• Sonntag, 23.04.2017
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ALTERSTHEMEN

Alltagsbedürfnisse älterer Menschen im Wandel

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Von Helmut Bachmaier
Alltagsbedürfnisse älterer Menschen
© pixabay
Die Vorstellungen vom Alter und das Selbst-Bild älterer Personen haben sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt. Dieser Wandel geht einher mit einer Veränderung ihrer Bedürfnisse. Immer noch steht aber der Wunsch nach Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden an erster Stelle. Eine weitere Erwartung ist, möglichst lange sein Leben selbst gestalten zu können und gute Freunde/Freundinnen um sich zu haben.

Die Alltagsbedürfnisse fangen bei der Wohnung an. Für die Wohnung ist erforderlich, dass sie so gebaut und eingerichtet ist, dass sie auch in den späteren Jahren weitgehend ein autonomes Leben ermöglicht. Wohnungsanpassungen oder der Wechsel in eine altersgerechte Einrichtung sind oftmals ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität.
Der Dialog mit anderen ist ein elementares Bedürfnis.
Der Dialog mit anderen ist ein elementares Bedürfnis. © pixabay  

Im Gespräch bleiben

In unseren modernen Gesellschaften ist der Kontakt zwischen den Menschen nicht so intensiv wie im traditionellen Dorf. Das Bedürfnis, mit anderen im Gespräch zu bleiben, gehört zum Menschen als soziales Wesen. Überdurchschnittlich viele ältere Frauen geben beispielsweise in Umfragen an, dass sie keine Gesprächs- und Vertrauensperson in ihrer Nähe haben, dass sie zuweilen an Depressionen leiden. Hier ist es erforderlich, Kontakte zu anderen zu knüpfen und zu pflegen. Die Teilhabe an den Neuen Medien sehen deshalb viele als Chance, mit Kindern und Enkeln oder Freunden im direkten Kontakt zu bleiben. Deshalb sind hier die Zuwachsraten erheblich gestiegen.

Freundschaften beruhen auf gegenseitiger Zuneigung und auf Vertrauen. Gleichheit im sozialen Rang und in den Anschauungen sind ebenso wichtig wie gemeinsame Interessen oder gegenseitige Sympathie bei der dyadische, informellen Sozialbeziehung der Freundschaft. „Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen und trotzdem zu uns halten“ (Marie von Ebner-Eschenbach). Dass in der Freundschaft das Gespräch oder der Dialog im Zentrum stehen, hat Cicero in seinem Text über die Freundschaft „Laelius de amicitia“ so beschrieben: „Wie kann überhaupt ein Leben lebenswert sein, welches nicht auf wechselseitiger Freundesliebe beruht? Was gibt es Schöneres, als einen Menschen zu haben, mit dem du dich alles so zu reden traust wie mit deinem eigenen Ich?“

Die Situation

„Mit der Veränderung der körperlichen und geistigen Gesundheit im Alter ist häufig auch eine Verschiebung der Prioritäten im Lebensalltag verbunden. So sind etwa Funktionalität, Selbstständigkeit, Alltagsbewältigung und die soziale Teilhabe entscheidend für die Lebensqualität älterer Menschen. Hierfür bedarf es altersgerechter Konzepte, die zum Erhalt dieser Funktionen beitragen. Dabei gilt es vor allem auch die körperlichen, psychischen, sozialen und kulturellen Aspekte des Alterns und Alters zu berücksichtigen. Hier wird entsprechend eine gerontologische Forschung benötigt, die die besonderen Bedürfnisse von älteren Menschen als Ganzes in den Fokus nimmt.“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung. Richtlinie zur Stärkung der Forschung in der Geriatrie und Gerontologie. Bundesanzeiger vom 24.10.2016.)

Das Bedürfnis, tätig zu sein

Das Bedürfnis, tätig zu sein
Aus Untersuchungen geht hervor, dass tätig sein und tätig bleiben bis ins hohe Alter die Voraussetzung dafür ist, dass typische Alterserkrankungen relativ spät eintreten. Jede Tätigkeit sollte genau den Möglichkeiten, den Ressourcen des Menschen entsprechen, damit er sich nicht überfordert.

Die Bedürfnisse älterer Personen sind ebenso verschieden wie ihre Biographien und ihre Charaktere. Es gibt die Personen, die den späten Lebensabschnitt bewusst und längerfristig gestalten und noch etwas Besonderes erfahren und unternehmen möchten. Andere ziehen sich in ihre vier Wände zurück und wollen den sogenannten Ruhestand, frei von Verantwortung und von Verpflichtungen, einfach geniessen. Wieder andere wollen sich für andere einsetzen, sich engagieren für ein wertvolles Ziel.

Auffällig ist, dass bei der älteren Generation mit den Jahren die spirituellen Bedürfnisse ausgeprägter werden, so wie sie auch vermehrt kulturelle Interessen zeigen. Es kommt darauf an, für sich das Richtige und Angemessne herauszufinden und dann eine Entscheidung zu treffen. Dazu gehören eine angemessene Umgebung und persönliche Kontakte, damit sich die eigenen Bedürfnisse realisieren lassen. Wünschen sollte man sich aber nur, was man allein oder gemeinsam erreichen kann. Dann wohnt – frei nach Hermann Hesse – jedem Neuanfang ein gewisser Zauber inne.
We drive into the future

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