• Montag, 20.11.2017
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PERSPEKTIVEN

Einsichten in die Geschichte des Lebens.

Charles Darwin und der Gedanke der Evolution
Von Ernst Peter Fischer
Einsichten in die Geschichte des Lebens - Charles Darwin und der Gedanke der Evolution.
© simplecapacity.com
Die meisten Vertreter der Kirche haben längst ihren Frieden mit Darwins Idee einer natürlichen Schöpfungsgeschichte (Evolution) des Lebens gemacht. Für sie ist klar: Als Gott die Organismen erschuf, da hat er sie eben so gemacht, dass sie sich selbst verändern und formieren konnten. Sie können sich immer wieder einfügen in eine Welt, die sich selbst dauernd wandelt.

Forschungsreisen

Charles Darwin Charles Darwin
Der junge Charles Darwin liebte die Natur. Er sammelte Käfer, ritt über das Land und erkundete Botanisches und Geologisches. Zwar schloss er ein Studium der Theologie ab, aber er wollte Naturforscher werden. Die Gelegenheit dazu kam 1831, als der 22jährige Darwin auf Weltreise gehen konnte. Er war fünf Jahre auf allen Meeren unterwegs, und seine Betrachtung der Welt war wesentlich für die evolutionäre Weltanschauung, die er anschliessend entwickelte. Aber woher nahm er seine Begriffe?

Es waren zum Beispiel Beobachtungen auf den Galápagosinseln mit ihren vielen Finken- und Drosselarten und deren höchst eigenen Schnabelformen, die in Darwin Zweifel an der Konstanz der Lebenswelt säten. Darwin erkannte, dass es im Laufe von Generationen zu Modifikationen und mit ihnen zu neuen Arten kommen kann. Doch wie können die Variationen zustande kommen und sich ausbreiten? Gibt es dafür Ursachen?

Malthus-Lektüre

Essay on the Principle of Population Principle of Population
(1798)
Einer der Begriffe, den Darwin zu seiner Vorstellung von einer Anpassung bzw. Evolution der Arten brauchte, lieferte ihm die Lektüre des „Essay on the Principle of Population“, den der Engländer Thomas Malthus kurz vor 1800 vorgelegt hatte und in dem er darauf hinwies, dass eine Bevölkerungsgruppe dazu tendiert, die Zahl ihrer Mitglieder schneller zu vermehren als die Mittel, die man zu ihrer Ernährung benötigt. Darwin war elektrisiert: „Im Oktober 1838, also fünfzehn Monate, nachdem ich meine Untersuchungen systematisch angefangen hatte, las ich zufällig zur Unterhaltung Malthus, über Bevölkerung, und da ich hinreichend darauf vorbereitet war, den überall stattfindenden Kampf um die Existenz zu würdigen, namentlich durch lange fortgesetzte Beobachtung über die Lebensweisen von Tieren und Pflanzen, kam mir sofort der Gedanke, dass unter solchen Umständen günstige Abänderungen dazu neigen, erhalten zu werden, und ungünstige, zerstört zu werden. Das Resultat hiervon würde die Bildung neuer Arten sein. Hier hatte ich denn nun endlich eine Theorie, mit welcher ich arbeiten konnte.“

Von diesem Leseerlebnis ausgehend, entwickelte Darwin seinen Gedanken der Evolution, zunächst ohne daran zu denken, seine Theorie zu publizieren. Über die Motive für dieses Zögern ist ebenso viel spekuliert worden wie über die Frage, was Darwin genau meinte, als er die Niederschrift seiner evolutionären An- und Einsichten mit der Notiz begann: „Mir ist, als gestehe ich einen Mord.“ Einleuchtend erscheint auf jeden Fall, dass er Rücksicht auf die religiösen Gefühle seiner Frau nehmen wollte, aber es gab auch konkrete wissenschaftliche Gründe, vorsichtig mit Behauptungen über die Abstammung und Anpassung der Arten zu sein. Überall tauchten Fragen ohne Antworten auf: Können Lungen schon atmen, Hände schon greifen und Augen schon sehen, wenn sie noch nicht fertig sind und sich erst im Vorstadium ihres Entstehens befinden?

Licht auf den Ursprung der Menschheit

Der kleine Darwin. Alles, was man über Evolution wissen sollte. (2009)
Während er an dem Manuskript zu seinem grossen Werk „Über den Ursprung der Arten“ arbeitete, das 1859 erschienen ist, fühlte sich Darwin „wie ein Kaplan des Teufels“, der „das plumpe, verschwenderische, stümperhaft niedrige und entsetzlich grausame Wirken der Natur“ zu beschreiben hatte, in der er keinen gütigen Gott entdecken konnte. Trotzdem vermutete er, dass mit dem Gedanken der Evolution „viel Licht auf den Ursprung der Menschheit und ihrer Geschichte“ fallen werde.

Obwohl Darwin 1859 nur diesen einen Satz über den Menschen schreibt, griffen die Vertreter der Kirche ihn sofort an. Sie fragten polemisch, ob er väterlicher- oder mütterlicherseits vom Affen abstamme, und übersahen, was seine Idee war – eine wissenschaftliche Beschreibung der Möglichkeit von Organismen, sich an eine vorgegebene Welt anzupassen. Die Bibel ist kein Biologiebuch, wie man sagen könnte, um ein Wort von Johannes Kepler abzuwandeln, der seine Himmelsbeobachtungen als Gottesdienst unternahm und wusste: „Die Bibel ist kein Lehrbuch der Physik.“ Religion sucht nach dem Sinn des Lebens (und der Sterne), und die Wissenschaft nach ihren Gesetzen. Beide gehören zusammen und bilden das kulturelle Fundament der Menschen. Wir können beiden vertrauen, der Religion und der Wissenschaft, dem Glauben und dem Wissen, beiden zu ihrer Zeit und an ihrem Ort.



Charles Darwin




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