• Montag, 24.04.2017
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PERSPEKTIVEN

Der Alphornbauer

Von Max Hugelshofer  
Schweizer Berghilfe - Der Alphornbauer
 Ein Beitrag der Schweizer Berghilfe 
© Schweizer Berghilfe
Heinz Tschiemer hat seine Stelle an den Nagel gehängt und sich selbständig gemacht – als Alphornbauer. Getan hat dies der junge Familienvater aus Idealismus und um seiner Heimatgemeinde Habkern zu neuem Schwung zu verhelfen.


Habkern - Berner Oberland
© Google Maps
Ein unverkennbarer Klang tönt durch das Dorf Habkern im Berner Oberland. Ein geerdeter, beruhigender Ton, der hier schon vor hunderten von Jahren zu hören war. Wer ihm folgt, landet in der neuen Alphorn-Werkstatt Bernatone. Dort steht Heinz Tschiemer zwischen Drehbänken, Schleif-, Fräs- und Bohrmaschinen und probiert ein soeben fertig gestelltes Alphorn aus. Noch vor einem Jahr wäre der Vater von zwei kleinen Buben an einem Werktagsmorgen wie diesem unterwegs gewesen, mit dem Firmenauto auf dem Weg zu einem Kunden.

Seinen guten Job als Aussendienstmitarbeiter einer Firma für Stalleinrichtungen hat er aber eingetauscht gegen Selbständigkeit, sehr viel Arbeit und wirtschaftliches Risiko. Warum? Heinz Tschiemer zeigt auf das brandneue Alphorn: „Dieses hochwertige Instrument ist vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt hier in Habkern entstanden. Es hat in unserem abgelegenen Bergdorf der Reihe nach dem Förster, dem Säger, meiner Frau Marietta und mir sowie der Künstlerin, die das Enzian-Motiv als Verzierung aufgemalt hat, Arbeit gegeben. Das ist doch genial, oder?“



 
Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.
 


Aufträge für die Sägerei

Es steckt viel Idealismus hinter der Entscheidung des Ehepaars Tschiemer, aber auch der Zufall half mit. Ganz aus dem Nichts ist Heinz nicht zum Alphornbauer geworden. Sein Vater Hans betreibt mit Hilfe der ganzen Familie in der vierten Generation neben dem Bauernbetrieb eine Sägerei. Dort wird das Holz aus den umliegenden Wäldern zu Balken und Brettern verarbeitet. Die Einzelteile beinahe jedes Holzhauses in Habkern sind in der Sägerei der Tschiemers entstanden. In den 1990er-Jahren wurde ein Instrumentenbauer aus dem Unterland bei Vater Tschiemer vorstellig. Er suchte ganz besonderes Holz für die Produktion von Alphörnern. Fichte musste es sein, dicht an der Waldgrenze ganz langsam gewachsen und möglichst regelmässig. Tschiemer konnte das gewünschte Holz liefern, und es entwickelte sich eine langjährige Partnerschaft.

Als der Instrumentenbauer vor einem Jahr aus Altersgründen seine Werkstatt verkaufen wollte, fragte er zuerst bei Tschiemers nach. Heinz, der als Kind Alphorn spielen gelernt hatte, aber in den vergangenen Jahren kaum mehr zum Spielen gekommen ist, war sofort interessiert. „Ich fand das Alphornbauen faszinierend und sah das Potential für unser Dorf“, sagt er. Und so entschieden sich Tschiemers nach vielen Diskussionen und einigen schlaflosen Nächten, den grossen Schritt zu wagen. Für den Kauf der vielen Maschinen setzten Tschiemers ihr ganzes Erspartes ein. Viel fehlte nicht, aber trotzdem reichte es nicht ganz. Tschiemers hätten sich zu stark verschulden müssen. Deshalb stellten sie bei der Schweizer Berghilfe ein Gesuch um Unterstützung. „Wir waren unglaublich erleichtert, als die Berghilfe den fehlenden Betrag übernommen hat“, sagt Marietta.


  Schweizer Berghilfe - Familie Tschiemer  
  © Schweizer Berghilfe  

Leeres Ladenlokal belebt

Zur Entscheidung, auf die Alphorn-Werkstatt zu setzen, hat auch die Tatsache beigetragen, dass einer der beiden Dorfläden Habkerns just zu diesem Zeitpunkt schliessen musste. Ein grosser Raum mit Schaufenstern, mitten im Dorfkern, wurde plötzlich nicht mehr gebraucht. „Es wäre für das Dorf gar nicht gut gewesen, wenn eine solche Liegenschaft nur als Lagerraum genutzt worden wäre“, sagt Heinz. „Mit unserer Werkstatt bleibt das Zentrum lebendig.“

Inzwischen bringt die Alphorn-Werkstatt sogar neue Besucher nach Habkern. Heinz bietet Führungen durch seine Werkstatt an und zeigt Touristen, wie die traditionellen Alphörner entstehen. Eine Zusammenarbeit mit Interlaken Tourismus ist aufgegleist, die ersten Gruppen sind bereits durch die Werkstatt geführt worden. Gesehen haben sie einen Betrieb, in dem mit modernen Methoden traditionelle Instrumente hergestellt werden. Im Durchschnitt fertigt Heinz pro Woche ein Alphorn. Ein qualitativ erstklassiges Alphorn, wie er betont, für das Kunden ungefähr 3500 Franken bezahlen. „Es ist eine Wissenschaft für sich, ein richtig gutes Alphorn zu bauen. Wenn die Qualität aber stimmt, habe ich keine Probleme, so viel zu verkaufen, wie ich herstellen kann.“ Jetzt gilt es erst einmal, das vom Vorgänger übernommene Wissen umzusetzen und Erfahrungen zu sammeln. Heinz Tschiemers Ziel ist aber, möglichst bald einen Mitarbeiter anstellen zu können. Und somit nochmals einen Beitrag dafür zu leisten, dass Habkern lebendig bleibt.

Weitere Informationen: www.bernatone.ch



 
Über das Leben hinaus Gutes tun
Viele Menschen möchten auch über ihr Leben hinaus Gutes tun und eine gemeinnützige Institution unterstützen. Mit einer Zuwendung an die Schweizer Berghilfe kann man die Lebensqualität der Schweizer Bergbevölkerung wesentlich verbessern. Wie man den Menschen im Berggebiet eine Zukunft geben kann, zeigt der kostenlose Ratgeber fürs Testament. Diesen kann man hier bestellen: www.berghilfe.ch/de/kontakt/unterlagenbestellen.

Bei weiteren Fragen zum Thema steht Martin Schellenbaum gerne zur Verfügung:
Telefon 044 712 60 56, martin.schellenbaum@berghilfe.ch
 

Video zum Thema:
   
 



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Das Alphorn
Schweizer Berghilfe - Das Alphorn
© wikipedia. org
Wann genau das erste Alphorn gebaut wurde, weiss heute niemand mehr. In der Schweiz wurde es 1527 erstmals schriftlich erwähnt. Im 18. Jahrhundert geriet das Instrument, als Bettelhorn verspottet, fast in Vergessenheit, da die verarmte Landbevölkerung damit musizierte. Mit der Romantik und dem Tourismus im 19. Jahrhundert wurde zusammen mit der Folklore auch das Alphorn wiederentdeckt. Heute gilt das Alphorn als Schweizer Nationalsymbol. Es gehört aufgrund der Anblastechnik zu den Blechblasinstrumenten, obwohl es fast vollständig aus Holz besteht.
 
       
 
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