• Montag, 29.05.2017
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PERSPEKTIVEN

«Habe ein Leben lang Pflanzen, Tiere und Menschen gepflegt.»

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Von Max Hugelshofer
«Habe ein Leben lang Pflanzen, Tiere und Menschen gepflegt.»
© Schweizer Berghilfe
Eine Sitzbank am Waldrand, mit Aussicht über steile, bewaldete Hügel, im Hintergrund einige grössere Berge. Die Bank könnte im Emmental stehen oder auch im Jura. Sie befindet sich jedoch im Schwarzwald, oberhalb von Elzach in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Auf der Bank sitzt ein alter, stark gebückter Mann, den Rollator neben sich parkiert. Es ist Reinhard Hanefeld. Körperlich wirkt er gebrechlich, ist spindeldürr und kann wegen seines mehrfach operierten Rückens nur noch kurze Strecken gehen. Aber geistig ist Reinhard Hanefeld topfit. Er beschäftigt sich mit Politik, gesellschaftlichen Themen – und allem, was mit den Schweizer Bergen und der Alpwirtschaft zu tun hat.

Der Weg in die Schweiz

Geboren ist Hanefeld vor 84 Jahren in Nordwestdeutschland. Ein Stellenangebot führte ihn in die Schweiz, erst nach Winterthur, kurz darauf nach Rafz. Warum ihn gerade die Schweiz angezogen hatte – daran erinnert er sich heute nicht mehr. Aber er weiss noch ganz genau, wie gut es ihm hier gefallen hat. Vor allem, nachdem er das erste Mal in den Bergen war. Das kam so: «Ich sang in Rafz im Kirchenchor. Eines Tages fragte mich der Pfarrer, ob ich nicht als Begleiter mit ins Konfirmandenlager fahren wolle. Die Reise ging nach Zermatt, und dort habe ich mich sofort in die Berge verliebt.» Besonders die Alpenblumen hatten es ihm angetan. Sie sollten ihn noch sein ganzes Leben lang begleiten.
Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.

Hohe soziale Kompetenz

Derselbe Pfarrer attestierte Hanefeld später eine hohe soziale Kompetenz und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, mit Menschen zu arbeiten, statt immer nur mit Pflanzen. Das hatte er, und kurz darauf begann er eine Ausbildung zum Sozialarbeiter. Ein Heimleiterpraktikum führte ihn darauf ins Oberengadin, ins Ferienheim Randolins bei St. Moritz. Dort freundete er sich mit dem Hauswart an, der hauptberuflich Bergbauer war. «Von ihm lernte ich nicht nur Handmähen und Dengeln, sondern auch viel über die traditionelle Land- und Alpwirtschaft.»

Neuanfang

Später zog Hanefeld in den Schwarzwald und übernahm die Leitung eines kirchlichen Ferienheims. Als dieses schliessen musste und er ohne Job dastand, fragte er bei der Gemeinde an, ob die etwas wüssten. «Am Montag um 8 Uhr können Sie im Spital anfangen», war die Antwort. Auf seinen Einwand hin, er sei Sozialarbeiter und nicht Pfleger, hiess es nur, dass er das schon lernen werde. Weil er seit seiner Jugend Diabetiker ist und deshalb mit Spritzen umgehen konnte, erledigte er schon bald alle Arbeiten, welche die ausgebildeten Pfleger machten. «Ich dachte, ich mach das jetzt mal ein Jahr oder so, dann suche ich mir wieder etwas im sozialen Bereich», erinnert sich Hanefeld.

Doch dann kam der Ochsenhof. Per Zufall stiess er auf den abgelegenen und halb zerfallenen Bergbauernbetrieb in der Nähe, den er sehr günstig kaufen konnte. Von da an steckte er alles Geld, das er verdiente, in die Sanierung des Hofs. Er hielt Rinder, Bergschafe, Hühner, Enten und einen Appenzeller Sennenhund. Am felsigen Hang legte er einen Garten mit vielen Alpenblumen an. Feriengäste sorgten für ein zweites finanzielles Standbein. Als er den Hof aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bewirtschaften konnte, machte Hanefeld einen Schnitt und verkaufte sein Lebenswerk. «Das war sehr hart, aber inzwischen bin ich darüber hinweg.»


Reinhard Hanefeld unterstützt seit Jahren die Schweizer Berghilfe – aus Liebe zu den Bergen.
Reinhard Hanefeld unterstützt seit Jahren die Schweizer Berghilfe
– aus Liebe zu den Bergen.


Da er nun wieder mehr Zeit hatte, widmete sich Hanefeld wieder seinen Alpen. Solange es die Gesundheit zuliess, fuhr er oft in die Schweiz, besuchte Bekannte und stieg die steilen Alphänge hinauf. Immer auf der Suche nach schönen Alpenblumen. Ein grosser Teil davon kann nur dort gedeihen, wo Tiere weiden und Menschen die Wiesen pflegen und gegen die Verwaldung ankämpfen – also auf den Alpen. Damit diese erhalten bleiben, unterstützt Hanefeld seit Jahren die Schweizer Berghilfe. Jedes Jahr spendet er direkt für ein Projekt, das einer Kuh- oder Geissenalp zugute kommt. Am liebsten im Kanton Graubünden. Dort, wo sein Herz zu Hause ist.
Über das Leben hinaus Gutes tun
Viele Menschen möchten auch über ihr Leben hinaus Gutes tun und eine gemeinnützige Institution unterstützen. Mit einer Zuwendung an die Schweizer Berghilfe kann man die Lebensqualität der Schweizer Bergbevölkerung wesentlich verbessern. Wie man den Menschen im Berggebiet eine Zukunft geben kann, zeigt der kostenlose Ratgeber fürs Testament. Diesen kann man hier bestellen: www.berghilfe.ch/de/kontakt/unterlagenbestellen.


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