• Montag, 20.11.2017
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ALTERSTHEMEN

Erbrechtliche Möglichkeiten

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Von Christine Good
Erbrechtliche Möglichkeiten
© ABT
Was geschieht mit meinem Nachlass, wenn ich nichts regle?

Sollten Sie weder ein Testament geschrieben noch einen Erbvertrag abgeschlossen haben, gilt im Falle des Todes die gesetzliche Erbfolge.

Gesetzliche Erben sind in erster Linie der überlebende Ehepartner und die nächsten Nachkommen. Sind keine Nachkommen vorhanden, erben Mutter und Vater je hälftig. An die Stelle von Vater oder Mutter, die vorverstorben sind, treten ihre Nachkommen. Auf dritter Stufe erbberechtigt sind die Grosseltern, und bei vorverstorbenen Grosselterteilen gelangt der Nachlass an deren Nachkommen. Sind weder ein Ehepartner noch Verwandte vorhanden, dann erbt letztlich der Staat. Die Höhe des einzelnen Erbteils hängt ganz davon ab, welche erbberechtigten Personen vorhanden sind.1


Beispiel 1:
Eine Person hinterlässt ihren Ehegatten und drei Kinder sowie eine Schwester.

In diesem Fall erhält der überlebende Ehegatte ½ des Nachlasses, und die andere Hälfte geht an die Kinder zu je 1/3. Die Schwester erhält nichts. Es ist jedoch zu beachten, dass das gemeinsam erwirtschaftete Vermögen der Ehepartner zuerst und im Falle des ordentlichen eherechtlichen Güterstandes hälftig zu teilen ist, so dass der Nachlass ermittelt werden kann.

Beispiel 2:
Eine Person hinterlässt einen Partner, mit welchem sie jedoch nicht verheiratet gewesen ist, sowie zwei Brüder. Die Eltern sind bereits verstorben. Der Partner hat einen Sohn aus seiner ersten Ehe.

Der langjährige Partner und sein Sohn erhalten nichts. Die zwei Brüder erben je die Hälfte des Nachlasses.

Beispiel 3:
Eine Person hinterlässt einen Ehepartner, zwei Kinder, ein Enkelkind sowie drei Schwestern. Die Schwester Erna hat vier Kinder, die Schwester Petra keines und die Schwester Paula hat zwei Kinder. Der Ehepartner hat noch einen Bruder.

Der Ehepartner erhält ½ des Nachlasses und die zwei Kinder erhalten je ¼ des Nachlasses. Das Enkelkind, die Schwestern und deren Kinder gehen leer aus. Der Bruder des Ehepartners erhält ebenfalls nichts.


Oft entspricht jedoch die gesetzliche Lösung nicht Ihrem letzten Willen und ist damit unbefriedigend. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man sich frühzeitig Gedanken über ein Testament oder einen Erbvertrag macht.

Soll ich ein Testament errichten oder einen Erbvertrag abschliessen?

Eine Verfügung von Todes wegen kann in Form eines Testaments oder eines Erbvertrages getroffen werden.2 Ein Testament hat den Vorteil, dass es selbst von Hand niedergeschrieben werden kann, während ein Erbvertrag bei einem Notar öffentlich beurkundet werden muss.3 Wünscht jemand seinen Ehepartner vollumfänglich zu begünstigen, dann ist ein Erbverzichtsvertrag mit den pflichtteilsgeschützten Erben oder ein Ehevertrag in Betracht zu ziehen.4 Die Nachkommen oder Eltern müssten jedoch mit dem Erbverzicht einverstanden sein.

Was muss ich bei der Errichtung eines Testaments beachten?

Form

Das handschriftliche Testament ist von Anfang bis Ende von Hand niederzuschreiben und mit Datum und Unterschrift zu versehen.5 Ein Testament kann auch im Beisein von zwei Zeugen öffentlich beurkundet werden.6 Bei ausserordentlichen Umständen oder bei Todesgefahr kann es ausnahmsweise auch mündlich gegenüber zwei Zeugen ausgesprochen werden.7

Pflichtteile und frei verfügbare Quote

Inhaltlich ist zu beachten, dass die pflichtteilsgeschützten Erben mindestens ihren gesetzlich geschützten Mindestanspruch – den sogenannten Pflichtteil – an der Erbschaft erhalten.8 Pflichtteile haben der überlebende Ehegatte, die Nachkommen und falls keine Nachkommen vorhanden sind die Eltern.9 Die Höhe der Pflichtteile ist abhängig von den noch vorhandenen Erben. Über den Rest des Nachlasses kann frei verfügt werden (sogenannte frei verfügbare Quote).


Eine Person hinterlässt einen Ehepartner und drei Kinder.
Beispiel 4:
Eine Person hinterlässt einen Ehepartner und drei Kinder.

Der Pflichtteil der Nachkommen beträgt immer 3/8, wenn sie mit dem überlebenden Ehegatten zu teilen haben. Der Pflichtteil des Ehepartners beträgt ¼.


Eine Person hinterlässt drei Kinder und eine Schwester.
Beispiel 5:
Eine Person hinterlässt drei Kinder und eine Schwester.

Der Schwester könnte maximal ¼ des Nachlasses vererbt werden.




Eine Person hat keine Nachkommen und ihr Ehepartner ist bereits verstorben. Die Eltern leben auch nicht mehr.
Beispiel 6:
Eine Person hat keine Nachkommen und ihr Ehepartner ist bereits verstorben. Die Eltern leben auch nicht mehr.

Diese Person kann frei über ihren Nachlass verfügen.



Nicht ehelicher Lebenspartner

Bei einem nicht ehelichen Lebenspartner ist ein Testament besonders empfehlenswert, sofern dieser beim Tod des anderen nicht leer ausgehen soll. Dem Lebenspartner kann maximal die frei verfügbare Quote zugewiesen werden. Bei einer Konkubinatsdauer von mindestens 5 Jahren können Sie weiter Ihren Partner über Ihre Pensionskasse oder über eine allfällige Lebensversicherung begünstigen.10

Zuweisung einer bestimmten Sache

Möchten Sie einer Person eine bestimmte Sache, wie z.B. ein Haus oder ein Gemälde, zuweisen, ist es wichtig, dass die Formulierung im Testament letztlich Ihrem Willen entspricht. Sie können einer gewünschten Person eine Sache zuweisen, ohne diese dabei als Erbin einzusetzen (sogenanntes Vermächtnis).11 Die begünstigte Person erhält dann von den anderen Erben Anspruch auf Ausrichtung dieser Sache. Möchten Sie einem gesetzlichen Erben oder einem durch Testament eingesetzten Erben zusätzlich zu seinem Erbanteil eine Sache zukommen lassen, dann müsste dies explizit im Testament erwähnt werden. Ist aus dem Testament nicht klar, ob die zugewiesene Sache zusätzlich zum Erbanspruch vermacht werden soll, dann wird diese Sache wertmässig dem Erbanspruch des begünstigten Erben angerechnet.12

Dem Ehegatten kann statt der Übertragung seines Erbteils der gesamte Nachlass oder ein Teil davon zur Nutzniessung eingeräumt werden.13 Nutzniessung bedeutet, dass der überlebende Ehegatte den Besitz am Nachlass oder an einer bestimmten Sache erhält. Er darf sie gebrauchen, verwalten und nutzen, aber nicht verkaufen. Das nackte Eigentum hingegen verbleibt bei den Nachkommen. Von dieser Möglichkeit wird oft im Zusammenhang mit der Erbschaft von Liegenschaften Gebrauch gemacht.

Wer soll sich um die sorgfältige Abwicklung und Verteilung meines Nachlasses kümmern?

Es geht hier um die Frage, wer Ihren letzten Willen vollstrecken soll. Es ist empfehlenswert, dass Sie hier eine Person oder eine Gesellschaft einsetzen, welche über die benötigten Fachkenntnisse verfügt und ihr Vertrauen geniesst. Den gewünschten Willensvollstrecker können Sie in Ihrem Testament oder in Ihrem Erbvertrag bestimmen.


ABT Treuhand Gruppe


Fussnoten:

1   Zum Ganzen: Art. 457 bis 466 ZGB.
2   Art. 481 ZGB.
3   Art. 498 und 512 ZGB.
4   Art. 495 und 216 ZGB.
5   Art. 505 Abs. 1 ZGB.
6   Art. 499 ZGB.
7   Art. 506 ZGB.
8   Art. 470 ZGB.
9   Art. 471 ZGB.
10   Art. 20a BVG,
http://www.beobachter.ch/familie/konkubinat/artikel/konkubinat_den-partner-im-todesfall-absichern/
11   Art. 484 ZGB.
12   Art. 608 Abs. 3 ZGB.
13   Art. 473 Abs. 1 ZGB.


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Ein Beitrag der ABT Treuhand-Gruppe



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