• Montag, 20.11.2017
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GESUNDHEIT

Das Vergnügen an der Bewegung

Von Maja Petzold  
Den Wert der Bewegung für Jung und Alt ins Bewusstsein zu rufen und verschiedene Formen von Bewegung erfahrbar zu machen, dies waren die Ziele der öffentlichen Veranstaltung der TERTIANUM-Stiftung vom 4. Juni 2011 in Romanshorn.

 

Nichts geht ohne Bewegung - sobald eine Bewegung wehtut, fühlen wir uns schmerzhaft eingeschränkt. Die Bewegungen unseres Zwerchfells beim Lachen oder in Harmonie mit der Musik beim Tanzen sind besonders lustvoll. Bewegung sollte Jung und Alt gleichermassen beschäftigen, sagte Prof. Guido Oberer bei seiner Begrüssung. Dem stimmte Prof. Dr. Brigitte Stemmer im ersten der drei spannenden Kurzreferate zu. Forschungsergebnisse zeigen: Je höher die körperliche Fitness von Kindern ist, desto grössere Bereiche des Gehirns werden bei Gedächtnisprozessen aktiviert. Was für die Jugend gilt, hat im Alter seine Bedeutung nicht verloren. Wer früher sportlich war, spürt den Effekt auch im Alter. Im Vergleich zu Untrainierten weist nämlich das Vorderhirn sportlicher Menschen im Alter ein grösseres Volumen auf, demzufolge verfügen diese Menschen über ein besseres Gedächtnis, verarbeiten Informationen schneller, planen und entscheiden besser und haben ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken - oder erleiden sie zumindest in milderer Form.

Ausdauertraining, Krafttraining und Dehnungsübungen sind älteren Menschen als Förderung der Fitness besonders zu empfehlen – und nicht zuletzt Jonglieren, das den Hippocampus stärkt und die "Verdrahtungen" in bestimmten Hirnbereichen vermehrt und verstärkt. –"Couch-potatoes" kann man da nur belächeln.

Bewegung oder Sport
"Altern ist ein unausweichlicher, lebenslanger Veränderungsprozess, der bei der Geburt beginnt", stellte Prof. Dr. Bernd Seeberger nüchtern fest. Laut Statistiken treiben nur 22% der Schweizer aus reiner Bewegungslust Sport oder üben sich in anderen Bewegungsformen, was Seeberger zu der provokativen Frage führte, ob wir wirklich auf etwas verzichten könnten, was zu unserer körperlichen, geistigen und seelischen Frische beiträgt. Er gab zu bedenken, dass Bewegung ja nicht als "Sport" angeschaut werden müsse, denn Sport gilt zu oft als eine Art "Arbeit". Das Umgekehrte sollte unsere Einstellung beeinflussen: Bewegung sowie Neugier bringen mehr Lebensqualität und machen uns lebenslang Freude.

Die demographische Alterung der Gesellschaft begann mit der Hygiene, der Ausrottung des Kindbettfiebers und der Entdeckung der Ursache von ansteckenden Krankheiten. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts ist die Zahl der älteren Menschen so enorm angewachsen. Zugleich entwickelte sich eine zunehmende Gerontophobie – ein früher unbekanntes Phänomen.

Der Wert der Aufmerksamkeit
Der Bewegungswissenschaftler Dr. Elin de Bruin hob die grosse Bedeutung der Aufmerksamkeit für ältere Menschen hervor. "Um beweglich zu bleiben, muss man aufmerksam bleiben." Aufmerksamkeit ist überlebensnotwendig. Gehen erfordert ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Sinneswahrnehmungen, Verarbeitung im Gehirn und Muskelaktivierung. Im Alter vermindert sich die Gleichgewichtskontrolle aufgrund schwindender Sinneseindrücke, die Gelenke und die Struktur der Muskeln verändern sich, die Reflexe verlangsamen sich.

Den grössten Einfluss haben jedoch Verhaltensänderungen. Denn mangelnde Bewegung steht am Anfang der biologischen Veränderungen und verstärkt das ohnehin im Alter steigende Sturzrisiko. Der ETH-Forscher de Bruin und sein Team folgern daraus, dass nebst dem erwähnten Kraft- und Gleichgewichtstraining ebenso Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit geübt werden sollen, am besten mit Computerspielen. Hier können sich die Grosseltern von ihren Enkeln inspirieren lassen.

Geschwindigkeit und Tanz
Der Ort des Anlasses "Generationen in Bewegung", die autobau ag, steht für eine weitere Art der Bewegung: Geschwindigkeit. Man konnte Sport- und Rennwagen, die Sammlung des Gründers und Besitzers Fredy A. Lienhard, hautnah begutachten und Einblick in die Geschichte des Lista Racing Teams erhalten. Das Gebäude selbst verdient als historischer Industriebau Beachtung: Es diente der Eidgenössischen Alkoholverwaltung von 1887 – 1996 zur Herstellung und Lagerung von Sprit und Kernobstbranntwein.

Der Nachmittag betonte die Leichtigkeit der Bewegung – besonders schön zu erleben im Tanz. Was Senioren mit Tanz und Theater zustande bringen, zeigte das Tanztheater Dritter Frühling in einer mitreissenden Vorführung.

Wer sich angesichts der schnellen Autos selbst ans Steuer setzen wollte, bekam dazu Gelegenheit: Allerdings war in einem Fall eher sanftes Gasgeben und gefühlvolles Bremsen gefragt, während die andere Probefahrt höchste Geschicklichkeit erforderte: Ein Auto, dessen Hinterräder nach allen Seiten beweglich sind, lenkt sich eher wie ein Motorboot.  Wer ob des unerwarteten Unvermögens noch nicht genug ins Schmunzeln kam, der wurde von den Clownerien der tamala Clown Akademie zum Lachen gebracht. Wie bunte Schmetterlinge begleiteten die vier Artisten den Nachmittag und sorgten für viel Heiterkeit. Das Publikum wurde von Prof. Dr. Helmut Bachmaier mit einem kurzen Ausblick in die Geschichte der Bewegung und Beschleunigung verabschiedet.

 

 



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