• Montag, 29.05.2017
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WOHNFORMEN

Von der Küche zum Badezimmer

Von Guido Oberer  

In den nächsten Jahren steigt die Anzahl älterer Menschen (sog. Babyboomer, Jahrgänge 1946–1964) stark an und wird das Gesicht unserer Gesellschaft markant prägen. Gleichzeitig nimmt der Wunsch dieser Personen zu, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben und trotz zunehmender körperlicher und/oder kognitiver Einschränkungen ein Maximum an Autonomie zu bewahren.


Indikatoren der schweizerischen Bevölkerungsstruktur, 1970-2060

Diesem durchaus legitimen Bedürfnis hat in Zukunft unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft sowie der zukünftige Wohnungsbau vermehrt Rechnung zu tragen durch altersgerechte, modular und individuell anpassbare Wohnkonzepte. Innerhalb dieser Konzepte nimmt neben der Küche das Badezimmer als intimer Bereich der persönlichen Körperpflege und Hygiene bei älteren Menschen einen immer wichtigeren Platz ein. Deshalb hat die TERTIANUM-Stiftung entschieden, nach dem erfolgreichen Küchenwettbewerb 2010, nun auch einen Gestaltungswettbewerb zum „Idealen Badezimmer – für ältere Menschen“ durchzuführen, und zwar im Herbst 2011.  

Zielsetzung und Aufgabe
Zur Erlangung von innovativen und realisierbaren Projektvorschlägen für das
„Ideale Badezimmer“ für Menschen im autonomen und im fragilen Alter organisiert die TERTIANUM-Stiftung einen Gestaltungswettbewerb unter Innenarchitekten, Designbüros und Studierenden von Fachhochschulen mit dem Ziel, die bestgeeigneten Vorschläge evtl. als Prototypen in einer geeigneten Wohnliegenschaft für SeniorInnen umzusetzen.

Bei der Aufgabe geht es um die Entwicklung und Darstellung eines zukunftsorientierten und altersgerechten Badezimmers für eine typische 2½-Zimmer-Wohnung, das allen Anforderungen an Hygiene und Intimität, an Sicherheit und Erhalt der Selbständigkeit sowie einem individuellen Lebensstil weitgehend Rechnung trägt. Die Projektvorschläge haben den folgenden Kriterien zu genügen:

  1. Funktionalität und Betrieb
  2. Technik und Sicherheit
  3. Gestaltung und Ergonomie
  4. Materialwahl und Farbgebung.

Die nachfolgend beschriebenen Kriterien basieren weitgehend auf den Planungsrichtlinien der schweizerischen Fachstelle für behindertengerechtes Bauen des Architekten Felix Bohn.

Funktionalität und Betrieb
Im Badezimmer treffen die höchsten Erwartungen an die Intimität, an die Sicherheit und an den Erhalt der Selbständigkeit mit dem meist kleinsten Raum und mit dem oft grössten Anteil fest installierter Elemente zusammen. Da dies zudem neben der Küche der einzige Raum ist, dessen Funktionen nicht in einen anderen Bereich der Wohnung verlegt werden können, müssen Planung und Ausführung im Sanitärbereich höchsten Anforderungen genügen.

Technik und Sicherheit
Im Badbereich sind Unfälle häufig und folgenreich. Sicherheit muss hier deshalb besonders gross geschrieben und bei der Planung berücksichtigt werden. Schwellenlosigkeit, Gleitsicherheit und eine gut durchdachte Beleuchtung sind hier sehr wichtig.

Gestaltung und Ergonomie
Neben den funktionalen, technischen und sicherheitsbedingten Ausrüstungen ist der Badbereich in jeder Altersphase immer auch ein Ort der Erholung und des physischen und psychischen Wohlbefindens. Der Badbereich soll gerade auch im Alter nicht nur ein isolierter und auf Hygiene beschränkter Zweckraum sein. Er soll als ein eigens gestalteter Teil der Wohnwelt betrachtet und erlebt werden, in dem die individuelle Wohn- und Lebenskultur darin zum Ausdruck kommen.

Materialwahl und Farbgebung
Da im modernen Wohnungsbau generell und im Badbereich speziell das Angebot an geeigneten Materialien und an passenden Farben fast schon unbegrenzt ist, besteht eine der wichtigen Aufgaben im vorliegenden Studienauftrag darin, aus dem breiten Angebotsspektrum eine möglichst benutzergerechte, auf Sicherheit und Hygiene ausgerichtete Auswahl zu treffen. Im Vordergrund stehen dabei Kriterien wie Pflege-
leichtigkeit, Hygiene, Strapazierfähigkeit, Wertbeständigkeit, richtige Kontrastwirkung und ästhetische Akzeptanz.

Unsere „Erwartungen“ an den Badwettbewerb
Beim vorliegenden Gestaltungswettbewerb für das „Ideale Badezimmer – für ältere
Menschen“ geht es schliesslich darum, sich in das Verhalten, in die Bedürfnisse und in den Lebensstil älterer Menschen soweit hinein zu denken, dass daraus ein möglichst altersgerechtes und dennoch zukunftsorientiertes Badezimmerkonzept entsteht. Dieses soll mit vertretbarem Aufwand, aber auch „intergenerativ“ umsetzbar und damit für alle Generationen marktfähig anpassbar sein. – Wir sind alle gespannt auf die Resultate!
 

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