• Sonntag, 19.11.2017
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AUSWANDERN NACH DER PENSIONIERUNG

Chancen und Risiken der Auswanderung

Transnationale Altersmigration in Europa  
Von Lorenz Trutmann  
  Chancen und Risiken der Auswanderung
   
.
Als Seniorin oder Senior auswandern – eine wissenschaftliche Bezeichnung dafür ist „Transnationale Altersmigration“, und um diese geht es in der folgenden Buchbesprechung. Diese soll vor allem die Risiken im Zusammenhang mit der transnationalen Altersmigration aufzeigen und potentiellen Auswanderern die Gelegenheit geben, über die eigene Altersmigration oder Migrationsabsicht zu reflektieren.

Buchempfehlung
Transnationale Altersmigration in Europa.
Claudia Kaiser:
Transnationale Altersmigration
in Europa. Sozialgeographische
und gerontologische Perspektiven.
VS Verlag für Sozialwissenschaften
(Wiesbaden) 2011. 342 Seiten.
ISBN 978-3-531-18285-8

Erwartung höherer Lebensqualität

Transnationale Migration bewegt sich thematisch zwischen Tourismus und Migration. Die Option, seinen Lebensmittelpunkt auf Grund von regionalen Unterschieden wie Klima, Lebenshaltungskosten, Freizeitqualität zu optimieren und über Grenzen dahin zu gehen, wo man sich eine (noch) höhere Lebensqualität verspricht, wird insbesondere seit den 1990er-Jahren immer öfters wahrgenommen. Dies auch infolge eines relativ hohen materiellen Wohlstands und verbesserten immateriellen Voraussetzungen wie Information, Kommunikation, Mobilität, Transport in einer globalisierten Welt.

Dank gestiegener Lebenserwartung bei guter Gesundheit dürfen viele ältere Menschen eine verlängerte, stabile nachberufliche Lebensphase erwarten. Dies betrifft eine Generation, die von Werten wie Individualisierung, Flexibilisierung, Freizeit- und Konsumorientierung geprägt wurde, eine Generation, die zumeist über vielfältige Reiseerfahrungen verfügt und im Alter die Chance, die nachberufliche Lebensphase aktiv zu gestalten, wahrnimmt – auch im Ausland. Sie wählt ihren Lebensstil bewusst und optimiert ihre Lebensqualität, indem sie etwa die Vorteile und Annehmlichkeiten eines „plurilokalen“ Lebens nutzt.

Die transnationale Altersmigration bietet entsprechend viele Chancen. Sie birgt aber auch besondere Risiken. Einige dieser Risikoaspekte werden in der Studie von Claudia Kaiser (wissenschaftliche Referentin für Gesundheits- und Pflegepolitik bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisation [BAGSO]) e.V.): „Transnationale Altersmigration in Europa“ herausgearbeitet und aufgezeigt. Einige wichtige Ergebnisse sollen nachfolgend referiert werden.

Erkenntnisse
zu kritischen Faktoren in der transnationalen Altersmigration

Claudia Kaiser macht drei Arten von kritischen Lebensereignissen und sieben Faktoren, die im transnationalen Kontext die kritischen Lebensereignisse besonders beeinflussen können, aus. Von der Art und den Faktoren hängen der Erfolg bzw. Misserfolg der Auswanderung ab.

Die drei Arten von kritischen Lebensereignissen sind:
  • Eintritt von ernsthaften Erkrankungen oder Pflegebedürftigkeit
  • Verlust des Partners
  • Eintritt finanzieller Notlagen.

Die Autorin hält dazu fest, dass das individuelle Bewältigungspotential stark vom Handlungs- und Entscheidungsspielraum einer Person und deren Lebenslage abhängt. Dazu zählt insbesondere die Begrenzung ihrer „ökonomischen, sozialen und kulturellen Ressourcen“ (S. 284), ausserdem spielen kognitive Kompetenzen eine Rolle.
Die sieben empirisch gestützten Faktoren, immaterieller und materieller Art (psychologische, kognitive Aspekte wurden nicht untersucht), beeinflussen die Handlungsoptionen und die Bewältigung von potentiellen und realen Lebenskrisen und Problemen im transnationalen Migrationskontext besonders (S. 284 - 298):

Gesucht
Pensionierte Auswanderer
und Rückkehrer
Wir suchen
  • vor der Auswanderung stehende,
  • als Rentner ausgewanderte (auch nur zeitweise) und
  • vom Ausland zurückgekehrte
pensionierte Personen, welche sich für ein Interview (Telefon, Mail) zur Verfügung stellen. Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte telefonisch oder per Mail.
Telefon: 0041-52-770 22 22
E-Mail: redaktion@senline.ch
Vielen Dank für Ihr Interesse!
  • Nicht-alternsgerechte Wohnungen und Wohnlage
  • Instabile und anonyme Nachbarschaft
  • Schwache soziale Netze
  • Geringe Fremdsprachenkenntnisse und mangelndes Wissen über die eigenen Rechte
  • Fehlende Partner und nicht-belastbare Familienbeziehungen
  • Geringes verfügbares Einkommen oder Vermögen
  • Fehlende Rückkehrmöglichkeiten.
Viele Risiken bestehen auch in der Heimat, aber im transnationalen Kontext kann sich der Verlust von Vorteilen aus der lebensstilorientierten Migration sowie ein im Ausland unzureichender Zugang zu sozialrechtlicher Hilfe verstärkt negativ auswirken. Eine nicht geplante oder frühzeitige, also aufgezwungene Rückkehr kann als ein Scheitern des Migrationsprojektes empfunden werden.

Weitere Eckpunkte im Buch

Der Leser erhält einen Überblick über den Stand der Migrationsforschung. Besonderheiten der transnationalen Altersmigration werden herausgearbeitet und unter ihrer sozialgeographischen und gerontologischen Perspektive betrachtet. Weiter erfährt der Leser einiges über das System der transnationalen Altersmigration von Deutschland nach Mallorca. Hier stehen allgemeine politische, rechtliche und demographische sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Entwicklungen in Deutschland als Herkunfts- und Mallorca als Zielland im Vordergrund. Dieser Teil ist stark Deutschland-Mallorca bezogen und basiert mehrheitlich auf der Auswertung von quantitativen Daten.


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Vorgehensweise

Kaiser stützt sich bei ihrer Studie auf Primär- und Sekundärdaten. Im Zentrum der Studie standen 3 empirische Befragungsmethoden. Die Befragung fand im März/April 2000 und Februar/März 2001 vor Ort (Mallorca) statt:

  1. 360 (S. 98) standardisierte, persönliche, quantitative Haushaltsbefragung von älteren Deutschen, die älter als 55 Jahre sind und sich im Jahr vor der Befragung mindestens 3 Monate auf Mallorca aufhielten.
  2. 15 (S. 99) problemzentrierte, qualitative Interviews mit Haushalten unterschiedlicher Migrationstypen und sozialer Hintergründe (Alter, Aufenthaltsdauer, Haushaltsgrösse und Bildungshintergrund).
  3. 12 (S. 101) themenzentrierte, halbstrukturierte und offene Gespräche mit Experten.

Die Auswertung erfolgt sowohl in qualitativer wie quantitativer Hinsicht, baut auf den zuvor aus der Analyse der Sekundärdaten (Deutschland und Spanien) gewonnenen Erkenntnissen auf und vergleicht diese. Erschwerend für die Analyse der Sekundärdaten ist die „ungenügende formale Erfassung der deutschen älteren Migranten“ (S. 95) und dass keine Datenquellen existieren, die der Grundgesamtheit der auf Mallorca lebenden älteren Deutschen gerecht würden (S. 96).


Nutzen für potentielle Auswanderer

Das Buch wendet sich eigentlich an „Dozierende und Studierende der Soziologie, der Geographie und der Gerontologie“. Für (potentielle) Auswanderer kann, nach Einschätzung des Rezensenten, der Teil des Buches wertvoll sein, in dem es um die kritischen Lebensereignisse im Kontext der transnationalen Altersmigration geht. Dies gilt dann besonders, wenn die Lektüre zu einer persönlichen Auseinandersetzung und einem Reflektieren der eigenen Situation führt und dadurch neue oder erweiterte Handlungsoptionen und besseren Strategien entwickelt werden.


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