• Montag, 20.11.2017
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PERSPEKTIVEN

Berge verbinden

Von Max Hugelshofer  
Berge verbinden  
 Ein Beitrag der Schweizer Berghilfe   
© Schweizer Berghilfe
Rosmarie Lerf hat sich nach der Pensionierung einen Traum erfüllt und ist von der Stadt ins Berner Oberland gezogen, in die alte Heimat ihrer Eltern. Die Berge bedeuten ihr viel, sorgen für spannende Erlebnisse und halten sie fit. Auch nach ihrem Tod will Rosmarie Lerf dafür sorgen, dass ihre geliebte Berglandschaft bewohnt und bewirtschaftet bleibt. Deshalb vermacht sie einen Teil ihres Ersparten als Legat der Schweizer Berghilfe.

Alp Chuelouenen

Schweizer Berghilfe
Lageplan der Alp Chuelouenen
„Pssst“, macht Rosmarie Lerf und hält sich den Zeigfinger vor den Mund. „Hören Sie mal. Das ist reine Musik.“ Tatsächlich: Bienen summen, der Wind rauscht in den Bäumen, Kuhglocken bimmeln, und aus der Ferne hört man Wasser rauschen. Die Musikerin und ehemalige Klavierlehrerin nimmt die wunderschöne Landschaft des Simmentals mehr als andere Menschen mit den Ohren wahr. Beim Weitergehen mischt sich in den Klangteppich noch das rhythmische Knacken, das die Schuhsohlen beim Zertreten der auf dem Waldweg liegenden trockenen Tannzapfen machen. Und das Schnaufen der Wanderer. Denn es geht bergauf. Steil sogar. Das Ziel, die Alp Chuelouenen, erreicht man nach einer langen Fahrt über steile Kiessträsschen nur mit einem einstündigen Fussmarsch. Dies ist ein Grund, warum die Älplerin und Besitzerin der Alp, Vreni Stucki, im Sommer nie runter ins Tal geht. Der Zeitverlust wäre einfach zu gross. Es liegt aber auch daran, dass es ihr dort oben einfach wohl ist. Weg vom hektischen Alltag, umgeben von der wundervollen Natur hat sie zwar mit Zäunen, mit Unterhaltsarbeiten und vor allem mit dem Melken der 25 Kühe alle Hände voll zu tun, es redet ihr aber niemand drein.



 
Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943
Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.
 

Liebe zu den Bergen

Auch wenn Vreni Stucki die Einsamkeit auf der Alp, die sie gemeinsam mit ihrem über 80-jährigen Vater bewirtschaftet, nichts ausmacht – über Besuch ist sie immer froh. So wird auch Rosmarie Lerf herzlich begrüsst und zu einem Pulverkaffe in das einzige Zimmer der alten Alphütte eingeladen. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb bestens, auch wenn ihr Leben unterschiedlicher kaum sein könnte. Hier Vreni Stucki, der ihre Töchter und Enkel alles bedeuten, die in den Bergen jede Pflanze und jedes Tier kennt, die ihr ganzes Leben im Berner Oberland verbracht hat, noch nie in den Ferien war und das Meer nur aus Erzählungen kennt. Dort die unverheiratete Rosmarie Lerf, der Bildung wichtig ist und die sich für Kultur begeistert. Was die beiden verbindet, ist ihre Liebe zu den Bergen. Und die Schweizer Berghilfe.

Respekt vor dem Leben der Bergbevölkerung

Vreni Stucki wurde vor einigen Jahren beim Anbau eines Wohnhäuschens an den alten Kalberstall unterstützt, Rosmarie Lerf hat beim Tod ihrer Eltern die Familientradition übernommen, mit regelmässigen Spenden die Bergbevölkerung zu unterstützen. „Mein Vater war im Aktivdienst Offizier bei den Gebirgstruppen und liebte die Berge“, erzählt sie. „Als Kind bestanden meine Ferien aus Wandern und dem Entdecken der abgelegenen Täler der Schweiz.“ Das so geweckte Interesse und auch der Respekt vor dem Leben der Bergbevölkerung haben sich gehalten. „Ich finde es nicht selbstverständlich, dass diese Leute ein so strenges Leben auf sich nehmen, um die Landschaft zu pflegen und die Berggebiete am Leben zu erhalten“, sagt sie. Auch das Leben auf Chuelouenen fasziniert sie. „Es ist wunderschön hier. Aber ich könnte niemals fast alleine einen ganzen Sommer auf der Alp verbringen. Und erst recht nicht die viele strenge Arbeit erledigen.“

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Der Berghilfe ein Legat vermacht

Vreni Stucki und Rosmarie Lerf
© Schweizer Berghilfe
Vreni Stucki und Rosmarie Lerf
Auch nach ihrem Tod will die 73-Jährige den Bergen Gutes tun. Sie hat deshalb der Schweizer Berghilfe ein Legat vermacht. Wenn sie einmal stirbt, geht ein Teil ihres Vermögens an die Stiftung. Auch andere wohltätige Organisationen erhalten etwas. Sie habe zwar liebe Freunde, aber keine Nachkommen. Da sei es umso wichtiger, frühzeitig den Nachlass zu planen. „Ich habe nach dem Tod meiner Mutter mein Testament geschrieben und eine Patientenverfügung gemacht. Das war sehr befreiend. Jetzt ist alles erledigt, und ich kann die Jahre, die mir noch bleiben, voll geniessen.“

Vorläufig wird Rosmarie Lerf dies im Berner Oberland tun, wo sie seit ihrer Pensionierung lebt. „Ich habe mir damals einen Wunsch erfüllt und bin nach einem Berufsleben in Winterthur und Zürich in die alte Heimat meiner Eltern gezogen“, sagt sie. Von hier aus unternimmt sie zahlreiche Ausflüge und Wanderungen. Das will sie machen, solange die Gesundheit mitspielt. Für die Zeit danach hat sie auch schon einen Plan. „Wenn ich mal nicht mehr so gut zu Fuss bin, dann ziehe ich mitten in die Stadt Zürich, nach Hottingen, wo ich aufgewachsen bin.“ Und dann kommt nach der Natur wieder die Kultur an die Reihe. „Langweilig wird mir auch dort nicht. Ich freue mich schon auf all die vielen klassischen Konzerte, Lesungen und Ausstellungen.“



 
Über das Leben hinaus Gutes tun
Viele Menschen möchten auch über ihr Leben hinaus Gutes tun und eine gemeinnützige Institution unterstützen. Mit einer Zuwendung an die Schweizer Berghilfe kann man die Lebensqualität der Schweizer Bergbevölkerung wesentlich verbessern. Wie man den Menschen im Berggebiet eine Zukunft geben kann, zeigt der kostenlose Ratgeber fürs Testament. Diesen kann man hier bestellen: www.berghilfe.ch/de/kontakt/unterlagenbestellen.

Bei weiteren Fragen zum Thema steht Martin Schellenbaum gerne zur Verfügung:
Telefon 044 712 60 56, martin.schellenbaum@berghilfe.ch
 


 
       
 
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