• Dienstag, 25.07.2017
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ALTERSTHEMEN

Freundschaften im Alter – eine wertvolle Ressource

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Von François Höpflinger
Freundschaften im Alter – eine wertvolle Ressource
© imago
Langjährige Freundschaftsbeziehungen mit Gleichaltrigen können aber auch für verheiratete Menschen bedeutsam sein, z.B. weil nahe Freundinnen oder Freunde als Vertrauenspersonen eine Diskussion ehelicher Probleme ermöglichen – oder weil beim Zusammensein im Freundeskreis wichtige Ereignisse aus der eigenen Vergangenheit wach gehalten werden. Im Gegensatz zu familialen Beziehungen beruhen Freundschaften auf Freiwilligkeit. Enge Freundschaften sind deshalb meist durch langjährige gemeinsame Interessen geprägt. Obwohl im Allgemeinen primär die affektiv-emotionale Bedeutung von Freundschaftsbeziehungen betont wird, können Freunde und Freundinnen auch in praktischer Hinsicht hilfreich sein, z.B. durch die Bereitstellung kleiner Alltagshilfen wie Begleitung bei Einkäufen, Beratung bei administrativen Problemen.

Sozio-kulturelle Unterschiede

Die Definition eines engen Freundes bzw. einer engen Freundin und die soziale Bedeutung von Freundschaftsbeziehungen unterliegen sachgemäss sozio-kulturellen Unterschieden, und daher sind die in verschiedenen Ländern durchgeführten Forschungsarbeiten zum Thema 'Freundschaft im Alter' nicht ohne weiteres zu verallgemeinern. So werden in den USA häufig Personen als Freunde bezeichnet, die in Nord- und Mitteleuropa höchstens als nähere Bekannte angesehen werden. Freundschaft ist somit keine objektive Messgrösse, sondern eine soziale Beziehung, deren Bedeutung je nach Lage (Alter, Geschlecht usw.) variieren kann. Kritische Lebensereignisse können dabei nicht nur zu neuen Freundschaften führen (z.B. wenn hilfsbereite Nachbarn zu Freunden avancieren), sondern sie tragen oft auch zur Reaktivierung bisheriger Freundschaftsbeziehungen bei. Umgekehrt können im hohen Lebensalter Freundschaftsnetze verloren gehen, namentlich wenn die Freunde alle gleich alt sind.



Freundschaftsbeziehungen im Alter
Vergleich 1979 und 2013 Kanton Genf und Zentralwallis
  %-Anteil ohne
enge Freunde
%-Anteil mit drei und mehr
engen Freunden
Alte 65-74 75+ 65-74 75+
1979   (GE, VS) 33% 45% 43% 30%
2013   (CH) 11% 21% 73% 62%
Quelle: 1979 Erhebung im Kanton Genf und Zentralwallis (Haushaltspanel)


Einschätzung der Unterstützung durch enge Freunde
Erhebung 2013 in der gesamten Schweiz (Skala 0 - 10)
Alter  65-74 75+
Emotionale Unterstützung 7.2 6.9
Praktische Unterstützung 6.6 5.9
Quelle: 2013 Erhebung in der gesamten Schweiz (Haushaltspanel)


Ein Zeitvergleich 1979 bis 2013 belegt, dass ältere Menschen heute häufiger Freundschaften pflegen als dies früher der Fall war. Dies ist eng damit verknüpft, dass ältere Menschen heute aktiver, mobiler, gesünder sind und gezielter ihre Sozialbeziehungen pflegen. Die Art der Freundschaftsbeziehungen variiert je nach sozialer Ausrichtung: Wer lokal ausgerichtet ist, hat vor allem Freunde in der gleichen Gemeinde, und wer breiter ausgerichtet ist, hat häufiger Freundschaftsbeziehungen ausserhalb der eigenen Wohngemeinde. Frauen und Männer haben in etwa gleich viele Freundschaftsbeziehungen, aber Freundschaften unter älteren Frauen sind oft intensiver als Freundschaftsbeziehungen unter älteren Männern.

Freundschaften motivieren

Mit zunehmender Zahl naher Freunde nehmen ältere Personen häufiger an Vereinsanlässen oder Quartieraktionen teil. Ein (breites) Freundschaftsnetz ist auch im Alter allgemein mit sozialer Integration assoziiert. Zudem erleichtert das Vorhandensein vieler naher Freunde oder Freudinnen die Teilnahme an Aktivitäten im Quartier, da gemeinsam ausgegangen werden kann. Oder pointierter formuliert: Nur wer enge Freunde hat, wagt sich auch im Alter an öffentliche Anlässe. Freunde bzw. Freundinnen sind im Alter nicht nur als Vertrauenspersonen wichtig, sondern vielfach auch als Begleitpersonen, namentlich für ausserhäusliche Aktivitäten. Während sich im höheren Lebensalter die praktische Unterstützung durch Freunde – weil oft ebenfalls alt – reduziert, verbleiben sie bedeutsam für die emotionale Unterstützung. Man kann auch heute noch Epikur zustimmen: „Von allen Geschenken, die uns das Schicksal gewährt, gibt es kein grösseres Gut als die Freundschaft - keinen grösseren Reichtum, keine grössere Freude.“



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