• Montag, 20.11.2017
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PERSPEKTIVEN

Ein Projekt für Freiheit, Mobilität und Sicherheit

Interview von Helmut Bachmaier  
Ein Projekt für Freiheit, Mobilität und Sicherheit
© presseportal.de
Felix Piazolo, strategischer und administrativer Co-Leiter eines europäischen Projektes für die ältere Generation, im Gespräch mit Helmut Bachmaier.


  Ein internationales Zukunftsprojekt (AAL - 2PCS)  
 
Personal Protection and
Caring System (2PCS)
 

Herr Piazolo, Sie haben eine Leitungsfunktion in dem AAL-Projekt 2PCS. Was sind konkret Ihre Aufgaben?

Felix Piazolo: Ich kümmere mich gemeinsam mit Prof. Kurt Promberger sowohl um die strategische als auch um die operative Leitung des Projekts und arbeite zudem auf der inhaltlichen Ebene aktiv mit. Da ich mich bereits 2009 intensiv mit der Thematik im Rahmen einer Machbarkeitsstudie beschäftigt habe und ich bereits bei der Ideenbildung und Antragstellung wesentlich involviert war, habe ich eine hohe Bindung zum Projektinhalt aufgebaut.

Das Projekt „Personal Protection and Caring System“ (2PCS) ist nicht nur durch die anvisierte technische und serviceorientierte Lösung innovativ und inhaltlich fordernd, sondern auch durch den Anspruch des Projektkonsortiums, die potentiellen Zielgruppen des zukünftigen Produktes intensiv einzubinden und erfasste Anforderungen optimal abzudecken. Dementsprechend wurden bereits im Jahr 2012 mehr als 2100 Personen und Organisationen erfolgreich in Workshops, Interviews und quantitativen Studien eingebunden.

Können Sie für unsere Leser bitte ganz kurz das Projekt 2PCS charakterisieren?

Felix Piazolo: Immer mehr ältere Menschen wünschen sich, so lang wie möglich unabhängig zu leben, ohne ihre Freiheit, Mobilität und ihr Sicherheitsgefühl aufgeben zu müssen. Diese Entwicklung bildet die Grundlage für das Personenschutzsystem 2PCS, mit welchem dieser Wunsch realisiert werden kann. Das Ziel des Projektes ist es, die Mobilität, den Informationszugang und das subjektive als auch objektive Sicherheitsgefühl von älteren Personen zu verbessern. Die angestrebte innovative Lösung ermöglicht ein höheres Unabhängigkeits- und Sicherheitslevel und einen besseren Zugang zu sozialer Interaktion. Dadurch werden Benutzer selbständiger und in die sogenannte selbstversorgende Gesellschaft integriert.

Das 2PCS-System basiert auf einem hochentwickelten uhrenähnlichem Gerät, welches am Handgelenk getragen werden kann, und einem benutzerfreundlichen und integrierbaren Softwareprogramm. Im Falle einer Informationsanfrage, eines Notfalls oder eines Sturzes kann mittels dieser „Uhr“ beispielsweise eine Verbindung zu einem Call-Center aufgebaut werden. Dabei wird auch eine Sprachkommunikation zwischen dem Benutzer und dem Call-Center ermöglicht. Im Notfall oder bei einer ortsbezogenen Informationsanfrage kann der Benutzer sowohl ausserhaus als auch im Haus lokalisiert und bedarfsgerecht unterstützt werden.

  Video:   PERSONAL PROTECTION & CARING SYSTEM 2PCS  
 
  PERSONAL PROTECTION & CARING SYSTEM 2PCS  
 

Was ist der konkrete Nutzen für ältere Menschen?

Felix Piazolo: Der zentrale Nutzen liegt im Einsatz von nur einem Endgerät, welches sowohl zu Hause als auch draussen funktioniert. Die Laufzeiten der Endgeräte wurden derart optimiert, dass im Normalbetrieb sehr lange Betriebszeiten ermöglicht werden. Ein tägliches Aufladen des Gerätes wird dadurch vermieden.

Das Gerät kann gleichermassen von Reisenden wie auch von Sportlern eingesetzt werden. Entsprechend des Lebensphasenmodells passen sich die Dienstleistungen des 2PCS-Systems den Anforderungen der Benutzer an. Beispielsweise kann das System als Hausnotrufsystem eingesetzt werden, mit dem wertvollen Zusatznutzen, dass das gleiche Gerät auch mobil ausser Haus eingesetzt werden kann. Zusätzlich ist auch der Einsatz in stationären Einrichtungen, wie beispielsweise ReHa-Kliniken und Seniorenheimen, vorgesehen. Testumgebungen wurden bereits erfolgreich aufgebaut. Der zentrale Vorteil von 2PCS liegt in der Anpassbarkeit des Systems auf die individuelle Bedarfslage der älteren Menschen sowie in der Sicherstellung der Selbstbestimmtheit der Nutzer.

Es gibt verschiedene Editionen. Für welche Zielgruppen sind sie gedacht?

Felix Piazolo: Wir haben bei der Entwicklung des Systems auf die jeweiligen individuellen Lebensphasen der gerade angedeuteten Zielgruppen geachtet. Grundsätzlich spricht 2PCS alle Endanwender an, die sich ein erhöhtes subjektives und objektives Sicherheitsgefühl wünschen und zusätzlich Zugang zu ortsbezogene Informationen und Dienstleistungen erhalten möchten. Eine genaue Zielgruppendefinition aus vertrieblicher Sicht wird noch bis zur Marktfähigkeit des Systems entwickelt werden. Momentan sprechen wir eher Bedarfsgruppen an. Ob diese später auch die zahlenden Kunden sein werden, ist noch offen.

Herr Piazolo, können Sie uns Ihren Ausbildungsweg kurz schildern?

Felix Piazolo: Erfreulicherweise durfte ich nach meinem High School Abschluss (Fosston, USA) und meinem Abitur (Friedrichshafen, Deutschland) im Rahmen meiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung an der Universität Innsbruck längere Auslandsaufenthalte in Spanien (Universidad de Granada) und in der Schweiz (Universität St. Gallen) geniessen. Nach dem Studium „Internationale Wirtschaftswissenschaften“ absolvierte ich das betriebswirtschaftliche Doktoratsstudium in Innsbruck. Im Jahr 2011 schloss ich mit der Dissertation „Public Format Franchising, Potentialanalyse des Franchising in der öffentlichen Verwaltung“ das Studium erfolgreich ab.

Wie und wann sind Sie an die Uni Innsbruck gekommen?

Felix Piazolo: Parallel zum Doktoratsstudium habe ich von meinem Betreuer, Prof. Kurt Promberger, die Chance bekommen, mich in der Lehre und Forschung zu engagieren. Eigene Inhalte und Forschungs- sowie Projektideen wurden dabei immer sehr wohlwollend aufgenommen und haben die notwendige Unterstützung erhalten. Ohne diese Begleitung und das sogenannte Mentoring wären die vielen spannenden Projekte der letzten 8 Jahre nicht möglich gewesen.

Ich schätze das Glück, in einem sehr professionellen und leistungsorientierten Institut, dem Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus, aktiv zu sein und in einem agilen Team rund um Prof. Kurt Promberger agieren zu dürfen. Die Rahmenbedingung für engagierte Personen und deren innovativen Ideen sind innerhalb des Instituts hervorragend. Die Umgebungsparameter im Team sind sicher optimal.

Was sind Ihre Aufgaben an der Uni, in welchem Fachbereich?

Felix Piazolo: Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre konzentriere ich mich auf die Themenbereiche „Enterprise Systems“, „Geschäftsprozessmanagement“, „Innovationsmanagement“, „Strategisches Management“, „Business Modeling“ und „Franchising“.

Hing damit auch Ihre Promotion zusammen?

Felix Piazolo: Ja, in gewissen Bereichen durchaus. In einem recht umfangreichen Teil der Dissertation geht es um die Bewertung der strategischen Führung innerhalb von Franchisesystemen. Zusätzlich bin ich auf neue Formen des Business Format Franchising eingegangen und habe Franchisemodelle für die öffentliche Verwaltung geprüft bzw. konzipiert. Es ist durchaus interessant und spannend, welches Innovationspotential sowohl in der Privatwirtschaft als auch der öffentlichen Verwaltung steckt.

Kommen wir noch einmal auf das AAL-Projekt zurück. Gibt es eine Fortsetzung?

Felix Piazolo: Aus vertragsrechtlichen Gründen kann ich momentan nur folgendes dazu sagen: Auf Basis der Informationen zur Bedürfnislage von über 2100 Personen und den realisierten technischen Innovationen wird man nicht unbedingt untätig bleiben.

Sie haben bei diesem Projekt mit der TERTIANUM-Stiftung zusammengearbeitet, wie war diese Zusammenarbeit?

Felix Piazolo: Wir haben bei der Zusammenstellung des internationalen Konsortiums mit Partnern aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz darauf geachtet, alle notwendigen Kompetenzbereiche für die Entwicklung und spätere Vermarktung der 2PCS-Lösung einzubinden. Dadurch ist das Konsortium relativ gross geworden, aber wir wollten eben die jeweiligen Experten entlang der Wertschöpfungskette einbinden. Das spiegelt sich auch bei unserem Partner TERTIANUM-Stiftung wider.

Bei vielen Entscheidungen innerhalb des Projektes verlassen wir uns auf die Kompetenzen und Erfahrungen der involvierten Personen der TERTIANUM-Stiftung. Zudem verfügt die Stiftung über ein hervorragendes Netzwerk und ist ein sogenannter Opinion Leader zu Themen rund um das aktive Altern.

Neben dem Nutzen für die Produktentwicklung liegt in der Zusammenarbeit mit der TERTIANUM-Stiftung aus meiner persönlichen Sicht auch eine individuelle Bereicherung aller jüngeren Projektbeteiligten. Der Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen ist für beide Seiten eine grosse Bereicherung.

Haben Sie noch ein weiteres Projekt mit dem Thema Alter in Planung?

Felix Piazolo: Seit 01.01.2013 haben wir ein zusätzliches nationales Forschungsprojekt zum Thema Wissens- und Fähigkeitsbereitstellung von ehemaligen Fach- und Führungskräften für Unternehmen und Organisationen in der Umsetzung. Im Rahmen des Projektes SECONET, Senior Competence Network, wird eine interaktive und leicht zugängliche Plattform entwickelt, welche es ermöglicht, Wissens- und Erfahrungsträger im sog. Ruhestand am sozialen und wirtschaftlichen Leben weiterhin aktiv teilzunehmen. Gerade im deutschen Sprachraum spitzt sich der Mangel an Fach- und Führungskräften bzw. die mangelnde Zugriffsmöglichkeit auf Kompetenzen, Fähigkeiten, Erfahrungen und wertvolle Netzwerke ehemaliger Fach- und Führungskräfte zu. SECONET soll diese signifikanten Mängel beheben.

Erfreulicherweise haben wir, obwohl es ein nationales Forschungsprojekt ist, welches von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt wird, auch an dieser Stelle Unterstützung von der TERTIANUM-Stiftung erhalten, welche sich aktiv in Workshops und über Interviews einbringt. Know-how und Kompetenzen werden demnach weiterhin grenzüberschreitend ausgetauscht bzw. zur Verfügung gestellt. Das freut mich persönlich ganz besonders und zeigt wie fruchtbar der intergenerationelle und internationale Austausch ist.

Das 2PCS-Konsortium

Das 2PCS-Konsortium besteht aus insgesamt neun Partnern aus fünf europäischen Ländern:

Konsortialführer (AT):
Universität Innsbruck
Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus

Partner (AT):
Humanocare GmbH

Partner (CH):
TERTIANUM-Stiftung
Curena AG

Partner (D):
Odenwälder Kunststoffwerke Gehäusesysteme GmbH
RF-Embedded GmbH

Partner (IT):
European Academy of Bozen/Bolzano
Privatklinik Villa Melitta – Casa Di Cura VILLA

Partner (NL):
Mieloo & Alexander B.V.

Das Projekt 2PCS wird über die internationale Forschungsförderungsschiene AAL Joint Programme unterstützt. Weitere Details zum Projekt finden Sie unter: www.2pcs.eu.


  Die beteiligten Unternehmen und Fördereinrichtungen
       
 
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