• Donnerstag, 23.03.2017
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ALTERSKULTUR

Die Alten erobern die Leinwand

Von Hanspeter Stalder  
  Die Alten erobern die Leinwand
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Das hat es noch nie gegeben: eine solche Häufung von Filmen zum Thema Alter im Kino und auf dem Bildschirm.


Bereits 2011 starteten schweizweit, zum Teil mit grossem Publikumserfolg, mehr als zwei Dutzend neuer Filme im Kino, die das Alter thematisieren. Und dieser Trend bestätigt sich auch 2012 und 2013. Dass das Alter in unseren Breitengraden eine stets wachsende Bedeutung bekommt, spiegelt sich auch im Film wider, dessen Aufgabe u.a. auch darin besteht, Wirklichkeit abzubilden. Diese Abbilder des Alters in den Medien wirken als Vor-Bilder für die Gesellschaft. Es entstehen daraus Nachrichten, nach denen wir uns richten: im Denken und Fühlen, mit unseren Vorstellungen und unserem Handeln. Und diese wiederum werden, im Glücksfall, zu Sinn-Bildern des Alters, zu Bildern, die Sinn stiften.

Sieben Gründe

Über die Gründe für diese offensichtliche Häufung lässt sich spekulieren. Meine vorläufigen Antworten auf diese Frage, wenn ich die Demografie und die Filmwirtschaft berücksichtige, sind die folgenden sieben:

    Erstens werden wir heute in unseren Breitengraden älter als noch vor wenigen Jahrzehnten. Es gibt folglich immer mehr Alte, die anspruchsvolle Filme sehen (wollen). Für das Kino bringt das einen willkommenen Zuwachs angesichts des sich verkleinernden Anteils jugendlicher Kinogänger.

  Weiter ist, zweitens, das Thema Älterwerden heute in aller Mund. Alte Menschen werden nicht mehr nur als Belastung der Krankenkassen oder als neu entdeckte Konsumenten, sondern auch als wichtiges Thema des politischen und kulturellen Diskurses verstanden.

  Heute wird zusätzlich, drittens, neben dem Alter, das freiwillige Beenden des Lebens in verschiedenen Filmen behandelt und auch bei der älteren Generation und in den Medien breit und engagiert diskutiert.

  Gleichzeitig setzt man sich, viertens, mit dem Altern, dem Sterben und angesichts unheilbarer Krankheiten mit der Medizin, den Ärzten und dem Gesundheitswesen in einer kritischen und emanzipatorischen Haltung auseinander und fordert persönliche und politische Antworten.

  Fünftens arbeiten heute immer mehr, vor allem junge Menschen, in den Kommunikations- und Medienberufen und suchen neue Geschichten, mit denen sie die Wirklichkeit, also auch jene der alten Menschen, zum Teil mit neuen Formen erzählen oder bearbeiten möchten.

  Und weiter frage ich mich (sechstens), ob unser Jahrhundert nicht ein «Jahrhundert der Alten» wird, nachdem das 20. das «Jahrhundert des Kindes» war, dies mit allen gesellschaftlichen, ökonomischen, anthropologischen und philosophischen Implikationen.

  Der Vormarsch der Alten auf der Leinwand, aber auch in den Kinosälen, wurde, siebtens, bei den letzten Solothurner Filmtagen bestätigt, bei denen eine gut besuchte öffentliche Diskussion mit dem Titel «Die (Über-)Präsenz des Alters im Film» stattgefunden hatte.
 


Sechs fast zufällig ausgewählte Filme – mit ihren Deutungen des Alters
   
von 6  
 
  Für Filmfreunde:  
 
  Wer auf dem Laufenden sein möchte, welche interessanten Filme zum Thema Alter und Altern in den Kinos anlaufen, sei auf www.seniorweb.ch verwiesen. Seniorweb hat in Kooperation mit der Pro Senectute Bibliothek eine Broschüre und eine Filmdatenbank veröffentlicht.

  Wer sich eine Übersicht verschaffen will über das Gesamtangebot der Filme zum Thema, findet diese in der Datenbank der Bibliothek von Pro Senectute Schweiz mit rund 500 Titeln in deutscher und französischer Sprache, respektive im Seniorweb unter dem Titel «Filme, die das Alter deuten» mit 241 Titeln.

Die Broschüre «Filme, die das Alter deuten» kann bei Pro Senectute als Print für CHF 10.- bezogen werden.
 
 
Links zum Thema:
       
 
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