• Montag, 20.11.2017
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PERSÖNLICHKEIT DES MONATS

Später gründen wir eine Alters-WG...

Von Helmut Bachmaier  
Foto: Schweizer Fernsehen / youtube.com
Sandra Studer präsentiert grosse Fernsehgalas wie “Swiss Award” oder “Sports Awards” und ist jeweils am Sonntagabend auf SF1 in der Kultursendung “STARS” zu sehen.


TV-Moderatorin Sandra Studer im Gespräch mit Chefredaktor Helmut Bachmaier.

Liebe Sandra Studer, Sie zählen zu den bekanntesten Persönlichkeiten in der Medienlandschaft. Was ist das Geheimnis einer solchen Karriere?

Da gibt es kein Geheimnis. Wenn ich heute alle diese Castingshows sehe, dann staune ich über das Selbstvertrauen all dieser jungen Leute. Ich hatte das damals nicht. Müsste ich mich heute um meinen Job bewerben, würde ich wohl einen anderen Beruf wählen. Ich bin mit sehr schwachen Ellbogen ausgestattet. Mir haben sich immer ganz von selbst Türen aufgetan. Ich war aber zum Glück auch immer neugierig darauf, sie aufzustossen.


Welche Performance gehört zu einer guten Moderation?

Natürlichkeit gehört dazu, die Lust, etwas zu vermitteln und zu erzählen. Und die Fähigkeit, sich auch unter Stress und Lampenfieber konzentrieren zu können. Das fällt mir nicht immer leicht. Und dann ist es natürlich toll, wenn man spontan und schlagfertig ist. Das wäre ich gerne etwas mehr...


Sie haben die sehr erfolgreichen SF-Opernaufführungen wie " La Traviata im Hauptbahnhof Zürich" oder " Aida am Rhein" moderiert . Geht die Hoch-Kultur jetzt auf die Marktplätze?

Ich glaube nicht, dass wir da neue Schleusen geöffnet haben. Diese Opern-Projekte waren ein Experiment. Und eines, das zu unserer grossen Freude geglückt ist. Wir kriegten viele begeisterte Reaktionen gerade von Menschen, die niemals einen Fuss in ein Opernhaus setzen würden. Von daher ist es nur gut, wenn die Kunst ab und zu – in welcher Form auch immer – vom hehren Sockel hinabsteigt und die Menschen an ungewöhnlichen Orten erreicht.


Sie sind nicht nur ein Medien-Star, sondern auch ein passionierter Familienmensch. Was bedeutet für Sie Familie?

Sie ist meine Kraftquelle. In ihr und an ihr reibe ich mich. Es gibt nichts, wofür ich mehr Energie und Liebe aufwende. Ich versuche, meinen Kindern das Gefühl zu vermitteln, dass sie in diesem Nest immer aufgehoben sind – egal was passiert.


Haben Sie ein bestimmtes Lebensmotto?

Nein, ich versuche, einfach möglichst positiv zu denken. Mein Mann beherrscht das so gut, dass es mir manchmal schon fast auf den Wecker geht... Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Aber er hat einfach recht: Man kann eine Tatsache ganz pragmatisch und von der positiven Warte aus betrachten oder sich furchtbar aufregen und das Problem anschwellen lassen. Diese Entscheidung trifft man jeden Tag hundert Mal. Wie viel positive oder negative Energie man dabei freisetzt, ist auf ein ganzes Leben entscheidend.


Angesichts der demographischen Entwicklung spricht man auch von „Altersrevolution“. Welche Erfahrungen haben Sie mit älteren Menschen gemacht?

Ich bedaure es sehr, dass sie in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt werden. Ich bin die Tochter einer Spanierin und habe noch eine Generation von Alten erlebt, denen viel mehr Respekt entgegengebracht wurde. Sie waren Teil der Familie, hatten ihren festen Platz im ganzen Gefüge, beteiligten sich an der Kinderbetreuung und hatten dafür in der Familie eine Stimme. Die ganze gesellschaftliche Struktur hat sich verändert. Vieles zum Guten, aber nicht nur. Es bedrückt mich, wenn ich alte Menschen in Heimen sehe, die zu nichts mehr einen Bezug haben, die keine Kontakte pflegen und deren Meinung und Lebenserfahrung nicht mehr gefragt ist. Da liegt doch so viel Potential brach! Deshalb finde ich Projekte gut, die z.B. Senioren in Primarschulen einbinden oder Ersatzgrosseltern an Familien vermitteln. Ältere Menschen selbst müssen sich da etwas zutrauen und sich bewusst sein, dass sie sehr viel geben können.


Wie sehen Sie das Alter? Haben Sie eine Altersutopie?

Ich sehe mich selbst als passionierte Grossmutter. Mit vier Kindern stehen meine Chancen ja nicht schlecht... Ich hoffe, dass ich lange gesund sein darf und die schönen Dinge des Lebens geniessen kann. Mit unseren besten Freunden haben wir schon entschieden, dass wir eine Alters-WG gründen werden. Ich stelle mir das toll vor...
 

 



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