• Dienstag, 26.09.2017
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FINANZPLATZ

Geldpolitik wird zum Risiko

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Von Willy Burgermeister
Geldpolitik wird zum Risiko
© commons.wikipedia.org
Dazu noch einige weitere Überlegungen: In einer Welt, die immer deutlicher in einen Zustand der Überschuldung abrutscht, ist es wahrscheinlich keine gute Idee, Gläubiger zu sein. In der Wirtschafts- und Geldpolitik scheint es nur noch darum zu gehen, eine Entwertung der Schulden und damit der Forderungen zu erzielen.

Zentralbankpolitik, lange Zeit ein seriöses Handwerk mit klaren Regeln, wandelt sich immer mehr zum Spiel für geldpolitisches Voodoo. Die geldpolitischen „Zauberlehrlinge“ der grossen Notenbanken haben, trotz immer extremerer Ausweitung und Verschärfung ihres monetären Arsenals, bisher erschreckend wenig auf die Beine gebracht. Immer wieder wurde ignoriert, dass sich die westliche Welt schon seit Jahren einem massiven Verschuldungsproblem gegenüber sieht.

Könnte es sein, dass nach einer Weltfinanzkrise die Notenbanken nur erste Hilfe leisten können, um Schocks abzufedern, dass der Schuldenabbau und die Gesundung der Bilanzen einfach Zeit brauchen und Geldpolitik immer unwirksamer wird, je länger die Regierungen die strukturellen Wachstumshemmnisse nicht beseitigen, weil sie glauben, die Geldpolitik nehme ihnen die Arbeit ab?

Um fair zu sein: Die Geldpolitik der Industrienationen hatte zur Zeit der Finanzkrise nicht wirklich viele Alternativen. Da globale Verschuldung und andere Altlasten ab dem Jahr 2008 eine enorme Wucht entfalteten und die „normale“ Politik sich strukturellen Reformen verweigerte, gleichzeitig aber die Stabilität des gesamten Finanzsystems auf dem Spiel stand, mussten die Notenbanken wohl so handeln.

Nie hat die Politik geliefert

Nach Jahren extremer Geldpolitik sind wir an einem kritischen Punkt angelangt: Die bisherigen Rezepte verpufften wirkungslos. Dafür wurden (vorhersehbare) neue, globale Systemrisiken heraufbeschworen, die den eigentlichen Zielen entgegenlaufen. Dieses Dilemma zeigt sich auch im schwerwiegenden Kursverfall von Bankaktien. In einem Umfeld negativer Zinsen und ausgesprochen dünner Zinsmargen fehlt den Banken die grundlegende Profitabilität. Gleichzeitig nehmen die Regulierungskosten zu, und obendrein müssen Kreditausfälle ausgebügelt werden. Das ist kein gutes Umfeld, weder für Finanzinstitute noch für die Wirtschaft insgesamt.

Die Zentralbanken halten durch ihre Nullzinspolitik bankrotte Schuldner künstlich am Leben. Am Ende könnte das Vertrauen ins Geld schwinden. Wenn aufgebauschte Kreditblasen platzen, ist das Ergebnis stets – und vorhersehbar – ein deflationärer Schock. Deflation ist jedoch das Letzte, was die Notenbanken mit ihren Aktionen wollten.

Sollten die führenden Notenbanken zu der naheliegenden Einsicht gelangen, dass auch sie die Kontrolle verloren haben, stehen Märkten und deren Teilnehmern gefährliche, ruhelose Zeiten bevor. Ein echter Verlust des Vertrauens in die Allmacht der Notenbanken würde massive Verwerfungen an den Kapitalmärkten heraufbeschwören.

Umverteilung von Gläubigern zu Schuldnern

In einer Welt ohne Zins, in der Kapital keinen Preis mehr hat, verändern sich Verhaltensweisen, wird in riesigem Ausmass Vermögen umverteilt von Gläubigern zu Schuldnern. Der von der Zentralbank manipulierte Zins hat keine marktwirtschaftliche Lenkungsfunktion für Märkte, Banken, Staaten und Unternehmen. Ohne richtigen Zins werden Geld- und Güterströme nicht mehr effizient gesteuert, es kommt zu Fehlinvestitionen und Spekulationsblasen etwa am Häusermarkt.

Fazit:
Es wird belohnt, wer sich Schulden aufbürdet, und bestraft, wer solide wirtschaftet und spart. (Quellen: NZZ und FAZ.)


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