• Mittwoch, 18.01.2017
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GENERATIONEN

Fünf Thesen zum Thema "Alt und Jung"

Von François Höpflinger  
Foto: ©cabania fotolia.com
Die nachfolgenden 5 Thesen fassen einige wichtige Einsichten der Generationen-forschung zusammen.

1. Aufgrund der demographischen Alterung der Bevölkerung sind Gesellschaften in zunehmendem Masse darauf angewiesen, die Ressourcen, Kompetenzen und Erfahrungen älterer Menschen gezielt zu nutzen. Das Konzept des ‚produktiven Alters‘ wird zur Leitidee des 21. Jahrhunderts, und ohne aktives Engagement älterer Frauen und Männer können viele soziale Aufgaben nicht mehr bewältigt werden.

 

2. Familiale und ausserfamiliale Generationenbeziehungen werden stark durch sozialpolitische Rahmenbedingungen bestimmt, und eine gute soziale Absicherung im Alter ist eine zentrale Säule für gute Generationenbeziehungen. Je gesünder und aktiver ältere Menschen bleiben, desto eher werden jüngere Generationen von Unterstützung und Pflege alter Menschen entlastet. Die Idee, dass es früher bessere Beziehungen zwischen Jung und Alt gab, ist ein Mythos.

3. Ein gutes Nebeneinander von Jung und Alt ist in vielen Lebensbereichen besser als ein schlechtes Nebeneinander. In vielen Lebensfragen sind gleichaltrige Menschen bedeutsamer als ungleichaltrige Menschen. Die Annahme, dass mehr Kontakte zwischen Jung und Alt immer besser sind, ist zu hinterfragen. Wichtig ist nicht die Quantität der Kontakte, sondern deren Qualität.

 

Indikatoren der schweizerischen Bevölkerungsstruktur, 1970-2060

4. Ältere Menschen sind häufiger an Kontakten mit jüngeren Menschen interessiert als umgekehrt. Bei Generationenprojekten sind deshalb immer auch die Interessen und Bedürfnisse aller beteiligten Generationen einzubeziehen. Zudem müssen bei Generationenprojekten die vorhandenen Alters- und Generationenunterschiede immer thematisiert werden. Intergenerationenprojekte, also Projekte, an denen verschiedene Generationen beteiligt sind, leben gerade aus den Lebens- und Erfahrungsunterschieden von Jung und Alt.

5. Bei Projekten älterer Menschen zugunsten jüngerer Menschen ist im Allgemeinen das Prinzip von ‚Engagement ohne Einmischung‘ zu beachten. Bei Projekten zugunsten alter Menschen sind umgekehrt Personen ungeeignet, die Angst vor dem Alter haben. Gute Kontakte zwischen Jung und Alt funktionieren nicht, wenn Menschen ihr eigenes Alter verdrängen.
 

 
 



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