• Freitag, 24.02.2017
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PERSPEKTIVEN

„Ich nutze meine Zeit sinnvoll“

Von Max Hugelshofer  
Schweizer Berghilfe - „Ich nutze meine Zeit sinnvoll“
 Ein Beitrag der Schweizer Berghilfe 
© Schweizer Berghilfe
Markus Schlatter wollte nach seiner Pensionierung nicht untätig herumsitzen, sondern etwas Gutes tun. Er wurde ehrenamtlicher Experte der Schweizer Berghilfe und prüft nun seit acht Jahren Unterstützungsgesuche im Berner Oberland.


Schweizer Berghilfe - „Ich nutze meine Zeit sinnvoll“
© Schweizer Berghilfe
„Nein, das war der Hebel für den Greifarm“, ruft Toni Zingrich zu Markus Schlatter hinauf. „Zum Rückwärtsfahren müssen Sie ganz langsam auf das linke Pedal drücken.“ Der Heukran macht einen Ruck, und Markus Schlatter wird kräftig durchgeschüttelt. „Das war wohl etwas zu fest. Ich lasse es lieber bleiben“, lacht er, stellt den Elektromotor ab und klettert wieder aus der knallroten Maschine, die an zwei dicken Stahlträgern am Dach des Stalls hängt.

Der Heukran ist ganz neu. Im Sommer wurde er installiert, gleichzeitig kaufte Bergbauer Zingrich aus Saxeten im Berner Oberland zwei Occasions-Silos und verlängerte das Dach des Stalls, damit die Silos im Trockenen stehen. Mit dem Kran kann er nun die Silos befüllen, Heu und Stroh vom Transporter auf den Heuboden laden und auch das Futter zu den Kühen hinunter schaffen. Das war bislang alles Handarbeit. „Der Kran bringt eine riesige Arbeitserleichterung“, sagt er. Im Sommer beim Heuen übernahm die zweitälteste Tochter Mirjam das Einlagern des Heus ganz alleine, der Rest der sechsköpfigen Familie konnte draussen auf den Wiesen weiterarbeiten. Auch im Winter leistet der Kran wertvolle Dienste. Das Futter für die Kühe zu richten dauert neu nur noch zehn Minuten und nicht mehr fast zwei Stunden. Tonis Frau Cornelia erledigt dies nun alleine, und Toni kann nach dem Melken direkt zum Skilift in Wengen fahren, wo er ein wichtiges Nebeneinkommen verdient.


 
Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.
 

Die Investition verändert das Leben

Der Kauf von Kran und Silos war dringend nötig, um den Bergbauernbetrieb fit für die Zukunft zu machen. Doch um die Investition allein zu tätigen, fehlte der Familie das Geld. Auch wenn Zingrichs alle Ersparnisse zusammenlegten, reichte es nicht ganz, vor allem weil die Dachverlängerung dem Gewicht standhalten muss, das in schneereichen Wintern darauf lastet. Also wandten sich Zingrichs mit einem Unterstützungsgesuch an die Schweizer Berghilfe. Markus Schlatter, der für das Berner Oberland zuständige Experte, besuchte Zingrichs, überprüfte ihre Finanzen, ging mit ihnen Pläne und Offerten durch und kam zum Schluss, dass Hilfe nötig und sinnvoll sei. Schon Wochen später konnten Zingrichs mit dem Bau beginnen. „Es ist schön, jetzt hier zu sein und zu sehen, wie positiv diese Investition und unsere Hilfe das Leben von Familie Zingrich verändert haben“, sagt Schlatter.

Angefangen hatte Schlatters „Karriere nach der Karriere“, kurz vor seiner Pensionierung. Der begeisterte Wanderer, Biker und Skifahrer wollte nach dem Austritt aus dem Berufsleben nicht nur zu Hause sitzen und seiner Frau auf die Nerven gehen. Er wollte etwas in den Bergen machen, irgendetwas Sinnvolles. Er dachte zuerst an einen Alpsommer, bekam dann aber Respekt vor der strengen körperlichen Arbeit auf der Alp. Da machte ihn ein Freund auf die Schweizer Berghilfe aufmerksam und auf die Möglichkeit, dort als ehrenamtlicher Experte tätig zu sein. „Das ist genau das Richtige“, dachte sich Schlatter.


  Schweizer Berghilfe - „Ich nutze meine Zeit sinnvoll“  
  © Schweizer Berghilfe  

Erlebnisse auf Bauernhöfen

Seither hat er für die Schweizer Berghilfe bereits 260 Projekte geprüft. „Jedes war anders, hinter jedem standen andere Menschen und Schicksale“, sagt er. Spannend findet er, dass die Berghilfe in den Randregionen vermehrt Projekte in Bereichen wie dem Tourismus und dem Gewerbe unterstützt. „Solche Projekte, zum Beispiel der Ausbau einer Sägerei oder das Einführen von Schlafen im Stroh, können eine grosse Wirkung haben für eine ganze Region. Sie schaffen Arbeitsplätze oder holen durch Besucher Wertschöpfung ins Berggebiet“, sagt er. Als Bauernsohn liegt dem ehemaligen Leiter einer Pensionskasse aber vor allem die Landwirtschaft am Herzen. So sind es denn auch Erlebnisse auf Bergbauernhöfen, die ihn berührt haben und ihm in Erinnerung blieben. Etwa der Bauer, der in so steilem Gelände Gras mähte, dass er sich dazu alte Schlittschuhe anzog, um nicht abzurutschen. Oder die fünfköpfige Familie, die im zugigen Bauernhaus in zwei Zimmern wohnte. Oder eben der beschränkt erfolgreiche Versuch, Zingrichs neuen Heukran zu bedienen.

Wie man das richtig macht, zeigt kurz darauf die 16-jährige Mirjam. Souverän rollt sie den Kran dem Dachgiebel nach zu den neuen Silos, fährt den Teleskoparm aus und holt eine Greifzange voll Futter heraus. „Sie ist diejenige in der Familie, die den Kran am besten beherrscht“, sagt Mutter Cornelia. Es ist wohl kein Zufall, dass sie im Sommer eine Lehre als Landmaschinenmechanikerin beginnt.



 
Über das Leben hinaus Gutes tun
Viele Menschen möchten auch über ihr Leben hinaus Gutes tun und eine gemeinnützige Institution unterstützen. Mit einer Zuwendung an die Schweizer Berghilfe kann man die Lebensqualität der Schweizer Bergbevölkerung wesentlich verbessern. Wie man den Menschen im Berggebiet eine Zukunft geben kann, zeigt der kostenlose Ratgeber fürs Testament. Diesen kann man hier bestellen: www.berghilfe.ch/de/kontakt/unterlagenbestellen.

Bei weiteren Fragen zum Thema steht Martin Schellenbaum gerne zur Verfügung:
Telefon 044 712 60 56, martin.schellenbaum@berghilfe.ch
 



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