• Dienstag, 26.09.2017
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FINANZPLATZ

Gold statt Geld?

Von Willy Burgermeister  
  Es braut sich einiges zusammen...
Fotoquelle: Printscreen ARD-Mediathek beiliegendes Video
Jemand, der behauptet, alle Antworten zu kennen, kennt nicht alle Fragen. Und wenn wir uns mit Gold auseinandersetzen, dann werden wir die Fragen nicht mehr los.


Billiges Geld dopt die Aktienmärkte, doch der Goldpreis bricht ein und gaukelt uns vor, die Euro-Krise sei verebbt und die USA hätten ihre Schulden im Griff. Verschiedene Unternehmer äussern Zuversicht, während die Skepsis gegenüber dem gelben Metall wächst. Verleugnen wir jetzt plötzlich die Tatsache, dass heute fast alle Industriestaaten so tief in der Tinte stecken wie selten zuvor in ihrer Geschichte? Über Gold nachzudenken, bringt uns mächtig ins Grübeln, verknüpfen wir doch mit dem gelben Metall seit jeher Sicherheit. Es wird zum Hoffnungsträger und Heilsbringer verklärt – selbst im Märchen. Doch wie bei jedem anderen Rohstoff prägt nervenzerreibende Volatilität auch sein Preisgefüge.

Ende der Selbstverständlichkeiten

In welcher Epoche leben wir eigentlich? Lassen sich Ökonomie, Recht, Wissenschaft, Sozialstaat, die alle ihrer eigenen Logik zu folgen scheinen, noch miteinander vereinen? Im Kielwasser des heutigen Wirrwarrs steht vieles auf der Kippe: der Kapitalismus, die Demokratie und somit die moderne Gesellschaft als Ganzes, die ihre integrativen, kulturellen wie sozialstaatlichen Versprechen in Zukunft nicht mehr einzulösen vermag (Hartmut Rosa). Vertrauen zerbröselt. Die Welt enthüllt sich immer verzerrter: Rohstoffpreise, Finanzmärkte, Kundenforderungen, Euro-Krise: Was heute gilt, kann morgen schon ganz anders sein. Nähern wir uns dem Ende aller gewohnten Selbstverständlichkeiten?

  Goldpreis  
   
  Quelle: Goldseiten.de  

Natürlich beeindruckt der fast unerschöpfliche Einfallsreichtum der führenden Notenbanken – doch tatsächlich gelöst wurden nur wenige der uns zermürbenden Probleme. Schlägt erneut die Stunde des Goldes? Noch schwemmen die Zentralbanken die Märkte und finanzieren, mehr oder weniger offen, gähnende, staatliche Haushaltslöcher. Die Zinsen kleben immer noch zäh im Keller fest und die Regierungen greifen ins Wirtschaftsgeschehen ein. Trotzdem entfacht sich kaum Wirtschaftswachstum, während da und dort die Inflation bereits etwas ansteigt. Es scheint eine beschlossene Sache, die Schuldenmisere auf des Sparers Schultern auszufechten.

Blicken wir auf die vergangenen Jahre zurück, dann stellen wir fest, dass wir zwar wissen, was falsch läuft, uns aber Wille und Fähigkeit fehlen, den Müll endgültig abzuräumen. Mit etlichem Unbehagen beobachten wir, wie sich die Geldpolitik mehr und mehr in den Zwängen der Wirtschaftspolitik verstrickt. Die Währungshüter verlieren ihre Unabhängigkeit. Wird es ihnen noch gelingen, mit ihren wild aufgeblasenen Bilanzen eine zukunftsträchtige Stabilitätspolitik durchzusetzen? Je länger die Politik des leichten Geldes das Zepter schwingt, desto schwieriger wird es, diese wieder einzuzäunen. Jeder Entzug von Liquidität drängt das globale Finanzsystem wieder an den Rand eines Abgrunds.

Ende des Goldstandards

Vor Jahren ankerte unser Geld im Gold. Das Abkommen von Bretton Woods wurde 1971 verschrottet und damit das Ende des Goldstandards besiegelt. Eine neue Ära brach an. Doch die damit verknüpfte, weitreichende Regellosigkeit, Geld letztlich ohne solide Deckung zu schöpfen, scheint uns bis heute zu beeinträchtigen. Uns beschleicht das mulmige Gefühl, dass Politik und Notenbanken fieberhaft versuchen, einen morschen Kahn mit kümmerlichen Klebstreifen zusammenzuflicken, statt ihn aus dem Wasser zu hieven und gründlich zu überholen. Die Illusion, mit Fiskal- und Geldpolitik so etwas wie ein „Perpetuum mobile“ für nachhaltiges Wachstum und realen Wohlstand hervorzaubern, gehört in die Fabelwelt.

Vernetzt, abhängig, zerstörerisch – das amerikanische Militär entwarf einen bemerkenswerten Begriff für das Chaos, die Unübersichtlichkeiten, die sich auf der Welt entfalten: „The New Normal“. Machtvolle Herausforderungen ballen sich zusammen, während sich wenig Geschlossenheit offenbart, diese gemeinsam anzupacken, nicht zu reden vom leeren Geldbeutel. An den Schalthebeln der westlichen Wertegemeinschaft, so Stefan Kornelius in der „Süddeutschen Zeitung“, sorgt man sich, dass man mit den Idealen der Freiheit und der Rechtstaatlichkeit in die Defensive schlittert. Ein erschöpfter Westen auf Sinnsuche?

  Video  
 
Video ARD-Mediathek, Gold - Getrübter Glanz Mediathek
Plusminus - ARD | Das Erste

Gold - Getrübter Glanz
Sendung vom
13.02.13 | 21:45 Uhr
 

Tanz auf dem Vulkan

Wir alle lassen uns immer wieder gerne von den unglaublichen, künftigen Wachstumschancen aufstrebender Schwellenländer verzaubern. Keine Frage, langfristig entpuppt sich Asien als kräftiger Treiber. Rund eine Milliarde Menschen wurde aus bitterster Armut befreit, mehrere hundert Millionen Haushalte rücken in den Mittelstand auf, neue Industrien, modernste Infrastruktur und glitzernde Städte werden aus dem Boden gestampft. Das allgemeine Bildungsniveau wird angehoben und Dutzende von Universitäten schliessen zu den besten der Welt auf. Damit verbindet sich Wohlstand, der beschützt werden will. Ist es so verwegen, zu argumentieren, dass dies die Nachfrage nach Gold ankurbeln dürfte?

Im Zeitalter schier unbegrenzt sprudelnder Geldquellen lässt uns die Frage nach ihrem realen Gegenwert immer ratloser zurück. Wir fühlen uns wie bei einem Tanz auf einem Vulkan, der, vollgestopft mit billigem Geld, jederzeit explodieren kann. Gold gehört folgerichtig als Absicherung ins Portfolio. Aber Achtung, es darf das Risikoprofil des entsprechenden Anlegers nicht sprengen.



 
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