• Dienstag, 26.09.2017
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FINANZPLATZ

Gilt die Bankvollmacht auch im Erbfall?

Von Markus Zimmermann  
Gilt die Bankvollmacht auch im Erbfall?
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Dem Ehe- oder Lebenspartner eine Vollmacht über seine Konti zu erteilen, entspricht dem Bedürfnis vieler Personen. Entsprechend oft wird davon Gebrauch gemacht. Wie sieht es aber im Todesfall aus? Kann der Hinterbliebene mit der ihm erteilten Vollmacht weiterhin über die Konti des Verstorbenen verfügen? Könnte er sogar die Konti aufheben und die Guthaben auf sein eigenes Konto übertragen oder sich bar auszahlen lassen?


Grundsätzlich erlischt eine Vollmacht mit dem Tod des Vollmachtgebers. Hingegen sind Bankvollmachten üblicherweise so abgefasst, dass sie über den Tod hinaus, im Erbfall, gültig bleiben. In diesem Fall darf der hinterbliebene Partner in der Regel weiterhin über die Konti verfügen. Jeder Erbe kann aber jederzeit einzeln die vom Erblasser erteilte Vollmacht widerrufen.

Sorgfaltspflicht der Bank

Einschränkungen gibt es jedoch hinsichtlich des Ausmasses der Verfügungen. Das Bundesgericht hat im Grundsatz bestätigt, dass die Vollmacht nicht für Verfügungen akzeptiert werden darf, die den Interessen der Erben zuwiderlaufen. Die Bank trifft in dieser Beziehung eine Sorgfaltspflicht. Hat die Bank Kenntnis vom Tod des Kontoinhabers, darf sie gestützt auf die Vollmacht nur noch Verfügungen zulassen, die im Interesse der Erben sind. Allerdings sind die Erben meist zum Zeitpunkt des Todesfalles nur zum Teil oder gar nicht bekannt. Die Praxis der einzelnen Banken ist recht unterschiedlich.

Ohne Einschränkung lassen die meisten Banken Kontoverfügungen zur Begleichung offener Rechnungen des Verstorbenen zu wie z.B. Arztrechnungen, Telefonrechnungen, Miete. Dasselbe gilt für die üblichen Todesfall- und Bestattungskosten. Auch Barbezüge zur Bestreitung des Lebensunterhaltes der Familie, also des Ehepartners und minderjähriger Kinder, sollten zumindest während einer begrenzten Zeit möglich sein. Grössere Barbeträge, die die Finanzierung des gewohnten Lebensstandards übersteigen, können indessen meist nicht abgehoben werden. Gleiches gilt für Kontoauflösungen, insbesondere wenn das Guthaben in bar ausbezahlt oder auf ein nicht auf den Verstorbenen lautendes Konto übertragen werden soll. Nur alle Erben gemeinsam oder ein vom Erblasser eingesetzter Willensvollstrecker können unbeschränkt über die Konti verfügen. Die Berechtigung der Erben, oder bei nur einem Erben des Alleinerben, ergibt sich aus dem Erbschein (Art. 559, Abs. 1 ZGB).

Je nach Umständen kann der Erbschein erst mehrere Monate - manchmal sogar erst über ein Jahr - nach dem Ableben des Erblassers ausgestellt werden. Der Willensvollstrecker legitimiert sich mit dem Willensvollstreckerzeugnis, welches in der Regel innert weniger Tage erhältlich ist.

Interessenskonflikte

Immer wieder kommt es zu Problemen, wenn der Partner, welcher nebst weiteren Erben selbst auch Erbe ist, im Testament des Kontoinhabers als Willensvollstrecker bezeichnet wird. Gegen Vorlegung einer entsprechenden Willensvollstreckerbescheinigung kann er in seiner Eigenschaft als Willensvollstrecker dann tatsächlich allein verfügen, ist jedoch gegenüber den weiteren Erben für seine Handlungen verantwortlich. Die Doppelrolle Willensvollstrecker und Erbe führt zu diversen Interessenkollisionen und entsprechenden Angriffsflächen für die Miterben.

Fazit:
Eine über den Tod hinaus gültige Bankvollmacht kann zwar einiges erleichtern, eine Nachfolgeregelung ersetzt sie jedoch nicht. Für eine optimale Nachfolgeregelung empfiehlt sich der Beizug eines Spezialisten.



 
 
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