• Dienstag, 26.09.2017
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PERSÖNLICHKEIT DES MONATS

Freude muss es machen…

Interview von Helmut Bachmaier  
Jeder hat eine Lebensaufgabe zu erfüllen
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Dr. Matthias Kuratli, Geschäftsführer TERTIANUM Residenzen, im Gespräch mit Helmut Bachmaier.


Herr Kuratli, Sie sind seit dem 1. März 2012 zuständig als Geschäftsführer für die TERTIANUM Residenzen. Vorher waren Sie mehrere Jahre Geschäftsführer der Unilabs Deutsche Schweiz und verantwortlich für die 10 Standorte. Was hat Sie zu TERTIANUM geführt?

Matthias Kuratli: Es war die Entscheidung für eine sinnstiftende Arbeit, also tätig werden für ältere Menschen. Bei TERTIANUM kann ich meine Kompetenzen im Bereich der personellen und betriebswirtschaftlichen Führung sowie im Projektmanagement einbringen und eine anspruchsvolle Leitungsaufgabe übernehmen. Dabei bin ich sehr stark inhaltsorientiert, es geht mir um die richtige Strategie und um effiziente Lösungen. Natürlich muss man dabei das Unternehmen nach aussen gut vertreten, die Mitarbeitenden gewinnen für die Umsetzung der Strategie, und nicht zuletzt geht es darum, den Erfolg des Unternehmens sicherzustellen.

Was verstehen Sie genau unter einer „sinnstiftenden Arbeit“?

Matthias Kuratli: Ältere Menschen fragen zunehmend Dienstleistungen nach, die ihnen das Leben einfacher machen und dazu beitragen, selbständig zu bleiben. Diese Dienstleistungen müssen sich stets an den konkreten Bedürfnissen dieser Zielgruppe orientieren. Geschieht dies, dann ist das für mich sinnvoll.

Was waren Ihre ersten Eindrücke und Aktionen bei TERTIANUM?

Matthias Kuratli: Zunächst haben mich die hohe Motivation und die positive Haltung der Mitarbeitenden bei TERTIANUM beeindruckt. Bemerkenswert ist ausserdem die hohe Kompetenz, um die geforderten, stark nach individuellen Bedürfnissen variierenden Dienstleistungen erbringen zu können.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Optimierung der Leistung ist das Lernen vom Besten in der Gruppe - und Konzepte in andere Betriebe zu transferieren. Dieser Wissenstransfer ist neben der Einführung von neuen Ideen und Lösungen ein wichtiger Treiber, die Qualität der Leistungen der einzelnen Residenzen noch weiter zu steigern.

Wir wollen zum Vorteil unserer Gäste stetig besser und effizienter werden, ohne das Individuelle der Dienstleistungen der Residenzen zu vernachlässigen.

Wie sehen Ihre längerfristigen Perspektiven aus?

Matthias Kuratli: Wir wollen die führende Position des Geschäftsbereiches TERTIANUM Residenzen weiter ausbauen. Innerhalb dieses Geschäftsbereiches nimmt die Bedeutung der Leistungen der Pflege stark zu. Auch in diesem Bereich arbeiten wir hart, um die Qualität weiter zu verbessern. Wir integrieren Konzepte nach den neusten Erkenntnissen der Wissenschaft, und seit kurzem nutzen wir auch neue technische Möglichkeiten in der Dekubitusprophylaxe.

Es wird heute viel diskutiert über die Einführung von Robotik in Alterseinrichtungen. Hier muss in jedem Falle beachtet werden, dass nicht die menschlichen Beziehungen und die seelischen Bedürfnisse beeinträchtigt werden zugunsten eines Gewinns an Zeit oder einer Ersparnis des Aufwands.

Unproblematisch ist dagegen der Einsatz von Tieren in Altersresidenzen und Pflegeabteilungen, etwa von Therapiehunden, vorausgesetzt, dass die Tiere dabei artgerecht behandelt werden.

Altersarbeit ist stets geprägt von einem bestimmten Menschenbild. Welches Menschenbild leitet Sie?

Matthias Kuratli: Das Leben eines jeden Menschen sollte sich selbstbestimmt so gestalten, wie es seinen Eigenschaften und seinem Charakter entspricht. Leider verlassen viele Menschen diesen Pfad der Tugend, um eigene Erwartungen an sich oder Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen. Ich glaube aber, dass letztendlich echtes Lebensglück nur durch und in Beziehungen zu Mitmenschen entsteht. Die Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten, ist also eine zentrale Qualität. Sie ist auch notwendig, um sich in eine Gruppe oder in eine Unternehmung zu integrieren.

Mein Menschenbild wird also geprägt durch Individualität, Selbstbestimmung und Glücksstreben. Zentral ist dabei die Gestaltung von vertrauensvollen Beziehungen. Ergänzend dazu gehört die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für sich, sondern auch für andere.

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Darf ich Sie nach Ihren ausserberuflichen, mehr privaten Interessen und Ansichten fragen?

Matthias Kuratli: Da stehen für mich Reisen, besonders in den südostasiatischen Raum, ganz oben auf der Liste. Buddhistisch geprägte Kulturen und Länder haben mich stark beeindruckt, insbesondere die Menschenfreundlichkeit und die Bescheidenheit im Alltag. Es ist also die Spiritualität, weniger die Institution wie Kirche, die mich fasziniert. Ich habe ein Ur-Vertrauen, in der Welt zu Hause zu sein.

In diesem Sinne kann ich mich als religiösen Menschen bezeichnen. Ich verkenne nicht, dass meine weltanschauliche Position durchaus synkretistisch ist.

Musik und Theater gehören aber auch zu Ihren Interessen?

Matthias Kuratli: Ich habe Klavier, später Cello gelernt. Konzerte und romantische Opern schätze ich sehr. Aber was die Musik anbetrifft, steht Johann Sebastian Bach für mich über allen und allem.

Das Theater ist eine ständig neue Darstellung des Bewusstseins der Gegenwart. So nehme ich aktuelle Inszenierungen historischer und gegenwärtiger Stoffe wahr.

Kommen wir zum Thema Alter und Altern. Welche Vorstellung bzw. Einstellung haben Sie dazu?

Matthias Kuratli: Ältere Menschen haben eine wichtige Funktion, indem sie in ihrer Wertehaltung eine Konstanz geradezu verkörpern. Oft wechselt ja die Mode – besonders nach jedem Technikschub – rasant. Das führt zu Instabilität und zu Unsicherheit in einer Gesellschaft. Die eher konservative und werteorientierte Haltung der Älteren bedeutet Kontinuität und damit Stabilität im Wechsel der Zeiten.

Ihre oft erinnernde oder historische Perspektive kann manchmal vor Irrwegen bewahren. Dies wird im Allgemeinen weniger beachtet als die Rolle älterer Menschen als Wirtschaftsfaktor. Ich meine, dass die Verantwortlichen in der Wirtschaft sich mehr noch um die tatsächlichen Belange der älteren Generation kümmern sollten.

Und die Generationenbeziehungen?

Matthias Kuratli: Hier stelle ich leider manchmal fest, dass die Jungen kein gesteigertes Interesse an den Älteren haben. Sie wurden anders sozialisiert, betonen sehr stark die Ich-Beziehung und finden zuweilen in altersgleichen Gruppen eine Identität.

Wie stellen Sie sich Ihr eigenes Alter vor, von welchen Wünschen wird es begleitet?

Matthias Kuratli: Mehr Zweisamkeit, mehr Zeit mit meiner Lebenspartnerin verbringen, aber auch das Leben mit anderen teilen. Gerne möchte ich neue Entdeckungen nah und fern machen, auch das europäische Erbe vertieft erfahren. Hier steht uns ja ein grosser Erfahrungsschatz zur Verfügung. Wenn jüngere Menschen einen Rat wünschten, stünde ich Ihnen gerne zur Verfügung. Dabei würde ich gerne vermitteln, dass Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit kostbare Welt-Tugenden sind.

Ist dies gewissermassen schon Ihr Lebensmotto?

Matthias Kuratli: Dies ist mir wichtig. Aber mein Lebensmotto lautet: „Freude muss es machen“ – das gilt für alle Bereiche des Daseins.
       
 
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