• Montag, 23.01.2017
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WOHNFORMEN

Das Badezimmer der Zukunft

Von Guido Oberer  
Das ideale Badezimmer – für ältere Menschen
© TERTIANUM-Stiftung
Die TERTIANUM-Stiftung organisierte – nach dem Küchenwettbewerb im Jahr 2010 – im Herbst 2011 einen Gestaltungswettbewerb unter professionellen Designern und FH-Studenten zum Thema „Das ideale Badezimmer – für ältere Menschen“.


Auf der Grundlage einer detaillierten Wettbewerbs-Ausschreibung ging es darum, dass sich die fünf eingeladenen Teams intensiv in das Verhalten, in die Bedürfnisse und in den Lebensstil älterer Menschen soweit hineinfühlten, dass daraus ein möglichst altersgerechtes und dennoch zukunftsorientiertes Badezimmer entstand. Alle fünf teilnehmenden Planer- und Studententeams haben die grosse Herausforderung konstruktiv angepackt und in Form von vielfältigen und innovativen Lösungsansätzen hervorragend gemeistert. Die Wettbewerbserwartungen wurden übertroffen.

Umgang mit verschiedenen Alters-Typologien

Bei der Lösung der Aufgabe war u. a. zu berücksichtigen, dass – wie in den Wettbewerbsgrundlagen von Prof. Dr. Helmut Bachmaier beschrieben, basierend auf einer Studie des Ernest-Dichter-Instituts – es unter den älteren Menschen verschiedene Typen gibt. So spricht man vom EXPLORER, wenn von innovativen und weltoffenen Seniorinnen und Senioren die Rede ist. Oder vom SELFPROMOTER, dem eher elitären und bildungshungrigen Menschen, oder vom BONVIVEUR, dem echten Geniesser, der es sich stets gut gehen lässt. Dazu kommen als vierte Gruppe die sog. HOMEWORKER, die im Alter eher zurückgezogen ihren Hobbies leben oder der Gartenarbeit fröhnen. Diesen unterschiedlichen Menschentypen sollte das künftige Badezimmer in seiner funktionalen, seiner technischen, seiner ergonomischen und gestalterischen Ausprägung gerecht werden – eine wahrlich herausfordernde Aufgabe.

Gesamtbeurteilung der Resultate

Der Wettbewerb hat gezeigt, dass trotz der kleinen Grundfläche des Baderaumes von 4-5 m², trotz vieler funktionaler und technischer Vorgaben sowie eines geringen Individualisierungspotentials noch diverse innovative Lösungsansätze möglich sind wie beispielsweise:
  • eine multifunktionale umlaufende Reling
  • semitransparente Wandlösung zwischen Bad und Schlafraum
  • eine multifunktionale Sitzbank am richtigen Ort
  • raumlange Haltestangen zur Sturzprävention.

Praktisch alle Projekte überzeugten mit gut durchdachten Beleuchtungskonzepten, die über dem gängigen Standard liegen und im Badbereich von grosser Bedeutung sind. Die Entwürfe der Fachhochschul-Teams und der professionellen Designerbüros liegen qualitativ und hinsichtlich ihrer visuellen Präsentation auf vergleichbarem Niveau.

 
 
  1. Brausenhalterung verstellbar mit Haltegriff
  2. zusätzliche Brausenhalterung mit horizontaler Anpassung
  3. Korb mit Haltegriff und Fussstütze
  4. Notruf Seilzugschalter / Bodenschalter
  5. klappbare Sitzbank
  6. Sitzbank mit Stauraum
  7. grosser Spiegel UK 45cm OK 200cm
  8. Regal / Stauraum mit Schublade, Steckdose
  1. Lichtleiste beidseitig
  2. Spiegel UK 80cm OK 200cm
  3. unterfahrbarer Waschtisch mit abgerunderter Abschlusskante und integriertem WC Papierhalter
  4. bewegliche Duschtrennwand Acryl mit textiler Struktur, mit umlaufendem Haltegriff und Arretierung. Alternative: Duschvorhang
  5. Glas, Tageslichtdurchlass
  6. Kleiderschrank mit Schiebetüren und Kleiderlift, beidseitig bedienbar


   

 

Erkenntnisse aus dem Wettbewerb

Die bestehende Flächenvorgabe von 4.5 m² ist für künftige Badezimmerlösungen an der unteren Grenze. Zukünftig sollten mind. 5.0 m² Grundrissfläche vorgesehen werden – gerade auch, weil ältere Menschen mehr Zeit im Badezimmer verbringen.

Ältere Menschen schätzen grundsätzlich bauliche Elemente, die zur Sicherheit beitragen. Sie möchten aber gleichzeitig nicht als hilfsbedürftig wahrgenommen werden. Daher stossen gerade solche Elemente auf besondere Akzeptanz, die noch zusätzlichen Nutzen bieten – wie etwa Haltestangen, welche auch als Badetuchhalter dienen oder gar architektonische Gliederungselemente darstellen.

Der Platzbedarf für eine hindernisfreie Dusche wird oft unterschätzt. Damit das Wasser trotz fehlender oder minimaler Schwelle im Duschbereich bleibt, muss die Dusche grosszügig ausgeführt und der Duschvorhang 20-30 cm innerhalb des Gefällsbruches montiert sein. Ein deutlicher, klar markierter Gefällsbruch von max. 25 mm oder eine Rinne verhindern, dass das Wasser nach aussen laufen kann.

Wenn aufgrund der räumlichen Voraussetzungen keine direkte Tagesbelichtung des Badezimmers möglich ist, so sind semitransparente Wände oder Elemente umso wichtiger. Sie sorgen für bessere Belichtungsverhältnisse und stellen zudem einen räumlich-visuellen Bezug zur übrigen Wohnung her. Die gewünschte Intimität wird dabei voll gewahrt.

Ausblick: Wohnformen für Babyboomer

Nach den Gestaltungswettbewerben für Küche und Bad für ältere Menschen befasst sich die TERTIANUM-Stiftung mit der Absicht, in einem nächsten Schritt in ca. zwei Jahren die Gesamtanforderungen für „Wohnformen für Babyboomer“ (von Privatwohnen bis residenzielles Wohnen) zu analysieren, zu formulieren und evtl. in einem weiteren Ideenwettbewerb unter Architekten und anderen Fachpersonen zur planerischen Umsetzung zu bringen.

Wir sind davon überzeugt, dass der demographische Wandel und die damit verbundenen Veränderungen des Altersbildes und der Alterskulturen mittel- und langfristig auch markante Ausprägungen in der baulichen Umsetzung von Alterswohnungen finden werden.

Weitere Informationen direkt durch den Autor: guido.oberer@bluewin.ch
 
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