• Sonntag, 23.04.2017
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ZAHNGESUNDHEIT

Zähne altern nicht zwangsläufig mit dem Alter

Von Olivier Schicht  
Staatsschulden in Prozent vom BIP
© Nejron / fotolia.com
Die traditionelle Vorstellung, dass Alter und Zahnlosigkeit eng miteinander verbunden sind, trifft heute nicht mehr zu. Die anatomischen Veränderungen des Alterns machen jedoch auch vor der Mundhöhle nicht halt. Kommt das Gebiss "in die Jahre", so entstehen häufig zusätzlich Zahnschäden. Angepasste Prophylaxemassnahmen und eine spezifische zahnmedizinische Betreuung helfen, diese zu vermeiden.


Die Alterung der Zähne

Ein Zahn besteht aus unterschiedlichen Strukturen, die sämtlich im Laufe des Lebens Veränderungen unterworfen sind.

Der Zahnschmelz, die äussere Schicht der Zähne im Bereich der Zahnkrone, ist die härteste Substanz des menschlichen Körpers. Über die Jahre hinweg wird diese Schmelzschicht jedoch immer dünner. Sprünge und Risse treten vermehrt auf, ihre Farbe wird gelblicher, und die Transparenz nimmt zu. Zudem wird durch Abnutzung häufig das darunter liegende Zahnbein, das sogenannte Dentin, freigelegt, anatomisch werden die Zähne dadurch kürzer.

Der grösste Teil des Zahnes besteht aus Dentin. Das Dentin wird zeitlebens gebildet und umgibt die Pulpa, das Zahnmark. Es hat eine deutlich geringere Härte als der Schmelz. Seine gelbliche Farbe wird durch Sklerosierung und Pigmenteinlagerungen im Verlauf des Gebrauchs der Zähne meist dunkler.

Die Pulpa befindet sich im Inneren des Zahnes in der Pulpakammer. Sie ist für die Sensibilität des Zahnes verantwortlich. Während die Pulpakammer beim jungen Menschen sehr gross ist, verkleinert sich ihr Raum mit zunehmendem Alter. Darüber hinaus können Kalzifizierungen in der Pulpa auftreten. Die Sensibilität des Zahnes nimmt im Alter ab.


 

Der Aufbau eines Zahnes


Jeder Zahn besteht aus der Zahnkrone (Corona dentis), dem Zahnhals (Cervix dentis, seltener: Collum dentis) und der Zahnwurzel (Radix dentis) und ist aus mehreren Schichten aufgebaut. Bei einem gesunden Zahn sieht man nur den Zahnschmelz, der wie eine Glasur das innen liegende Zahnbein (Dentin) bedeckt. Das Dentin wiederum umschliesst das Zahnmark (Pulpa). Die Wurzel wird bis zum Zahnhals von Zahnzement (Cementum) umschlossen.

Quelle: Wikipedia
 

 

Besondere Zahnschäden im Alter

Die häufigste Erkrankung der Zähne im fortgeschrittenen Alter ist die Wurzelkaries. Bei vielen Patienten zeigt sich mit steigendem Lebensalter ein Rückgang des Zahnfleisches an einzelnen oder mehreren Zähnen, die Zähne werden "länger". Die dadurch freigelegte Wurzelfläche ist dann weder durch das Zahnfleisch noch durch den Schmelz geschützt. Bei suboptimaler Mundhygiene kommt es in der Folge in diesem Bereich zu einer verstärkten Anhaftung von bakteriellen Belägen, die, wenn sie nicht regelmässig entfernt werden, auf dem "weichen" Wurzeldentin schnell eine Karies entstehen lassen. Eine Wurzelkaries kann in kurzer Zeit zum Verlust des Zahnes führen.

Attritionen, Zahnhartsubstanzverluste, die auf übermässige Zahn-zu-Zahn-Kontakte zurückzuführen sind, wie sie beim Knirschen auftreten, sind häufig zu beobachtende Abnutzungserscheinungen. Erkannt werden können diese nicht kariesbedingten Schäden an der deutlichen Veränderung der Zahnanatomie: Frontzähne weisen zumeist wie mit dem Lineal gezogene oder sehr scharfkantige "ausgefranste" Schneidekanten auf, die Zahnkronen können deutlich verkürzt sein, und Seitenzähne präsentieren eine, durch den Abtrag der Höcker, flache Kaufläche, die in der Mehrzahl, durch Freilegung des Dentins, gelbe Inseln aufweist. Durch Attritionen können die anatomischen Kronen im Extremfall fast vollständig zerstört werden.

 

Wie können Zahnschäden verhindert werden?

Für die Aufrechterhaltung der Zahngesundheit ist die tägliche häusliche Mundhygiene von elementarer Wichtigkeit. Ziel muss es sein, die bakteriellen Beläge möglichst gründlich zu entfernen. Dabei ist es erforderlich, dass auf die individuelle Situation angepasste Mundhygienehilfsmittel zum Einsatz kommen. Berücksichtigt werden muss bei ihrer Auswahl also sowohl die Effektivität in der gegebenen dentalen Situation als auch ihre sichere Handhabbarkeit. Zahnzwischenraumbürstchen und elektrische Schallzahnbürsten haben sich für einen breiten Personenkreis als verlässliche Instrumente bei der Umsetzung einer wirksamen Mundhygiene erwiesen. Fehlen sollte auf keinen Fall die tägliche Benetzung der Zähne mit lokal angewandten Fluoriden. Auch der Zungenrücken, auf dem sich immerhin zwei Drittel der in der Mundhöhle befindlichen Bakterien befinden, ist mit einem speziellen Zungenreiniger regelmässig zu reinigen.

Vergessen werden darf zudem nicht, dass die Nahrung im Alter aus verschiedenen Gründen sehr häufig weicher wird und sich die Geschmackspapillen mit den Jahren verändern. Die Folge ist eine eher süsslastige Ernährung, die zu einem höheren Kariesrisiko beiträgt. Eine bewusste Ernährung hilft somit Behandlungen zu vermeiden.

In auf die persönliche Situation abgestimmten Intervallen sollten Sitzungen bei der Prophylaxeassistentin oder Dentalhygienikerin wahrgenommen werden, um Schwachpunkte bei der häuslichen Zahnreinigung aufzudecken, Informationen zur Optimierung der Mundhygiene zu erhalten und natürlich um das Gebiss professionell reinigen und mit speziellen Lacken fluoridieren zu lassen.

Zu guter Letzt helfen selbstverständlich regelmässige individuell festzusetzende Kontrollen beim Zahnarzt, um frühzeitig Schäden entdecken und entsprechende Gegenmassnahmen einleiten zu können. So umsorgt, können die Zähne lange "jung" bleiben.

 
       
 
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