das Geld muss im Kanton Uri eingesetzt werden. Zu ihrem Heimatkanton hatte die gebürtige Altdorferin immer ein sehr enges Verhältnis gehabt, obschon sie den grössten Teil ihres Lebens in Zürich gewohnt und gearbeitet hatte. „Im Herzen ist sie immer eine Urnerin geblieben“, sagt Esther Arnold über ihre Tante.

Geld wurde rasch eingesetzt

Inzwischen ist das Geld, das Margrit Wyss der Berghilfe vermacht hat, schon beinahe aufgebraucht. 15 Projekte im ganzen Kanton wurden damit bisher unterstützt – vom Kauf eines neuen Transporters über den Stallumbau bis hin zur Sanierung der Wasserversorgung auf einer Alp. Somit hat Margrit Wyss nach ihrem Tod mindestens 15 Familien eine hoffnungsvollere Zukunft ermöglicht. Esther Arnold wurde regelmässig über die Verwendung des Legats ihrer Tante informiert. „Ich finde es super, dass das Geld so schnell eingesetzt wurde und dass ich so genau erfahren habe, was damit erreicht worden ist“, sagt sie.

Auch Familie Kempf im Schächental ist auf dieser Liste vertreten. Ihr Projekt: Ein Verbindungsweg zwischen dem nur durch Seilbahnen erschlossenen Haupthaus Plangg auf 1400 Metern über Meer und dem 150 Höhenmeter tiefer gelegenen Stall Portmattli. Wenn sie nichts zu transportieren haben, machen Bauer Alois, seine Frau Käthy und die vier Kinder diese Strecke zu Fuss. Sonst nahmen sie früher den Schilter-Transporter. Dabei mussten sie aber einen grossen Umweg über die Mittelstation der Seilbahn fahren. Der Weg war steil und wurde mit der Zeit so ausgewaschen, dass er unbefahrbar wurde. "Wir konnten in den letzten Jahren weder Heu noch Gülle zwischen Portmattli und Plangg austauschen und mussten darum sehr oft mit dem Vieh umziehen“, erinnert sich Alois. Mit dem neuen Weg ist der strenge Alltag der Familie Kempf etwas einfacher.


 
Mit einem Fonds die Zukunft der Berggebiete mitgestalten
Ein Fonds bei der Schweizer Berghilfe ist eine sehr persönliche Form einer zweckbestimmten Zuwendung. Vom Grundgedanken her entspricht der Fonds einer Stiftung; die hohen Kosten und der administrative Aufwand einer Stiftung entfallen jedoch. Der Gründer des Fonds kann sowohl den Verwendungszweck als auch den Namen des Fonds bestimmen (Beispiel: Hans Muster-Fonds für Familien im Berggebiet). Zudem kann der Fonds nach den individuellen Wünschen oder Auflagen des Spenders erstellt werden. Die Errichtung eines persönlichen Fonds ist bei der Schweizer Berghilfe ab einem Betrag von 100’000 Franken möglich.

Ein Fonds kann zu Lebzeiten mit einer Schenkung oder nach dem Ableben mittels eines Legats oder einer Erbschaft erstellt werden. Im Testament werden der Name, die Zweckbestimmung und die Kapitalhöhe festgehalten. Das detaillierte Fondsreglement kann mit dem Willensvollstrecker oder zu Lebzeiten zusammen mit der Schweizer Berghilfe erstellt werden. Der Fonds wird von der Schweizer Berghilfe kostenlos verwaltet und von einer internen und einer externen Kontrollstelle jährlich geprüft.

Kontakt: Schweizer Berghilfe, Martin Schellenbaum, Soodstrasse 55, 8134 Adliswil, Telefon 044 712 60 56, martin.schellenbaum@berghilfe.ch
 


Kempfs sind sehr dankbar über die Unterstützung, die sie erhalten haben und freuen sich, die Nichte der Testatorin persönlich kennenzulernen. Schon bald entsteht eine lebhafte Diskussion über Arbeit, die Bedeutung der eigenen Wurzeln und die Unterschiede zwischen dem Leben in der Stadt und dem in den Bergen. „Es ist eine andere Welt hier oben“, sagt Esther Arnold. „Ich bin tief beeindruckt vom Durchhaltewillen der Kempfs und ihrer Bereitschaft, hart zu arbeiten.“ Der Besuch habe ihr wertvolle Erfahrungen und ein viel besseres Verständnis für das Leben der Bergbevölkerung gebracht. Und was am wichtigsten ist: „Ich bin jetzt absolut überzeugt davon, dass das Geld haargenau so eingesetzt worden ist, wie Tante Margrit sich das vorgestellt hat.“

Bildlegende:
Esther Arnold mit Bäuerin Käthy Kempf im Stall.
Die Bergbauernfamilie hält Kühe, Rinder und Geissen.


 
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