• Montag, 20.11.2017
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PERSPEKTIVEN

Frauenleben, Frauenbilder

Von Bernadette Reichlin-Fluri  
Frauenleben, Frauenbilder
© Creativa - Fotolia.com
Frauen als Politikerinnen, Künstlerinnen, Lehrerinnen, Pionierinnen – Susi Hofmann aus Rüti hat 30 von ihnen porträtiert. Ein Zeitspiegel und eine Hommage an die Frauen.


Mit nur wenigen schwarzen Linien und Flächen ist die Frau auf dem Bucheinband skizziert. Nur ihre rechte Augenbraue ist regenbogenfarbig. "Frauen setzen Akzente" heisst das Buch der Journalistin Susi Hofmann. 30 Frauen hat sie porträtiert, alle aus dem Bezirk Hinwil im Zürcher Oberland und alle, bis auf eine, sind Frauen unserer Zeit.

Spuren hinterlassen

Ob Klosterfrau oder Biobäuerin, ob Musikerin oder Schriftstellerin, ob Politikerin oder Kunstturnerin, sie alle haben Spuren hinterlassen in der Region, Zeichen gesetzt, Neues gewagt oder Bestehendem durch ihre Handschrift Profil verliehen.

Ein Buch also für Leserinnen aus dem Zürcher Oberland? Überhaupt nicht! Diese Frauenporträts, diese Lebensentwürfe stehen exemplarisch für viele Frauenleben in der ganzen Schweiz. Sie zeigen auf, was Frauen nebst Familie, Beruf und Kindererziehen zu leisten imstande sind, wie viel schöpferische Kraft und Potential im Leben eines Menschen darauf wartet, geweckt zu werden.

Buchempfehlung
Frauen setzen Akzente - Von Susi Hofmann
Susi Hofmann
Frauen setzen Akzente
30 Porträts von Frauen
aus dem Bezirk Hinwil.
ZO Medien Verlagsshop
191 Seiten / 12 x 19.5 cm
ISBN 978-3-85981-257-4

Auch ein Männerthema

Es ist auch kein Frauenbuch. Die Beschränkung auf weibliche Protagonistinnen ist zwar gewollt, aber vor allem eine formale Einschränkung. Und natürlich eine Hommage an die vielen Frauen, die sich in ihrem Wirkungskreis emanzipieren und sich frei machen, Aussergewöhnliches zu leisten. Die Erkenntnis aber, dass Schicksalsschläge, Blockaden, Hemmnisse und Umwege nicht schwächen, sondern stark machen können, Raum freisetzen für Neues, das ist ja eigentlich auch ein Männerthema: Wenn Männer denn so viel Biss haben und den Mut, wieder aufzustehen, wenn das Schicksal sie umgeworfen hat.

Da zeichnet Susi Hofmann das Leben einer Frau nach, die aus einfachen Verhältnissen stammt, früh ihre Mutter verliert und wenige Jahre später selber als junge Mutter mit einem Säugling allein dasteht. Aber die junge Witwe findet ihren Weg, zuerst im Beruf, dann als weit herum geschätzte Politikerin.

Wieder aufstehen

Oder da ist die Künstlerin mit ihren energiegeladenen grossen Bildern, auf denen Farben und Formen sich zu einem rhythmischen Tanz vereinen. Tanzen kann die Künstlerin lange Zeit nicht mehr, sie ist an den Rollstuhl gefesselt. Und macht, als die Kräfte zum Malen nachlassen, Kabarett, wo sie auch ihr Handicap ironisch thematisiert, singt und erzählt. Einen Kunstpreis "verwandelt" die kreative Frau in ihr erstes Buch. Und dann, als sie, von Schmerzen gequält, ganz tief unten ist, rappelt sie sich auf, fasst wieder Tritt im Leben und das wortwörtlich. Sie lernt wieder zu gehen, lässt sich, weil sie die Waldspaziergänge so liebt, zur Pilzkontrolleurin ausbilden.

Kurzbiografien

Die einzelnen Lebensgeschichten sind, um auf das Bild auf dem Umschlag zurückzukommen, jeweils auf nur wenigen Buchseiten zusammengefasst. Ein ganzes Frauenleben wird so mit wenigen prägnanten Sätzen umrissen. Das ist einerseits schade, möchte man doch von dieser oder jener Biographie noch viel mehr erfahren. Und andererseits macht gerade das den Reiz des knapp 200 Seiten starken Buches aus: Die Frauenbilder lassen genügend Raum für eigene Reflexionen, für Vergleiche mit eigenen und anderen Lebensstationen, weit über die Grenzen des Zürcher Oberlandes hinaus. Ein Buch mit Akzenten.

(Quelle: Seniorweb, 16.12.2013)



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