• Dienstag, 26.09.2017
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PERSÖNLICHKEIT DES MONATS

Zielorientierter Realismus

Interview von Helmut Bachmaier  
Urs Oberholzer - Gelebte Alterskultur
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Felix Bodmer, Finanzchef (CFO) der AFG Arbonia-Forster-Holding AG, im Gespräch mit Helmut Bachmaier.


Herr Bodmer, Sie sind seit 2003 bei der AFG als Finanzchef tätig. Nach Ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Uni St. Gallen hatten Sie Aufgaben im elterlichen Betrieb übernommen.

Felix Bodmer: Ja, diese Zeit in unserem Familienunternehmen hat mich sehr geprägt. Es war ein Textilunternehmen, in dem ich anstelle meines Bruders Verantwortung übernehmen musste. Nach 4 Jahren wurde das Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung der Textilindustrie verkauft. Es war eine schwierige Zeit. Daraus habe ich mitgenommen, dass es nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Zukunft ankommt: Vergangenheit kann ja nie mehr verändert werden. Also gilt es, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und an der Zukunft zu arbeiten. Weiter habe ich damals, durchaus prägend, erfahren, wie wichtig es ist, Kosten einzusparen und durch verträgliche Massnahmenpakete zu verhindern, dass Mitarbeitende allzu sehr belastet werden, wenn ein Unternehmen Probleme hat. Es sind nicht immer Abfindungen, die weiterhelfen, sondern oft mehr noch die Unterstützung bei der Stellensuche.

Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Kriterium in einer Krise?

Felix Bodmer: Entscheidend ist, auch für die AFG: Neben einer intakten Basis des Unternehmens muss vor allem der Cash stimmen.

Können Sie Mitarbeitende zwischen den verschiedenen Unternehmen, die zur AFG zählen, wechseln lassen?

Felix Bodmer: Das ist schwer, denn es ist eine Ansammlung selbständiger KMUs, und bei selbständigen Einheiten kann nicht einfach gewechselt werden. Aber wir arbeiten an deren Durchlässigkeit.

Wie können wir uns Ihre ausserberuflichen Interessen vorstellen?

Felix Bodmer: Da ist zuerst natürlich meine Frau, eine Amerikanerin, mit der ich 21 Jahre verheiratet bin. Sie sagt oft, erst wenn ich einmal pensioniert werde, seien wir wirklich miteinander verheiratet.

Mein Hobby ist die Hochwildjagd, bei der Hirsche, Gams- und Steinwild bejagt werden. Das hat in meiner Familie Tradition – seit dem Grossvater. Diese Art der Jagd stellt verschiedene Ansprüche an den Jäger. Hier gilt der Grundsatz: Man muss bestimmte Grenzen respektieren, und es ist mein Motto: „Lebe in Einklang mit der Natur.“

Mit meinem Vorsteherhund geniesse ich die Zeit im Wald und in den Bergen. Die Welt dort ist ganz anders als der geschäftliche Alltag, und es treffen sich dabei Menschen aller Schichten. Ruhe, Stille, Gemeinsamkeit und ein Engagement im Sinne der Naturverbundenheit kommen hier zusammen.

Und Ihre kulturellen Interessen?

Felix Bodmer: Oper und Musical stehen oben an. Beim Lesen eher die Klassiker des 20. Jahrhunderts wie Thomas Mann oder Alfred Döblin. Reisen wären eine weitere Passion, wenn ich dafür Zeit hätte.

Wie beurteilen Sie die demographische Entwicklung und die neue Altersgesellschaft?

Felix Bodmer: Diese Entwicklung können wir nicht aufhalten. Es ist schön, dass wir länger leben und leben werden, aber dadurch dürfen wir nicht die aktive Generation belasten. Vielmehr sollten Ältere länger tätig bleiben. Jedenfalls sind Frühpensionierungen ein Irrweg. Dadurch geht einem Unternehmen auch viel Know-how verloren. Die Gesellschaft hat es offensichtlich noch nicht verstanden, dass über 60- und 65-Jährige oft weiterarbeiten wollen und auch sollen. Es fehlt an altersgerechten Arbeitsplätzen.

Auf Seiten der Angebote müssen die Produkte und Dienstleistungen erheblich angepasst werden und alterskonform sein. Dazu zählen auch altersgerechte Wohnformen und entsprechende Wohnungen. Ein anderer Umgang mit der Umwelt gehört zu den Zukunftsaufgaben und könnte von der älteren Generation vorangetrieben werden.

Ihr eigenes Alter – wie stellen Sie sich das vor?

Felix Bodmer: Statt eines plötzlichen Wechsels in den sogenannten Ruhestand strebe ich einen allmählichen Übergang zu nachberuflichen Tätigkeiten an, bei denen es nicht auf das Geld ankommt. Also sinnvolle Aufgaben, bei denen man seine Erfahrung weitergeben kann. Auch ein Ehrenamt könnte es sein. Wenn jährlich eine längere Reise hinzukommt, dann wäre dies sehr zufriedenstellend.

Es besteht seit einiger Zeit eine Partnerschaft zwischen der AFG und der TERTIANUM-Stiftung. Was erwarten Sie von dieser Partnerschaft?

Felix Bodmer: Mit den Produkten von AFG sprechen wir die ältere Generation an. Wir haben auch ältere Mitarbeitende. Von der TERTIANUM-Stiftung erfahren wir, wie sich der Altersmarkt entwickelt und was ältere Kunden und Mitarbeitende wünschen oder bedürfen. Es ist also die Kompetenz in Altersfragen seitens der Stiftung, die für uns wichtig ist.

Ich kann mir vorstellen, dass wir gemeinsam mit Hilfe einer Variantenkonfiguration eine Basisküche oder eine Dusche für Ältere entwickeln. Welche Standards müssen hier beachtet werden? Wie können wir das diesbezügliche gerontologische Wissen nutzen? Als zielorientierter Realist wäre das für mich ein weiteres Projekt mit der TERTIANUM-Stiftung.
 
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