• Montag, 20.11.2017
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PERSÖNLICHKEIT DES MONATS

Differenzierung der Angebote

Dr. Luca StägerDr. Luca Stäger, CEO der TERTIANUM Gruppe, im Gespräch mit unserem Chefredaktor.


Herr Stäger, seit 2010 sind Sie CEO der TERTIANUM Gruppe. Welche Stationen Ihrer beruflichen Laufbahn sind bis dahin besonders hervorzuheben?

Nach meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und meiner Promotion über Organisationsformen von Schulen, insbesondere über ihre Führungsmodelle und ihre Autonomiemöglichkeiten, an der Hochschule St. Gallen habe ich mich besonders dem Gesundheitsmanagement zugewandt. Erwähnenswert ist vielleicht, dass ich bereits während meines Studiums am Institut für Finanzwirtschaft und Finanzrecht an verschiedenen Forschungsthemen im Gesundheitsbereich gearbeitet habe.

Meine eigentliche Berufslaufbahn begann bei PricewaterhouseCoopers als Berater mit den Schwerpunkten NGOs, öffentliche Verwaltung und Pharmabranche. Dann folgten u.a. Aufgaben bei der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich im Qualitätsmanagement und Controlling. 2000 wurde ich CEO der Spital Lachen AG – eine Zeit, die mich sehr geprägt hat –, 2007 dann Direktor der Privatklinik Bethanien AG in Zürich.

2009 wurde ich Direktionspräsident der Schweizer Paraplegiker Gruppe in Nottwil, wo ich gegenwärtig auch Präsident des Verwaltungsrates des Schweizer Paraplegiker Zentrums bin. Dort war es ein anderer wichtiger Teil des Gesundheitswesens, nämlich der professionelle Umgang mit Einschränkungen und Förderung der Potentiale, was z. T. auch für die Altersarbeit gilt. Also die Verpflichtung auf das Ressourcenmodell.

Gibt es prägende Erlebnisse, die einen erheblichen Einfluss auf Ihre Vita hatten?

Ja, zwei kann ich nennen. Da war einmal der frühe Tod meines besten Freundes, der mir die Fragilität und Endlichkeit unserer Existenz wirklich tief ins Bewusstsein eingeprägt hat. Und dann sind es die Geburten meiner drei Töchter, freudigste Ereignisse im Lebenskreis. Es ist also das „Stirb und Werde!“ i. S. Goethes, das zu meinen Grunderfahrungen zählt.

Und Ihre ausserberuflichen Interessen?

Über meine Töchter habe ich schon gesprochen, also die Familie hat einen hohen Stellenwert, wenn auch die Zeit dafür sehr knapp bemessen ist. Sonst treibe ich gerne Sport, sei es Laufen, sei es das Unterwegssein auf Ski oder mit Velo. Indirekt darf ich dazu auch die verschiedenen Verwaltungsrats-Mandate zählen. Sicher interessiert es Sie, was ich lese? Italienische Literatur, aktuell den neuen Roman von Umberto Eco, Il cimitero di Praga.

Können Sie für die Leser von SenLine kurz die TERTIANUM-Strategie umreissen?

Oberster Grundsatz ist die Differenzierung der Gruppe, also die Ausformulierung unterschiedlicher Brands und damit die Umsetzung verschiedener Dienstleistungen.

  • Die Residenzen und ihre Entwicklung sind und bleiben das Kerngeschäft von TERTIANUM.
  • Daneben wird es einen zweiten Brand geben, der das Betreute Wohnen, geschützte Wohnräume – italienisch appartamento protetto –, betrifft.
  • Und einen dritten Brand: Perlavita, Gesundheit im Alter, was seit Anfang des Jahres an verschiedenen Standorten umgesetzt wird.

Unsere Dienstleistungen umfassen hier:

  • Langzeitpflege
  • Kurz- und Entlastungspflege
  • Palliative Care
  • Psychogeriatrische Pflege
  • Geriatrische Rehabilitation
  • Betreutes Wohnen.
     

Aktuell betreibt TERTIANUM ein Geriatrisches Zentrum in Berlingen (TG). Zusammen mit der Spital Thurgau AG wurde dieses Zentrum bis Ende 2011 erheblich erweitert und zum grössten vergleichbaren Angebot im Kanton Thurgau ausgebaut. Neben dem „Neutal“ in Berlingen bilden die Standorte „Friedau“ in Frauenfeld, „Rosenau“ in Kirchberg (SG) sowie „Restelberg“ und „Villa Böcklin“ (beide Zürich) die neue Perlavita AG. Die Einrichtungen von „Perlavita“ kooperieren mit lokalen Spitälern und Kliniken.

Bei unserer Strategie sind organisches Wachstum und Nachhaltigkeit neben unserer Wertekultur die wichtigsten Orientierungsgrössen.

Das Altersbild ist seit einiger Zeit einem Wandel unterworfen. Wie sieht Ihr Bild vom Alter aus?

In meiner Jugend erschienen mir Menschen um die 40 bereits als alt. Wenn man selbst bei diesem Lebensalter angekommen ist, ändert sich die Perspektive und die Einschätzung. Heute weiss ich, welchen grossen und wertvollen Erfahrungsschatz ältere Menschen besitzen. Selbst wurde ich geprägt von einer älteren Person, meiner Grossmutter, die mir Werte vermittelt hat und mich auf das Geschenk des Lebens aufmerksam machte. Dies erkennt man oft erst im Rückblick. Aus den Gesprächen mit unseren Gästen nehme ich stets reiches Erfahrungswissen mit und höre dabei Interessantes über andere Lebensperspektiven.

Es besteht seit vielen Jahren eine Partnerschaft zwischen der TERTIANUM AG und der autonomen TERTIANUM-Stiftung. Wie sehen Sie die Kooperation in der Zukunft?

Wir haben nicht nur den gleichen Namen, auch die gleiche Zielgruppe und die gleichen Grundlagen einer je speziell ausgearbeiteten Wertekultur. Wir handeln für ältere Menschen, wir in der AG praktisch, die Stiftung mehr theoretisch, also eine gute Ergänzung, eine höchst plausible Komplementarität.
Wir werden sicher auch in Zukunft gemeinsam Aufgaben angehen und zusammen Projekte durchführen. Die Stiftung ist für uns ein wichtiger Partner – was dieses Interview für SenLine auch belegen soll.

       
 
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