• Montag, 20.11.2017
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BILDUNG

Bildung verbessert das Leben

Lebensperspektiven älterer Menschen nach Bildungsstatus
Von François Höpflinger
Bildung verbessert das Leben - Lebensperspektiven älterer Menschen nach Bildungsstatus
© unsplasch/pixabay.com
Ein geringer schulisch-beruflicher Bildungsstand ist auch im höheren Lebensalter mit schlechteren wirtschaftlichen und gesundheitlichen Lebensbedingungen verknüpft, sei es, dass geringe Bildung via geringes Erwerbseinkommen zu geringen Rentenansprüchen führt, sei es, dass Menschen mit wenig Fachausbildung häufiger prekäre und körperlich belastende Arbeiten ausüben, die auch die Gesundheit im Rentenalter beeinträchtigen, oder sei es, dass bildungsferne Personen weniger Ressourcen aufweisen, schwierige Lebenssituationen aktiv zu bewältigen.

Bildung – finanzielle und gesundheitliche Bedeutung

Untere Bildungsgruppen leiden häufiger unter finanziellen Problemen sowie unter merkbaren körperlichen Beschwerden als obere Bildungsgruppen. Gesundheitlich bedingte Einschränkungen der Alltagsaktivitäten treten bei bildungsfernen Frauen und Männern deutlich früher auf als bei Frauen und Männer mit tertiärer Ausbildung (abgesehen davon, dass auch die Lebenserwartung im Rentenalter bei höheren Bildungsgruppen höher ist).

Bildung und psychische Befindlichkeit

Die psychische Befindlichkeit variiert je nach Bildungsstand, und untere Sozialschichten äussern häufiger depressive Stimmungen. Ein tiefer Bildungsstand wirkt direkt sowie indirekt – über eine schlechtere Gesundheit – auf die Anzahl depressiver Stimmungen im Alter. Lebenszufriedenheit, Lebensfreude und emotionale Befindlichkeit sind ebenfalls mit dem Bildungsstand assoziiert, und bildungsferne Personen sind im höheren Lebensalter häufiger ärgerlich, traurig und besorgt als bildungsnahe Personen. Das Erreichen des Rentenalters scheint allerdings gerade bei bildungsfernen Personen nicht selten zu einer gewissen emotionalen Entlastung beizutragen, sei es, weil berufliche Belastungen oder Angst um den Arbeitsplatz wegfallen, sei es, weil mehr Zeit zur Erholung und der Pflege selbstgewählter Aktivitäten vorhanden ist.

Mangelndes Engagement

Deutlich wird, dass bildungsferne Befragte weniger häufig in Vereinen oder anderen Gruppierungen teilnehmen und sich auch weniger in der Freiwilligenarbeit engagieren als Befragte mit tertiärem Bildungshintergrund. Die Ursache dafür kann sein, dass Personen mit tiefem Bildungsstand sozial eher am Rand stehen oder dass aufgrund geringer Renten die Ressourcen für ein aktives zivilgesellschaftliches Engagement fehlen.

Bildungsexpansion reduziert Defizite

Eine positive Feststellung ist allerdings, dass sich in der Schweiz – ähnlich wie in anderen europäischen Ländern – dank Bildungsexpansion der Anteil älterer Menschen ohne weiterführende Aus- und Weiterbildung stark verringert hat. Heutige ältere Frauen und Männer verfügen häufiger über eine berufliche Fach- oder Tertiärausbildung als frühere Generationen. So hat sich in der Region Genf und Zentralwallis der Anteil der 65-74-jährigen Männer ohne berufliche Fachausbildung zwischen 1979 und 2011 von 56% auf 14% verringert. Bei den 65-74-jährigen Frauen sank der Anteil mit tiefer Bildung in dieser Periode sogar von 72% auf 11%. Die Bildungsexpansion der letzten Jahrzehnte wirkt sich auch auf die Gestaltung des Rentenalters insgesamt positiv aus, und gut ausgebildete ältere Menschen bleiben auch im Alter länger aktiv und kognitiv kompetent.

Bildungsinvestitionen lohnen sich

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es,
alles beim Alten zu belassen und zu hoffen,
dass sich etwas ändert“. (Albert Einstein)

Gesellschaftspolitisch hat dies zwei zentrale Konsequenzen: Bildungsinvestitionen – in junge und ältere Menschen – sind eine langfristig wirksame Strategie zur Bewältigung der demographischen Alterung. Und die Verbesserung der Bildungschancen der Kinder sozial benachteiligter Eltern ist eine zentrale Massnahme zur Reduktion oder zumindest zur Abfederung wachsender sozialer Ungleichheiten. In einer demographisch alternden Gesellschaft wird es zudem immer dringlicher, nicht nur in Kinder und Jugendliche zu investieren, sondern Lebenslanges Lernen zu verankern.

In der Schweiz fehlt allerdings eine Bildungspolitik 50plus noch weitgehend, wie eine neue Publikation illustriert (Campiche, Roland J.; Kuzeawu, Afi Sika: Die jungen Alten: vom Bildungssystem vergessen, Zürich 2017).
Indikatoren zur Lebenslage 65-74-jähriger Menschen nach
Bildungshintergrund (2014)
  Bildungsstand
  tief mittel hoch
- Anteil erwerbstätig 15% 21% 31%
- Teilnahme in Vereinen/Clubs 35% 52% 58%
- Engagiert in Freiwilligenarbeit 26% 39% 48%
- Anteil mit guter/sehr guter Gesundheit 68% 82% 87%
- Anteil mit starken Rückenproblemen 21% 10% 8%
       
Mittelwerte einer Skala 0-10      
- Zufriedenheit mit finanzieller Lage 7.3 7.8 8.0
- Allgemeines Vertrauen in Mitmenschen 5.8 6.2 6.6
- Gesundheitl. bedingte Einschränkungen der Alltagsaktivität. 3.2 2.5 2.1
- Häufigkeit depressiver Stimmungen 2.5 2.0 1.8
- Häufigkeit von Sorgen 3.4 2.8 2.9
Bildung tief = Personen ohne weiterführende schulisch-berufliche Weiterbildung
Bildung mittel = Personen mit Berufs- und Fachausbildung
Bildung hoch = Personen mit tertiärer Ausbildung (Fachhochschule, Universität)
Quelle: Schweiz. Haushaltspanel 2014) (Welle 16, gewichtet)

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