• Montag, 20.11.2017
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PERSÖNLICHKEIT DES MONATS

Wettbewerb um die besten Köpfe

Dr. Müller-GanzDr. Jörg Müller-Ganz, Präsident des Bankrates der Zürcher Kantonalbank, im Gespräch mit unserem Chefredaktor.


Herr Dr. Müller-Ganz, lassen Sie uns eingangs einen Blick auf Ihren beruflichen Werdegang werfen. Welche Stationen sind besonders hervorzuheben?

Beginnen wir mit Studium und Promotion. Neben meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, das ich mit dem Lizentiat abgeschlossen habe, war ich als Werkstudent und als Journalist tätig, um das Studium mitzufinanzieren. Meine berufsbegleitende Dissertation befasste sich mit Kennzahlen zur Bonitätsbeurteilung von Firmenkunden. Dies war eine Grundlage für das Rating bei der Credit Suisse. In jener Zeit absolvierte ich auch die militärische Ausbildung zum Panzerhauptmann.

Von 1992 bis 2010 war ich Berater, Geschäftsführer und Partner der Helbling Gruppe (Helbling Corporate Finance) in der Schweiz und in Deutschland. Zu meinen Tätigkeiten zählten Dutzende von Restrukturierungen von Firmen und M&A-Transaktionen. Beim Turnaround-Management ging es darum, existenzgefährdende Unternehmenskrisen zu bewältigen: Ist ein Unternehmen überlebensfähig oder nicht, wenn ja, welches zukunftsgerichtete Restrukturierungskonzept muss entwickelt und umgesetzt werden, d.h. eine abgestürzte Firma wieder nachhaltig lebens- und entwicklungsfähig zu machen.
An verschiedenen Hochschulen war ich Dozent für Corporate Finance-Themen. 2007 wurde ich in den Bankrat der ZKB gewählt, 2010 folgte der Aufstieg ins vollamtliche Präsidium. Und seit 1.7.2011 bin ich Präsident des Bankrates.

Welche waren die prägenden Erlebnisse in Ihrem Leben?

Zum Glück kann ich nur auf positive Erlebnisse zurückblicken. Was mich geprägt hat, das sind Erfahrungen, etwa diese: Um Führen und Entscheiden zu können, muss man etwas von der Sache, um die es geht, verstehen. Es ist nicht hilfreich, den Blick allzu lange in den Rückspiegel zu werfen, sondern – wie bei Restrukturierungen – sich zu konzentrieren auf die positiven Elemente und diese auszubauen. Ich bin deshalb seit langem ein Vertreter des positiven Denkens, nämlich vorausschauend die Dinge anzupacken.

Und Ihre ausserberuflichen Interessen?

Ausserberuflich, da steht die Familie ganz oben, auch als Vater von zwei schulpflichtigen Kindern. Kulturell ziehe ich die Wortkunst, Theater und Literatur, den anderen Künsten vor. Dazu zähle ich insbesondere die wiederholte Lektüre der Klassiker der deutschsprachigen Literatur. Erwähnenswert ist vielleicht, dass ich regelmässig Ausdauersport betreibe.

Welche Akzente werden Sie als Präsident des Bankrates setzen?

Ich möchte später meinem Nachfolger die ZKB als eine zukunftsorientierte, stabile und nachhaltig wirkende Bank übergeben. Angesichts von Schulden- und Finanzkrise, abflachender Weltkonjunktur und Herausforderungen an die Bank wie Eigenkapitalfrage, Margenerosion oder höhere Fixkosten bedarf es intelligenter Lösungen. Wichtig ist mir der Wettbewerb um die besten Köpfe für die Bank und dass wir alle Qualitätssegmente optimal bedienen. Das Profil unserer Unternehmenskultur sollte dazu beitragen.

Wie wird es zukünftig um das Bankgeheimnis in der Schweiz bestellt sein?

Ich sehe keine Bestrebungen der Politik, dies zu verändern. Das Bankkundengeheimnis, § 47 des Schweizerischen Bankengesetzes, schützt die Privatsphäre, darf aber nicht missbraucht werden, um sich den Pflichten gegenüber dem Staat zu entziehen.

Welchen Werten ist die ZKB gegenüber ihren Kunden besonders verpflichtet?

Es gibt verschiedene Werte, denen wir uns verpflichtet fühlen: Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Offenheit, Fairness, Leistung, Verantwortung und Hilfestellung. Besonders möchte ich Glaubwürdigkeit erwähnen, die das soziale Kapital einer jeden Bank ist. Jeder dieser Werte wird bei uns heruntergebrochen auf die konkrete Praxis und mit Leben erfüllt.

Wie beurteilen Sie die gesellschaftlichen Auswirkungen der demographischen Entwicklung?

Einmal ist es die Bedeutung der Migration, für die wir angemessene Lösungen brauchen werden. Und dann, dass es einen gerechten Ausgleich zwischen den Generationen geben wird, um Verteilungskämpfe zu vermeiden. Der Generationenvertrag muss vielleicht neu und anders ins allgemeine Bewusstsein gebracht werden.

Wie sieht Ihr Bild vom Alter aus?

Es ist ein ziemlich heterogenes Bild, da sich ältere Menschen nicht nur äusserlich erheblich voneinander unterscheiden. Alter ist heute eben bunt und nicht mehr grau, wie ich es noch bei meinen Grosseltern erlebt habe. Wichtig scheint mir, dass wir diese Vielfalt zulassen, unterstützen und nicht künstlich durch stereotype Altersbilder und wohlmeinende, aber einschränkende Ratschläge verhindern.

Wie stellen Sie sich Ihr eigenes Alter vor?

Zweierlei erhoffe ich mir: Erstens, dass ich gesund alt werde und zweitens, dass ich noch die Möglichkeit habe, die Vielfalt des Lebens zu erfahren und auch zu geniessen.

Seit vielen Jahren gibt es die Partnerschaft der ZKB mit der TERTIANUM-Stiftung. Was spricht aus Ihrer Sicht für diese Zusammenarbeit?

Da ist die gemeinsame Veranstaltung der Preisverleihung an Personen, die sich um die Menschenwürde verdient gemacht haben und die bei unseren Kunden jeweils eine sehr positive Resonanz auslöst. Dann sehe ich eine Zusammenarbeit für unsere älteren Kunden, indem wir die unterschiedlichen Kompetenzen zusammenführen und bündeln. Es geht etwa darum, die Bedürfnisse dieser Zielgruppe noch genauer zu kennen.

Das wären dann auch die wichtigsten Projekte für die Zukunft?

Ja, die verschiedenen Bedürfnisse der verschiedenen Anspruchsgruppen zu erfassen, konkret: Neben dem Jugendpaket auch ein entsprechendes und besonderes Angebot für ältere Kunden zu generieren.

Literatur:
Jörg Müller-Ganz, Turnaround. Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen. Zürich 2002 (Verlag Neue Zürcher Zeitung).

       
 
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